• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
StartseiteKalenderblattChristoph Kolumbus geht in Amerika an Land12.10.2017

Vor 525 JahrenChristoph Kolumbus geht in Amerika an Land

Im Auftrag der spanischen Krone sollte Christoph Kolumbus einen Seeweg nach Indien suchen. Doch er landete auf einer Insel in den heutigen Bahamas. Mit der Ankunft in der "Neuen Welt" schlüpfte Kolumbus in die Rolle des Eroberers – sein vorrangiges Ziel: Gold finden.

Von Irene Meichsner

Die Landung von Christoph Columbus in der "Neuen Welt"; Chromolithography um circa 1900 (imago/Leemage)
Die Landung von Christoph Columbus in der "Neuen Welt"; Chromolithography um circa 1900 (imago/Leemage)
Mehr zum Thema

Weltgeschichte Vergangenheit neu erzählt

Entdecker Wer vor Kolumbus in Amerika gewesen sein muss

Vor 525 Jahren: Aufbruch nach Amerika Erste Entdeckungsreise von Christoph Kolumbus

"Um zwei Uhr morgens kam das Land in Sicht. Wir warteten bis zum Anbruch des Tages, an welchem wir zu einer Insel gelangten, die in der Indianersprache 'Guanahani' hieß. Dort erblickten wir allsogleich nackte Eingeborene."

Christoph Kolumbus, dem Sohn eines Wollwebers aus Genua, muss das Herz bis zum Hals geschlagen haben, als er am 12. Oktober 1492 auf die besagte Insel im Bereich der heutigen Bahamas stieß. Er hatte Amerika entdeckt, einen den Europäern bislang unbekannten Kontinent – auch wenn er selber sich vor Ostasien wähnte.

Anfang August war er aufgebrochen, um im Auftrag der spanischen Krone einen Seeweg nach Indien zu suchen, wo er Gold, Silber, Edelsteine, Gewürze und andere Kostbarkeiten im Überfluss zu finden hoffte.

"Ich rief die beiden Kapitäne und all die anderen, die an Land gegangen waren, zu mir und sagte ihnen, durch ihre persönliche Gegenwart als Augenzeugen davon Kenntnis zu nehmen, dass ich im Namen des Königs und der Königin, meiner Herren, von der genannten Insel Besitz ergreife."

"Papageien, Knäuel von Baumwollfaden, lange Wurfspieße"

Die Eingeborenen glaubten, Kolumbus und seine Männer seien als Götterboten vom Himmel zu ihnen herabgestiegen.

"Sie wurden so gute Freunde, dass es eine helle Freude war. Sie erreichten schwimmend unsere Schiffe und brachten uns Papageien, Knäuel von Baumwollfaden, lange Wurfspieße und viele andere Dinge noch, die sie mit dem eintauschten, was wir ihnen gaben, wie Glasperlen oder Glöckchen. Sie gaben und nahmen alles von Herzen gern."

Wer als erster Europäer ein fremdes Territorium betrat, hatte nach damaliger Vorstellung ein Anrecht auf dieses Gebiet. Damit war die Verpflichtung verbunden, zu missionieren. Aber, so der Schweizer Historiker Urs Bitterli:

"Ich würde meinen, dass bei Kolumbus das Gold der wichtigere Faktor war. Das Wort 'Gold', hat man nachgezählt, kommt in seinem Bordbuch etwa 140 Mal vor. Von Mission ist gelegentlich die Rede, aber selten, so dass man den Eindruck hat, es liege ein bloßes Lippenbekenntnis vor."

Gleich nach seiner Ankunft hatte Kolumbus gesehen, dass sich einige Eingeborene mit kleinen Goldstücken schmückten.

"Mit Hilfe der Zeichensprache erfuhr ich, dass man gegen Süden fahren müsse, um zu einem König zu gelangen, der große, goldene Gefäße und viele Goldstücke besaß."

Kolumbus segelte von Insel zu Insel, hisste überall die spanische Flagge, aber die Ausbeute an Gold entsprach nicht annähernd seinen Erwartungen. In umso leuchtenderen Farben schilderte er den Reichtum an Früchten, Baumwolle oder Aloe-Holz. In den Eingeborenen sah er von Anfang an vor allem willige und billige Arbeitskräfte.

"Sie besitzen keine Waffen, sind unkriegerisch, harmlos, nackt und so feige, dass tausend von ihnen drei meiner Leute nicht an sich herankommen lassen würden. Dafür sind sie bereit, zu gehorchen, zu arbeiten und alles Nötige zu vollführen. Mithin wäre es angezeigt, sie dazu zu verwenden, Städte und Ortschaften zu errichten, und ihnen unsere Kleidung und Gebräuche beizubringen."

Triumphaler Empfang in Spanien

Längere Zeit erkundete Kolumbus die Insel Kuba, von der er annahm, dass es sich schon wegen ihrer Größe um Japan handeln müsse, das sagenhafte "Cipangu" aus den Reiseberichten von Marco Polo. Nachdem sein Flaggschiff, die "Santa Maria", in der Nacht zum 25. Dezember vor der Insel Hispaniola wegen einer Unachtsamkeit auf Grund gelaufen war, ließ er aus ihren Überresten eine kleine Festung bauen, die er "La Navidad" nannte, das spanische Worte für "Weihnachten". 39 Männer sollten dort die Stellung halten, während Kolumbus nach Spanien zurückkehrte, wo man ihm im März 1493 einen triumphalen Empfang bereitete.

Auf seiner zweiten Entdeckungsfahrt, zu der er ein halbes Jahr später aufbrach, begleiteten ihn bereits mehr als tausend Spanier, die in der Neuen Welt ihr Glück zu finden hofften, sich in ihrer Gier nach Gold aber bald untereinander zerstritten. "La Navidad" lag in Trümmern, alle Siedler waren tot – offenbar eine Vergeltungsmaßnahme der Eingeborenen für erlittene Gewalttaten und Plünderungen. 1495 führte Kolumbus auf Hispaniola den ersten Feldzug gegen das dort lebende Volk der "Arawaken", von denen Tausende getötet oder versklavt wurden - der Auftakt zu einem Völkermord von beispielloser Grausamkeit.

Kolumbus vermochte das Chaos nicht zu bändigen, sein Ruhm war bald verblasst – und ihm selber jeder Sinn für die Realität abhanden gekommen. Bis zu seinem Tod 1506 hielt Christoph Kolumbus eisern an seiner Überzeugung fest, in Ostasien gelandet zu sein.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk