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StartseiteKalenderblattVor 30 Jahren wurde die "Arecibo-Botschaft" ins All gesendet16.11.2004

Vor 30 Jahren wurde die "Arecibo-Botschaft" ins All gesendet

Ob da draußen wirklich jemand ist, wissen wir immer noch nicht. Aber sicherheitshalber hat Planet Erde am 16. November 1974 in Arecibo die erste Radiosignalnachricht an Außerirdische gesendet. 169 Sekunden lang ist die Botschaft, die mit 2000 Giga-Watt ins All geschickt wurde.

Von der HUB-Studentengruppe

Der Radioastronom Frank Drake (1.v.r.) bei einer Preisverleihung 1978 in New York (AP Archiv)
Der Radioastronom Frank Drake (1.v.r.) bei einer Preisverleihung 1978 in New York (AP Archiv)

Absender der Nachricht war der Radioastronom Frank Drake. Der Professor an der amerikanischen Cornell-Universität arbeitete 1974 im puertoricanischen Arecibo. Als Organisator der Feierlichkeiten zur Wiedereröffnung des größten Radioteleskops der Welt hatte Drake die Idee, einen langgehegten Wunsch medienwirksam umzusetzen.

Fasziniert von der Vorstellung, die menschliche Intelligenz sei nicht die einzige im All, entwickelte er die erste, auf Radiowellen basierende Nachricht an unsere möglichen Mitbewohner im Universum. So kamen Gäste und Presse an jenem Tag in den Genuss, live bei der Kontaktaufnahme dabei zu sein. Frank Drake beschrieb die Reaktion der Anwesenden so:

Es war, als ob ein merkwürdiges musikalisches Thema auf einem gigantischen Synthesiser gespielt würde. Der einzigartige sehnsuchtsvolle Gesang berührte uns stark. Ich sah, wie sich die Augen nüchterner Wissenschaftler mit Tränen füllten. Und meine taten es auch.

Ob die anwesenden Wissenschaftler tatsächlich derart gerührt waren, sei dahin gestellt. Denn der wissenschaftliche Wert der Arecibo-Botschaft ist bis heute umstritten. Zum einen ist es fraglich, ob die Nachricht den damals anvisierten Sternenhaufen M13 überhaupt erreichen wird. Denn in den 25.000 Jahren, die das Signal für diese Strecke benötigt, wird sich M13 aufgrund der Rotationsbewegung unserer Galaxie nicht mehr am ursprünglichen Ort befinden.

Und sollte es dort tatsächlich intelligente Wesen geben, die fähig und willens wären, eine Antwort zu senden – wer auf der Erde würde diese Antwort in 50.000 Jahren empfangen?

Um die binär verschlüsselte Botschaft zu verstehen, muss man die zwei Töne, aus denen sie besteht, durch Nullen und Einsen ersetzen. Schreibt man die Zahlen hintereinander auf und beginnt alle 23 Zeichen eine neue Reihe, dann entsteht ein Bild. Mit dessen Hilfe versuchte Drake wesentliche Informationen über die menschliche Existenz zu vermitteln. Zu erkennen ist unter anderem die schematische Darstellung eines Menschen sowie seiner DNA. Man konnte sogar die menschliche Durchschnittsgröße daraus ablesen. Sie beträgt 176,4 cm; zufällig exakt Frank Drakes Körpergröße.

Kritik gab es von verschiedenen Seiten. Der britische Hof-Astronom Sir Martin Ryle schrieb besorgt:

Wir können nie wissen, ob es dort draußen feindselige oder hungrige Geschöpfe gibt, und wenn sie von uns erfahren, könnten sie vielleicht kommen und uns angreifen oder auffressen.

Diese Sorge ist wohl übertrieben angesichts der Tatsache, dass wir seit über 60 Jahren Radiowellen ausstrahlen, die sich permanent im All ausbreiten. Insofern ist die Bedeutung der Arecibo-Botschaft als Lebenszeichen von der Erde fraglich. Vielmehr liegt ihre Bedeutung in der öffentlichen Wirkung.

Dr. Johann Dorschner vom Astronomischen Institut der Universität Jena sieht die Bedeutung der Botschaft darin,

dass sich plötzlich auch Lieschen Müller dafür interessierte, dass es außerirdische Intelligenzen im Kosmos gibt, weil eben über die Medien so was entsprechend publik gemacht wurde und das hat also in dieser Hinsicht natürlich dann auch Begeisterungsstürme ausgelöst.

So waren die Reaktionen auf unserem Planeten wohl die einzigen Antworten auf die Signale, die von dem Radioteleskop im puertoricanischen Arecibo ausgesendet wurden. Immer wieder wurden nun Botschaften ins All gesendet – in der Hoffnung, eines Tages doch noch Nachrichten aus den Tiefen des Universums zu empfangen.

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