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StartseiteKommentare und Themen der WocheTrainerwechsel bei zwei DAX-Konzernen14.04.2018

VW und Deutsche BankTrainerwechsel bei zwei DAX-Konzernen

Die Personalentscheidungen bei VW und der Deutschen Bank machen Sinn, kommentiert Klemens Kindermann im Dlf. Bei der Deutschen Bank übernehme nach langer Zeit wieder ein Banker aus dem Privatkundengeschäft. VW könne mit der neuen Struktur schneller werden.

Von Klemens Kindermann

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Das Bild zeigt das Logo des Autokonzerns VW.  (dpa-Bildfunk / Lino Mirgeler)
VW und die Deutsche Bank haben neue Chefs bekommen. (dpa-Bildfunk / Lino Mirgeler)
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Diese Woche war die Welt der Wirtschaft der des Fußballs ausnahmsweise einmal voraus: Während auf dem Rasen nur Bayern München einen neuen Cheftrainer auf den Schild hob, waren es in der Sphäre der obersten Eckbüros gleich zwei deutsche Top-Unternehmen, die auswechselten: Die Deutsche Bank kürte Christian Sewing, Volkswagen Herbert Diess.

Beide Personalentscheidungen haben Sinn. Die bei der Deutschen Bank sogar auf den ersten Blick: Deutschlands größtes Geldhaus konnte es sich nicht mehr leisten, den gewissenhaften John Cryan weiter an den Problemen der Bank herumdoktern zu lassen. Die Währung einer Bank ist Vertrauen, sind Gesichter, auf die man sich verlassen möchte. Cryans Gesicht war nur selten zu sehen und wenn, dann doch immer irgendwie etwas zerknittert mürrisch. Mit Sewing übernimmt seit langer Zeit wieder ein Banker aus dem Privatkundengeschäft: Er steht dafür, dass sich die Bank nicht mehr den Zauberern und "Regenmachern" aus dem Investmentbanking zuwendet, sondern den Kunden.

Ganz anders liegt die Personalie bei Volkswagen, auch, wenn es sich hier ebenfalls um eine interne Lösung handelt. Diess' Berufung ist aus einem Konstrukt von Unternehmensstrategie, politischen Interessen und der Wahrung der Stellung der IG Metall heraus zu verstehen. Letztere hätte dem neuen VW-Chef nicht zugestimmt, wenn nicht gleichzeitig auf ihrem Ticket die Besetzung des Personalvorstandes gelungen wäre.

Osterlohs Macht bei VW ist gewachsen

Die Macht der IG Metall mit Betriebsratschef Bernd Osterloh ist gewachsen: Diess agiert fortan von Gnaden der IG Metall und unter ihrer Kontrolle. Das schränkt die Möglichkeiten des neuen Vorstandschefs ein, auf die immer schnellere Entwicklung im Automobilbau mit flexiblen Personalmodellen zu reagieren. Die Digitalisierung der Arbeit wird das Hauptthema in der Autoindustrie der Zukunft sein: Die Gewerkschaft hat dies – weitschauend - erkannt und dem Vorstand vorsorglich entsprechende Fesseln angelegt.

Auch in dem zweiten Punkt, den politischen Interessen, dürfte Diess gebändigt werden: Was sein Vorgänger Matthias Müller zu den Forderungen der durch den Dieselskandal geschädigten Autofahrer zu sagen hatte, grenzte an Hohn. Das Argument, dass Autofahrer in den USA entschädigt werden, die in Europa, die keine anderen Autos fahren, aber nicht, ist bis heute von VW nicht entkräftet worden. Mal ganz abgesehen von den Fahrradfahrern, Fußgängern und an den Hauptstraßen lebenden Menschen, die die Abgase einatmen mussten und es bis heute leider müssen.

Hier beginnt erst durch Klagen und politischen Druck die Auseinandersetzung. Die starke Stellung des Landes Niedersachsen im Aufsichtsrat und damit auch die Politik in Berlin wird VW nicht davonkommen lassen. Auch hier wird Diess Vorgaben bekommen, die er ganz gewiss nicht durch Schnöseleien wegbekommen kann, wie sie sein Vorgänger pflegte.

Die dritte Kraft, die Diess ins Amt beförderte, ist die rein sachlich plausibelste. VW muss schneller werden und dafür ist der Umbau des unregierbar riesigen Autoimperiums dringend nötig. Die neue Aufteilung der Fahrzeugmarken, die Aufwertung des China-Geschäfts, die Ausgliederung der Lkw-Sparte – das alles kann den Konzern wendiger machen. Dass der neue Vorstandschef dabei das Nervenzentrum selbst in der Hand behält, ist klug.

Umbau birgt auch Risiken

Doch birgt dieser größte Umbau in der 80-jährigen Firmengeschichte mit Diess als Machtzentrum in der Mitte auch eine Gefahr: Der neue Mann an der Spitze des weltweit agierenden Konzerns muss sich und wird sich auf die Geschäftsfelder der Zukunft konzentrieren: die Elektromobilität und das Geschäft in Asien.

Für das Repräsentieren in Deutschland, für die dort immer noch anstehenden Fragen der Vergangenheitslasten des Dieselskandals wird ihm kaum Zeit bleiben. Dabei hat gerade das Fehlen der sogenannten weichen Faktoren - gute Führung, Nähe zu den Mitarbeitern, Kommunikation, Kritikfähigkeit, flachere hierarchische Strukturen - letztlich zum Dieselskandal geführt, der VW bisher schon Milliarden kostete.

Hier könnte die Deutsche Bank mit ihrem klaren Wechsel hin zu einem kundenorientierten Vorstandschef mit dem Zeug zum berühmten Kulturwandel schon weiter sein. Von Bayern München natürlich ganz zu schweigen.

 

Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann ist seit 2009 Abteilungsleiter Wirtschaft und Gesellschaft beim Deutschlandfunk. Von 1991 bis 1997 war er Redakteur und Korrespondent der Deutsche Presse-Agentur (dpa). Danach wechselte er 1997 zur Wirtschafts- und Finanzzeitung "Handelsblatt", wo er als Fachredakteur, Desk-Chef im neu geschaffenen Newsroom und ab 2004 als stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft & Politik tätig war.

 

 

 

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