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Seit 18:40 Uhr Hintergrund
StartseiteWirtschaft am MittagDeutsche Wirtschaft wittert Boom-Potenzial18.05.2017

Vor der Präsidentenwahl im IranDeutsche Wirtschaft wittert Boom-Potenzial

Der Handel zwischen Deutschland und dem Iran hat ein Volumen von 2,5 Milliarden Dollar. Sollte der als Reformer geltende Präsident Hassan Rohani bei der Wahl ums höchste politische Amt im Iran nicht wiedergewählt werden, könnte es auch mit den Hoffnungen deutscher Firmen auf neue Geschäfte im Land vorbei sein.

Von Reinhard Baumgarten

Irans Präsident Hassan Rohani (AFP / ATTA KENARE)
Stellt sich zur Wiederwahl: Irans Präsident Hassan Rohani. (AFP / ATTA KENARE)
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 Der Handel zwischen Deutschland und dem Iran hat ein Volumen von 2,5 Milliarden Dollar damit steht bei der Präsidentenwahl im Iran auch für die deutsche Wirtschaft einiges auf dem Spiel. Sollte der als behutsamer Reformer geltende Präsident Hassan Ruhani das Votum verlieren, könnte es auch mit den Hoffnungen deutscher Firmen auf neue Geschäfte mit dem Gas- und Ölreichen Land vorbei sein.

Offiziell liegt die Arbeitslosenquote im Iran bei 12,5 Prozent, inoffiziell könnte sie fast doppelt so hoch sein; die Jugendar­beits­­losig­keit be­trägt 25 Prozent. Die Defizite der iranischen Wirtschaft seien ihm bekannt, verkündet Revolutionsführer Khamenei, Jugendarbeitslosigkeit und Arbeitslosigkeit unter Akademikern stellten große Probleme dar. Der Iran ist ein potenziell reiches Land. Er besitzt die größten Gas- und die viertgrößten Ölvorkommen der Welt. Diesen Reichtum könne das Land zum Wohle der Nation nur nutzen, wenn es mit der Welt zusammenarbeite, erklärt Präsident Ruhani:"Wenn wir für unsere Jugend Arbeit schaffen wollen, dann müssen wir Investitionen anlocken. Egal ob es sich um Industrie, Landwirtschaft oder den Dienstleistungssektor handelt. "

Jedes Frühjahr dient die Teheraner Öl- und Gasmesse als eine Art Wirtschaftsbarometer des Landes. Die Deviseneinnahmen steigen seit dem Wiener Atomvertrag. Der Ölexport hat sich auf knapp 2,5 Millionen Fass am Tag mehr als verdoppelt. Viele Sanktionen sind gefallen, die wegen des umstrittenen Atomprogramms verhängt worden waren. Seit Jahren kommen immer mehr Unternehmen aus Deutschland zu den Messen im Iran.

Peter Bergleiter, Chef des deutschen Pavillons in Teheran: Das ist ungefähr die doppelte Größe verglichen mit dem Vorjahr. Dazu kommen noch einige Firmen wie Siemens - also größere Firmen - die hier schon mit Partnern vertreten sind. Damit stellt Deutschland die größte Beteiligung an der Öl- und Gasmesse.

Der Handel zwischen Deutschland und dem Iran hat ein Volumen von 2,5 Milliarden Dollar. Deutschland belegt damit Platz fünf unter Irans bilateralen Handelspartnern.  

US-Sanktionen sind weiterhin in Kraft

"Ich würde eher sagen, dass die deutsche Wirtschaft zurückkommt auf das Niveau, das sie früher hatte", mutmaßt oder zumindest hofft Klaus Friedrich vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer. Bereitschaft und Wille, mit­­einander Geschäfte zu machen, sind auf beiden Seiten groß. Deutsche Produkte genießen im Iran eine manchmal ans Mythi­sche grenzende Bewunderung. Aber, so Klaus Friedrich:"Das Problem ist, wir haben leider nicht mehr Banken im Iran-Geschäft drin, als wir schon vor zwei Jahren hatten. Die Mehrzahl der Banken ist zurückhaltend, macht wenig oder überhaupt kein Iran-Geschäft. Damit haben wir zu wenig finanzielle Dienstleistungen für die Geschäfte, die man machen könnte. Also ganz klar, die Bankenproblematik bremst letzten Endes auch die Exportchancen.

Internationale Geldinstitute meiden Geschäfte mit dem Iran. Nach wie vor sind US-amerikanische Sanktionen in Kraft, die Bankgeschäfte mit dem Iran unter Strafe stellen. Die iranische Firma Falāt baut Entsalzungsanlagen und Kläranlagen. Ihr Unter­neh­men sei sehr an internationaler Zusammenarbeit und Technologietransfer in­teressiert, beteuert Shadi Jamal: "Das Interesse vieler europäischer Länder an iranischen Unternehmen steigt und fällt mit der politischen Situation. Wenn der Präsident bzw. die Regierung den internationalen Kontakt erleichtert, sind sie viel mehr daran interessiert auch mit uns zusammenzuarbeiten."

Wahl zwischen totalitärer und de­mokratischer Regierung

Wird Hassan Rohani als Präsident wiedergewählt und gelingt es ihm tatsächlich, nennenswerte Investitionen aus dem Ausland ins Land zu locken, könnte die diversifiziere iranische Wirtschaft tatsächlich florieren. Wird der erzkonservative Gegenkandidat Ebrahim Ra’isi hingegen gewählt, dürfte es mit der Wirtschaft weiter bergab gehen.

"Liebe Iraner", stimmt für Freiheit", wirbt Hassan Rohani. Und er gelobt: "Ich bin bereit, die noch bestehenden Sanktionen aufzuheben, wenn ich gewählt werde. So wie die Atomsanktionen aufgehoben wurden. "

Der 68-Jährige wird dieses Versprechen nicht einlösen können, denn er ist nur ein einzelner Player in diesem großen Spiel. Der Iran hält sich an die Verabredungen des Atomabkommens. Das hat die Internationale Atomaufsichtsbehörde in Wien mehrfach bestätigt. Dennoch arbeiten in den USA ideologische Hardliner fleißig daran, neue Sanktionen gegen den eingeschworenen Feind Islamische Republik Iran auf den Weg zu bringen.

Der Iran stehe an einem Scheideweg, die Wähler müssten zwischen totalitärer und de­mokratischer Regierung entscheiden, mahnt Hassan Rohani. Seine erzkonservativen Herausforderer Mohammad Ghalibaf und Ebrahim Ra’isi haben ihm im Wahlkampf schwere Versäumnisse während seiner Amtszeit vorgeworfen. Revolutionsführer Ali Khamenei hat ihn mehrfach scharf kritisiert. Will der promovierte Islamgelehrte Rohani seine Reformpolitik fortsetzen, muss er sich mit den Hardlinern in den USA sowie in seinem eigenen Land auseinandersetzen.

 

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