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StartseiteKalenderblattPeter Behrens: Unangepasster Autodidakt mit vielfältigem Werk14.04.2018

Vor 150 Jahren geborenPeter Behrens: Unangepasster Autodidakt mit vielfältigem Werk

Der gebürtige Hamburger Peter Behrens war beeinflusst vom Jugendstil, fand aber schnell zu einer funktionalen Ingenieursästhetik. Als Industriedesigner arbeitete er für die AEG. Zugleich aber war der deutsche Architekt ein Mentor für neusachliche Architekten aus aller Welt.

Von Jochen Stöckmann

Blick in den Peter-Behrens-Bau in Frankfurt Höchst (dpa/picture alliance/Fredrik von Erichsen)
Blick in den Peter-Behrens-Bau in Frankfurt Höchst - von Peter Behrens entworfen und zwischen 1920 und 1924 erbaut (dpa/picture alliance/Fredrik von Erichsen)
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Peter-Behrens-Bau in Frankfurt am Main Kathedrale des Lichts

Er war Künstler und Werbegrafiker, Schriftgestalter, Produkt- und Möbeldesigner, schließlich auch Architekt. Mit monumentalen Industriebauten wie der Turbinenhalle für die AEG machte er sich einen Namen. Und entwarf 1908 für die Reichstags-Fassade in Berlin den Schriftzug "Dem deutschen Volke". Um ein Autogramm gebeten, schrieb der Sohn einer norddeutschen Gutsbesitzerfamilie: "Geboren den 14. April 1868 in Hamburg. Im Übrigen: Autodidakt."

Kunst hatte Behrens zwar studiert, aber die üblichen Genre-Abgrenzungen mochte er nicht hinnehmen. Ein Zeitgenosse, der Schriftsteller Franz Blei, prophezeite 1897: "Behrens will Glocken gießen, Reliefs aus Bergwänden hauen, Lettern schneiden, also was tun. Er wird Häuser bauen."

Vom fürstlichen Gönner unterstützt

Dazu bekommt der "Malerarchitekt" 1899 Gelegenheit: Nach der Berufung an die Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt entsteht das "Haus Behrens". Dem Entwurf des Autodidakten lag eine damals ungewöhnliche Fragestellung zugrunde. Der Architekturkritiker Wolfgang Pehnt: "Wie richte ich mich selbst ein? Wie finde ich für das Leben, das ich mir vorstelle, ein Gehäuse? Und er fand nichts, was ihm da zugesagt hätte und ist also über diesen Mangel auf dem Markt selber zum Architekten geworden."

In der wilhelminischen Kaiserzeit ist das nicht einfach. Aber Behrens zählt auf einen fürstlichen Gönner, den hessischen Großherzog Ernst Ludwig. Sehr zum Verdruss des Kunstkenners Julius Meier-Graefe: "Ich sehe Peter Behrens vor mir, wie er dröhnenden Schrittes auf und ab wandelte und vom neuen Mäzenatentum sprach: Fürstenkultur, das Heil im Schönheitssiegerkranz."

Erstes Architekturbüro und Chefdesigner der AEG

Dieses Idyll der Mathildenhöhe verlässt Behrens Richtung Berlin. In der Industriemetropole gründet er 1907 sein eigenes Architekturbüro und avanciert nebenbei zum Chefdesigner der AEG: "Für die hat er nicht nur gebaut, sondern entworfen von der Werbegrafik bis hin zu den elektrischen Teekesseln und bis zu den Lampen, also was wir heute als Imagedesign betrachten würden. Es war diese spezielle Handschrift, dieser monumentale, aber gleichzeitig auch wiederum sachliche Auftritt."

Behrens' Firmenlogo mit den ineinander verschlungenen Buchstaben AEG symbolisiert zugleich bürgerlichen Unternehmungsgeist - und deutschen Anspruch auf Weltgeltung. Davon sind auch seine Bauten nicht frei. Unter den Industrie-Architekten, neben "Logikern" und "Romantikern", reiht der Publizist Adolf Behne Behrens in die Schwergewichtsklasse der "Pathetiker" ein: "Er will Größe, Wucht und Gewalt. Seine Fabrikbauten sind Donnern und Brausen."

Andererseits bildet Behrens in seinem Berliner Büro mit Walter Gropius oder Le Corbusier die kommende Generation neusachlicher Architekten aus. Und sein Design ist zunehmend geprägt von funktioneller Ingenieursästhetik. Sodass 1978 bei der Eröffnung einer Ausstellung der Kunsthistoriker Tilman Buddensieg über die von ihm neu entdeckte "Industriekultur" sagt: "Das war das Faszinierende an dieser Arbeit, einfach die Erkenntnis, dass es möglich ist, das Chaos der Massenproduktion zu strukturieren ohne es durch Struktur oder durch Geometrie zu töten. Wie Behrens selber sagte - anmutig und vortrefflich."

Ideengeber des Markenzeichens der Farbwerke Hoechst

Nach dem Ersten Weltkrieg, in einer Zeit materieller Not, verwendet Behrens 1920 für ein Verwaltungsgebäude der Farbwerke Hoechst expressionistische, in vielen Farben eindrucksvoll schillernde Backsteine. Das Gebäudeensemble wird - so Wolfgang Pehnt - zum Werbeträger: "Diese Gebäude hat einen Uhrenturm mit einem Erkerchen daran. Und das ist dann über Jahrzehnte hinweg das Markenzeichen von diesen Farbwerken Hoechst gewesen, dieses Symbol Brücke und Turm."

Auch diesen Erfolg seines vielfältigen Schaffens hat Peter Behrens noch erlebt. Der Mann, dem die deutsche Industrie ihre erste corporate identity verdankt, erlag am 27. Februar 1940 einem Herzversagen.

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