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StartseiteCampus & KarriereVorlesung zum Mitnehmen13.01.2009

Vorlesung zum Mitnehmen

Apple steigt ins E-Learning-Geschäft ein

Bildungsforscher gehen davon aus, dass tragbare Abspielgeräte in Zukunft ein wichtiges Bildungsmedium sein werden. Den Anfang hat Apple gemacht und gründete vor knapp zwei Jahren die Plattform "iTunes University". Dort finden sich Vorlesungsvideos namhafter Universitäten, die dann von Interessierten auf ihren Player geladen werden können. Seit heute sind auch vier deutsche Universitäten auf dieser Internetplattform vertreten.

Von Claudia van Laak

Vorlesung  für unterwegs:  Die Präsentationen laufen  auf modernen Handys, auf dem Rechner zuhause oder auf dem Fernseher. (Stock.XCHNG / Chaleerat Ng)
Vorlesung für unterwegs: Die Präsentationen laufen auf modernen Handys, auf dem Rechner zuhause oder auf dem Fernseher. (Stock.XCHNG / Chaleerat Ng)

Bert Baumann ist Doktorand am Hasso-Plattner-Institut der Uni Potsdam. Er beschäftigt sich mit dem Thema E-Learning, speziell mit der Entwicklung von Hard- und Software, um Lerninhalte sinnvoll über Computer, Fernseher oder mobile Geräte präsentieren zu können.

"Was ich hier in der Hand halte, das ist ein iPod touch. Das ist ein mobiles Abspielgerät zur Wiedergabe von Musik oder Videos. Und genau so ein zusammengefügtes Video wollen wir uns mal ansehen."

In der rechten oberen Ecke des kleinen Bildschirms erscheint der Direktor des Hasso-Plattner-Instituts Christoph Meinel - ein winziges, zappeliges Bild. Man hört seine Vorlesung und sieht zusätzlich Folien, die er präsentiert. Super für die Prüfungsvorbereitung, sagt Bert Baumann. Statt während der Zugfahrt im Skript zu blättern, können Studierende jetzt ihren iPod oder ihr Handy nutzen.

"Ich denke, es ist wirklich dieser Flexibilitätsfaktor. Wenn man zwei Minuten an der Ampel steht kann man es genauso nutzen wie auf einer längerer Zugfahrt. Ich hätte es mir für mein Studium auch schon gewünscht, dass es damals zur Verfügung gestanden hätte.
Das wäre die Quintessenz daraus, Begeisterung pur."

Das Hasso-Plattner-Institut - Eliteschmiede für künftige Softwareingenieure - ist Vorreiter beim Thema E-Learning. Schon seit längerer Zeit können sich Studierende Vorlesungen und andere Multimedia-Präsentationen ihrer Professoren und Dozenten auf den häuslichen Rechner laden. Möglich macht dies eine mobile Einheit, die Kamera, Mikrophon sowie die entsprechende Hard- und Software enthält. Der Doktorand Andreas Groß hat diesen elf Kilogramm schweren Koffer mitentwickelt.

"Dieser Koffer versetzt Sie in die Lage, ein Videobild aufzuzeichnen. Das wäre an sich nichts Besonderes. Das Besondere ist, zusätzlich zum Videobild nehmen Sie auch einen beliebigen PC, der hier angeschlossen wird, synchron auf. Sämtliche Aktionen auf diesem Bildschirm, Mausbewegung, Fensteraktionen, alles, was auf dem Bildschirm passiert, nehmen Sie synchron auf. Damit sind Sie in die Lage versetzt, ein richtiges authentisches Abbild, eine Präsentation, eine Produktvorstellung, aufzuzeichnen und zu konservieren."

Ab heute sind die so aufgezeichneten Vorlesungen auch auf der Internetplattform der "iTunes university" von Apple zu sehen und zu hören. Neben Potsdam stellen auch die Universitäten München, Freiburg und Aachen Teile ihrer Lehrinhalte auf dieser Plattform zur Verfügung. Christoph Meinel, Direktor des Hasso-Plattner-Instituts - kurz HPI.

"Wir haben uns angesehen, wer da noch mitmacht. Das sind alle berühmten, großen US-amerikanischen Universitäten. Die argumentieren, dass das eine populäre Plattform ist, und dass es damit gelingt, einen Zugang zu Jugendlichen zu kriegen, die nicht selbständig auf die Webseite der Universität kommen."

Kritiker monieren, der Hard- und Softwarekonzern Apple nutze die angebotenen Inhalte der Universitäten nur als Köder für seine anderen Produkte. "Wir haben uns schon gefragt, ob wir damit nicht zuviel Werbung für Apple machen," sagt HPI-Direktor Meinel. Aber:

"Wenn uns andere Plattformbetreiber fragen, werden wir uns auch nicht verschließen. Unsere Idee ist, dass wir auf diese Weise, auf das, was hier am Hasso-Plattner-Institut gelehrt wird, was hier erforscht wird, auf eine sehr globale Weise aufmerksam machen können."

Zudem müsse man sich keinen iPod kaufen, um die angebotenen Inhalte der Universitäten nutzen zu können, sagt Meinel. Die Präsentationen laufen ebenfalls auf modernen Handys, auf dem Rechner zuhause oder auf dem Fernseher. Ein Zwang zur Veröffentlichung ihrer Vorlesungen im Internet existiert für die Professoren und Dozenten des Hasso-Plattner-Instituts nicht. Nur wer sein Einverständnis erteilt, zappelt anschließend auf dem iPod an der Bushaltestelle.

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