Freitag, 15.12.2017
StartseiteKalenderblattDer Künstler und Architekt César Manrique25.09.2017

Vor 25 Jahren tödlich verunglücktDer Künstler und Architekt César Manrique

Er hat das Bild Lanzarotes entscheidend geprägt: Vehement kämpfte der Künstler, weltberühmte Architekt und Umweltschützer César Manrique für den Erhalt der Natur und gegen die Exzesse des Massentourismus auf seiner Heimatinsel. Am 25. September 1992 starb er bei einem Autounfall.

Von Wolf Martin Hamdorf

Jameos del Aguaauf Lanzarote Die teilweise eingestürzte Lavaröhre, im Lavafeld des Vulkans Monte Corona gelegen, ist hier erschlossen und mit Pool, Restaurants und Veranstaltungsmöglichkeiten ausgestattet worden. Die gesamte Lavaröhre reicht vom Monte Corona über die begehbare Höhle Cueva de los Verdes, weiter zu Jameos del Agua bis hin zur Küste unter die Meeresoberfläche. (imago stock)
Jameos del Agua, eine der Attraktionen auf Lanzarote, gestaltet von Cesar Manrique (imago stock)
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Bizarre Felsformationen aus schwarz-blauem oder rotem Vulkanstein, weite Strände, aber auch grüne Täler mit Palmen und Reben sowie die weiß gekalkten Häuser prägen die Landschaft der Ozeaninsel Lanzarote. In diesem kargen Mikrokosmos voller Kontraste wuchs César Manrique, am 24. April 1919 geboren, in einer kanarischen Mittelstandsfamilie mit drei weiteren Geschwistern auf: Manrique im O-Ton:

"Die Natur war meine große Lehrerin, schon als ich noch ganz klein war und alles genau beobachtete, am Strand, in den kleinen Wasserflächen, die Fische und nachts die Sterne. Ich habe mit dem Sand gespielt und kleine Skulpturen gemacht. Ich habe nackt am Strand herumgetobt, unschuldig, wie ein kleines wildes Tier. Meine Kindheit hat mich für den Rest meines Lebens geprägt und ganz besonders natürlich auch meine Malerei."

Einer ersten abstrakten Maler in der Franco-Zeit

Sein Vater hätte ihn gerne in einem sicheren, soliden Beruf gesehen. Stattdessen studierte er Kunst in Madrid und war einer der ersten abstrakten Maler in der Franco-Zeit. In seinen mit dicken Acrylfarben oft reliefartig gestalteten Bildern spiegelten sich auch damals schon die Lavaformationen Lanzarotes wider. 1964 ging er nach New York, wo er drei Mal in der renommierten Galerie Catherine Viviano ausstellte. Aber vier Jahre später zog es ihn wieder zurück in seine Heimat, auf die Vulkaninsel, erinnert sich Manrique:

"Lanzarote ist eine durch und durch vulkanische Insel. Die Landschaft ist hier so mächtig, dass sie jeden beeinflusst, der nur ein bisschen Sensibilität hat. Man kann sich ihr nicht entziehen."

Diese bizarre und großartige Landschaft hat der Maler und bildende Künstler Manrique in seine ganz eigenen architektonischen Werke mit einbezogen. Schon in seinen Skulpturen griff er auf Vorgefundenes zurück: Stücke von Fischerbooten, alte Bauelemente oder Strandgut. Auch seine Bauten nutzen die Landschaft als Gestaltungselement, sind immer ebenso harmonischer wie überraschender Bestandteil ihrer Umgebung: der "Mirador del Rio", sein verglaster Aussichtspunkt hoch über dem Meer, der mit seiner erdfarbenen Fassade von außen kaum sichtbar ist; die "Jameos del Agua", seine Gärten, Wasserfälle und Teiche, die er in schwarzen, miteinander verbundenen Lavahöhlen anlegte, oder sein wie ein Amphitheater angelegter Garten mit 1200 Kakteen. Besonders wichtig für seine Bauten waren ihm die regionalen typischen Bauernhäuser, die sich in jahrhundertelanger Auseinandersetzung mit dem Klima und der Umwelt entwickelt hatten:

"In diesen Häusern steckt so viel Wahrheit und Funktionalität; Man muss die traditionelle Bauweise mit unserem heutigen Lebensstandard verbinden. Das habe ich in Lanzarote gemacht."

Kampf gegen die Bodenspekulation

Lanzarote war arm, Fischer und Bauern führten ein kärgliches Dasein. Auch César Manrique sah daher im modernen Tourismus eine Chance, seiner Heimatinsel zu einem bescheidenen Wohlstand zu verhelfen. Aber er träumte von einer behutsamen, langsamen Öffnung seiner Insel für den Fremdenverkehr. Er wendete sich vehement wie kein anderer gegen die Exzesse des Massentourismus, gegen die Bodenspekulation und gegen die Zerstörung der natürlichen Ressourcen. Dabei wurde er von befreundeten Lokalpolitikern unterstützt und hatte Erfolg: 1974 wurde der Norden der Insel um den Vulkan Timanfaya herum zum Nationalpark erklärt und der Bauwut der Investoren eine deutliche Grenze gesetzt: Dazu Manrique:

"Ein Volk ohne eigene Kultur ist nicht imstande irgendetwas zu bewahren, sondern kann nur zerstören. Das hat man in Madrid gesehen, wo Paläste abgerissen wurden, um dort ein abscheulich vulgäres 14-stöckiges Null­acht­fünf­zehn-Gebäude zu errichten. Das erleben wir im Moment ganz stark in Spanien."

Bald werde es mehr Autos als Touristen auf den Kanarischen Inseln geben, hatte er mit Bitterkeit prophezeit. César Manrique starb am 25. September 1992 im Alter von 73 Jahren bei einem Verkehrsunfall. Dass der Massentourismus auf Lanzarote gemäßigter Einzug hielt als in anderen Teilen Spaniens, ist vor allem ihm zu verdanken.

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