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StartseiteKalenderblattErstes modernes Elektroauto vorgestellt27.09.2016

Vor 75 JahrenErstes modernes Elektroauto vorgestellt

Elektroautos erlebten bereits Ende des 19. Jahrhunderts eine kurze Blütezeit, wurden dann jedoch vom Benzinauto verdrängt. Erst als Treibstoff im Zweiten Weltkrieg knapp wurde, entdeckten französische Ingenieure den Stromantrieb wieder. Am 27. September 1941 wurde das erste modern konstruierte Elektroauto präsentiert – der STELA RCA.

Von Sönke Gäthke

"Ich fahre mit Strom" steht an einem elektrisch angetriebenen Opel Ampera, der am 27.04.2016 in Halle (Sachsen-Anhalt) an einer Ladesäule von EnviaM geladen wird. (dpa / picture alliance / Jan Woitas)
Heute gibt es eine Kaufprämie für Elektroautos, vorgestellt wurde das erste aber schon 1941 in Lyon. (dpa / picture alliance / Jan Woitas)
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Zu den Klängen der Marseillaise betreten Marschall Pétain, Präsident des unbesetzten Frankreich, und Admiral Darlan, Regierungschef in Vichy, die Internationale Messe in Lyon, die am 27. September 1941 ihre Pforten öffnet. Die Messe soll ein Zeichen setzen für die Leistungsfähigkeit der französischen Industrie  trotz Besatzung und Rationierungszwang.

An Werkzeugmaschinen und Eisenbahnwaggons, LKW und Traktoren eilt der Politiker-Tross vorbei, bis der Blick Darlans auf ein sehr ungewöhnliches Auto fällt: schwarz, stromlinienförmig, ohne Motorhaube, eine riesige, geteilte Windschutzscheibe, vier Türen, Schiebefenster und ein überlanger Kofferraum. STELA RCA heißt dieser Wagen: es ist das erste moderne Elektroauto.   

"Der STELA ist ein sehr gut gebautes Auto. Sein Konstrukteur, Hubert Pascal, entwickelte nicht nur den Motor, sondern auch alle anderen Teile. Jedes sitzt am richtigen Platz", sagt Clarisse Despierres, Direktorin des Auto-Museums Henri Marlatre bei Lyon. Ihr Museum beherbergt den letzten erhaltenen STELA RCA.

Erste Elektroautos bereits Ende des 19. Jahrhunderts

Elektroautos gab es schon um die Jahrhundertwende. Doch sie waren stets nur umgebaute Kutschen mit Batterien; die letzten verschwanden im Laufe der 20er Jahre. Da wegen des Krieges kaum noch Benzin zu erhalten war, hatten einige französische Ingenieure begonnen, wieder auf Strom zu setzen. Die meisten dieser Elektroautos waren jedoch kleine Zweisitzer, langsame Kabinenroller.

Hubert Pascal dagegen wollte ein "richtiges" Auto konstruieren, geräumig, bequem, schnell und mit einer großen Reichweite.  "Bei einem Tempo von 50 Kilometern pro Stunde kann dieses Elektroauto 140 Kilometer fahren, bevor der Akku geladen werden muss, und nicht nur 70 bis 80", schwärmt der Direktor des Automobilclubs der Region Rhône 1942 in seinem Testbericht. 138 Kilometer war er mit drei Passagieren im bergigen Umland von Lyon gefahren, auch heute noch ein guter Wert.

Doch es gab auch einen Nachteil: Hubert Pascal brauchte für seinen Wagen eine große, leistungsfähige Batterie. Zur Verfügung stand ihm jedoch nur die Blei-Batterie. Und so wog das Auto am Ende gut zwei Tonnen – die Hälfte davon ging auf das Konto des Energiespeichers.

Schneller als Bezinautos – aber vier Mal so teuer

"Dieses Elektroauto eignete sich besonders gut als Taxi oder für den Stadtverkehr, weil es so einen niedrigen Verbrauch hatte und langsam und leise fuhr", sagt Museumsdirektorin Despierres. Allerdings notierte der zeitgenössische Testbericht noch einen weiteren Nachteil: Das Nachladen der Batterie dauerte über zehn Stunden - das hatte Hubert Pascal nicht hinnehmen wollen.

"Hubert Pascal entwickelte ein Wechselbatteriesystem, bei dem entladene Batterieteile durch geladene ersetzt werden konnten – damit man schnell wieder auf der Straße war", sagt Despierres.

Das sollte für Jahrzehnte unerreicht bleiben - und hatte natürlich seinen Preis: "Elektroautos waren bis zu vier Mal so teuer wie Benzinautos. Für unseren STELA RCA zum Bespiel hat sein Besitzer 148.000 Francs bezahlt.” Der Strom dagegen ist billig und vor allem: nicht rationiert.

Beliebt nur während des Krieges

220 STELA RCA kann Hubert Pascal verkaufen. Admiral Darlan bestellt am Ende seines Messe-Besuches sogar gleich zwei.  "Ich glaube, als Chef der Vichy-Regierung musste er Vorbild sein. Viele Artikel zeigen ihn mit seinem Elektroauto und vermitteln die Botschaft: Spart Benzin!", sagt Despierres. Viel gefahren sei er daher sicher nicht, ist die Auto-Expertin überzeugt.

Auch der Besitzer "ihres" STELA hat das teure Auto kaum genutzt – gerade einmal 995 Kilometer hat der Tacho gezählt, bevor der Wagen eingemottet wurde.  "Nach dem Krieg war der STELA nicht sehr beliebt. Er war unelegant und teuer, und als man wieder Benzin bekam, kauften die Leute lieber die viel, viel billigeren Benzin-Autos", sagt  Clarisse Despierres.

Doch die Offenheit französischer Ingenieure für diese Antriebsart scheint sich erhalten zu haben – so stammt das meistverkaufte Elektroauto Europas derzeit von einem französischen Unternehmen.

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