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StartseiteKalenderblattWilhelm Mülhens erhält das Rezept für "4711"08.10.2017

Vor 225 JahrenWilhelm Mülhens erhält das Rezept für "4711"

Beliebt und bekannt war das Duftwasser längst: Zur Marke "4711 – Echt Kölnisch Wasser" wurde es aber erst durch den jungen Unternehmer Wilhelm Mülhens. Vor 225 Jahren soll er die Geheimrezeptur zu seiner Hochzeit geschenkt bekommen haben.

Von Alfried Schmitz

Echt Kölnisch Wasser 4711 - Eau de Cologne in einer historischen Flasche (picture alliance / Daniel Kalker)
Echt Kölnisch Wasser 4711 - Eau de Cologne in einer historischen Flasche (picture alliance / Daniel Kalker)

"Der Stadtkommandant General Daurier erteilte die Order: Herr Bürgermeister, hiermit befehle ich, die ganze Stadt Cologne Haus für Haus durchzunummerieren."

1967 wurde für eine Fernsehwerbung eine historische Begebenheit nachgespielt, die sich Ende des 18. Jahrhunderts im französisch besetzten Köln zugetragen haben soll.

"So ritt, befehlsgemäß, ein französischer Korporal durch die Glockengasse zu Köln, parierte vor dem Patrizierhause Mülhens sein Pferd und schrieb über das Tor die Zahl: 4711. So entstand aus einer schlichten Hausnummer das weltbekannte Zeichen für '4711 – Echt Kölnisch Wasser'."

Als die Franzosen die Kölner Häuser nummerierten, gab es das Eau de Cologne schon rund 80 Jahre. Erfunden hatte es Johann Maria Farina, der sich Anfang des 18. Jahrhunderts in Köln niedergelassen und 1709 eine Duftwasser-Firma gegründet hatte, die bis heute besteht.

"Der ist 1685 geboren in Santa Maria Maggiore, in Italien. Der war ein Parfümeur", sagt Ulrich Soénius, Historiker und Direktor des Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchivs Köln.

"Ein Duft, der an einen italienischen Frühlingsmorgen erinnert"

Farina nannte sein Duftwasser zunächst Aqua Mirabilis:

"Ich habe einen Duft gefunden, der mich an einen italienischen Frühlingsmorgen erinnert, kurz nach dem Regen. Er erfrischt mich, stärkt meine Sinne und Phantasie."

Farinas Wunderwasser wurde erfolgreich und fand in der Domstadt viele dubiose Nachahmer, die sich allerdings mit ihren Wässerchen nicht durchsetzen konnten. Anders der Kölner Unternehmer Wilhelm Mülhens. Zu seiner Hochzeit am 8. Oktober 1792 soll er von einem Verwandten des Duftwassererfinders, dem Mönch Franz Maria Farina, die Geheimrezeptur geschenkt bekommen haben. Die legendäre Rezeptübergabe gilt als Geburtsstunde des Familienunternehmens Mülhens.

Ulrich Soénius: "Dass der da an seinem Hochzeitstag dieses Rezept bekommen hat, soll natürlich vermitteln, dass der Wilhelm Mülhens mit diesem sagenhaften Kölnisch-Wasser-Rezept es geschafft hat, seine Familie zu unterhalten."

Ob es wirklich das Originalrezept war, ist zweifelhaft. Wichtiger war für Mülhens, den werbewirksamen Namen Farina nutzen und mit der Parfumherstellung im großen Stil beginnen zu können.

Ulrich Soénius: "1803 ist relativ sicher, weil er da nämlich einen Vertrag geschlossen hat, wo eben hier drinsteht, dass der in der Klöckergasse Nummer 4711 wohnende Bürger Wilhelm Mülhens, Parfümeur, mit dem wahren Geheimnis besagten Kölnisch Wassers von einem Franz Maria Farina bekannt gemacht worden sei."

"Lange Jahre hat es einen gewissen Kölnisch-Wasser-Alkoholismus gegeben"

1825 übernahm Wilhelms Sohn Peter Joseph die Geschäfte im Hause Mülhens. Er führte Blau und Gold als Unternehmensfarben ein, ließ in der Kölner Glockengasse ein neues, prachtvolles Stammhaus errichten und baute das Verkaufsnetz aus. Eau de Cologne erfreute sich bald im In- und Ausland größter Beliebtheit und wurde wegen seines hohen Alkoholgehalts nicht nur äußerlich angewendet.

Ulrich Soénius: "Lange Jahre hat es einen gewissen Kölnisch-Wasser-Alkoholismus gegeben. Im 19. Jahrhundert berichtet schon Wilhelm Joest, der große Weltreisende, dass er also in Arabien hat Frauen gesehen, verschleierte Frauen, die Kölnisch Wasser in rauen Mengen trinken. Klar, hat ja auch 90 Prozent Alkohol."

1873 übernahm Ferdinand Mülhens die Firma in dritter Generation. Um sich von den Konkurrenten im Kölnisch-Wasser-Geschäft abzuheben, hauptsachlich aber wegen eines Namensstreits mit den Farina-Erben, kam er auf die Idee, seine Firma umzubenennen und dabei die Gebäudenummer aus der Franzosenzeit in den Mittelpunkt zu stellen.
 
Ulrich Soénius: "Eau de Cologne und Parfümeriefabrik, Glockengasse Nummer 4711. Das ist 1881 gewesen."

"Jugend und 4711 gehören zusammen"

Ferdinand Mülhens, in seiner Heimatstadt liebevoll die "Nase von Köln" genannt, gründete Niederlassungen in New York und im russischen Riga und ließ im damals neu erschlossenen Kölner Westen eine Produktionsstätte bauen. Nachdem das Familienunternehmen die beiden Weltkriege überstanden hatte, musste man sich Ende der 1950-er Jahre darum kümmern, das Großmutter-Image loszuwerden und auch die jüngere Generation für Kölnisch Wasser zu gewinnen.

"Jugend und 4711, die gehören zusammen. Beides ist Frühling, beides ist Frische, beides ist unbeschwerte Lebensfreude."

1994 wurde die Firma Mülhens von den Erben veräußert. Die Traditionsmarke "4711 – Echt Kölnisch Wasser" ist erhalten geblieben. Auch das Stammhaus in der Glockengasse wurde von den neuen Eigentümern übernommen. An dem Gebäude erinnert ein Glockenspiel an die Firmengeschichte des Hauses Mülhens und an die Entstehung des berühmten Markenzeichens 4711.

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