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StartseiteVerbrauchertippKrankenkassen zahlen viel, aber nicht alles18.08.2017

VorsorgeKrankenkassen zahlen viel, aber nicht alles

Zur Früherkennung von Krankheiten bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen für Versicherte eine ganze Reihe von Untersuchungen. Dabei gibt es verschiedene Altersbegrenzungen. Doch viele Versicherte nehmen die empfohlenen und bezahlten Untersuchungen oft nicht wahr.

Von Nele Rößler

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Eintrag "Mammografie" in einem Terminkalender (imago / Steinach)
Vorsorgeuntersuchungen werden von Krankenkassen und Ärzten empfohlen. (imago / Steinach)
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Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen für Frauen bereits ab dem 20. Lebensjahr Vorsorgeuntersuchungen. Auch die 25-jährige Mia war schon bei der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs: "Schon vor einigen Jahren hab ich das gemacht. Wird auch mal wieder fällig."

Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen Frauen auch bis zum (*) 25. Lebensjahr einen Test zur Früherkennung von Chlamydien. Das ist eine Geschlechtskrankheit, die zur Unfruchtbarkeit führen kann. Ab dem 30. Lebensjahr kommen dann weitere Vorsorgeuntersuchungen hinzu. Dr. Norbert Hautzer aus Köln rät allen Erwachsenen, aber besonders Frauen, zur Früherkennung zu gehen:

"Ein Großteil der erfolgreichen Vorsorgen sind für Frauen. Also heute muss man nicht mehr am Zervixkrebs, sprich am Gebärmutterhalskrebs versterben. Denn auch Kolon- und Kontrastuntersuchungen oder Darmspiegelungen sind etwas, was nur alle zehn Jahre gemacht werden muss. Die Wahrscheinlichkeit ist aber hoch, dass man den Tumor frühzeitig findet."

"Vorsorge ist altersabhängig"

Männern steht ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre eine Vorsorgeuntersuchung zu. Manche Krankenkassen zahlen auch mehr. Mit dem 45. Lebensjahr bezahlt die Krankenkasse jährlich weitere Früherkennungen von Tumoren. Für Dr. Norbert Hautzer aus Köln ergeben die Altersangaben Sinn:

"Vorsorge ist altersabhängig. Demzufolge sind bestimmte Krankheiten im Alter nicht mehr gegeben oder in der Jugend häufiger. Das ist der Grund, weshalb Vorsorge zu bestimmten Altersbereichen angegeben wird."

Der gemeinsame Bundesausschuss der gesetzlichen Krankenkassen hat festgelegt, welche Untersuchungen in welchem Alter für welches Geschlecht bezahlt werden. Dieser Bundesausschuss besteht aus Vertretern der Krankenkassen, Ärzten und Patienten. Christian Elspas von der Techniker Krankenkasse erklärt:

"Basis für die Kostenübernahme ist, dass diese Untersuchungen von wissenschaftlichen Instituten und wissenschaftlichen Studien belegt sind. Sie zeigen wirklich, dass eine solche Untersuchung zu einem bestimmten Zeitpunkt eine gewisse medizinische Erkenntnis bringt und einen Fortschritt hat. Sie sind einfach für die Gesundheit vom Versicherten sinnvoll und nützlich."

Kassen zahlen bei ärztlichem Verdacht auch früher

Untersuchungen, die nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen festgelegt sind, müssen selbst bezahlt werden. Das sind die sogenannten IGeL-Leistungen. Sie gehen über die vom Gesetzgeber festgelegten Leistungen hinaus. Wissenschaftliche Studien, zum Beispiel vom Robert-Koch-Institut, haben ihr medizinisches Nutzen oft nicht nachgewiesen. Denn nicht jeder richtig diagnostizierte, auffällige Befund verweist auf eine Krankheit, die vor dem Ausbruch steht. Das gilt selbst für richtig erkannte Krebskrankheiten. Deshalb zahlen die gesetzlichen Krankenkassen die IGeL-Leistungen nicht.

Hat der Patient aber ein erhöhtes Risiko oder der Arzt einen Verdacht, zahlen die Krankenkassen auch schon früher:

"Im Einzelfall, wenn zum Beispiel eine genetische Prädisposition vorliegt, kann man solche Vorsorgen auch vor dem eigentlich feststehenden Termin wahrnehmen. Das sollte man aber mit seinem Arzt vorher gründlich klären", sagt Christian Elspas von der Techniker Krankenkasse Nordrhein-Westfalen.

Untersuchungen werden nicht von allen wahrgenommen

Deshalb hat die Krankenkasse der 25-jährigen Mia vor zwei Jahren auch schon die Hautkrebsvorsorge übernommen. Regulär wird die erst ab dem 30. Lebensjahr bezahlt.

"Allerdings ist die jetzt auch schon zwei Jahre her. Da hab ich mich auf Hautkrebs untersuchen lassen, also mal alle Leberflecke durchgucken lassen."

Generell nehmen aber in Deutschland viele gesetzlich Versicherte die von der Krankenkasse bezahlten Untersuchungen noch immer nicht wahr.

(*) In einer ursprünglichen Fassung stimmte die Altersangabe nicht.

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