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StartseiteKommentare und Themen der WocheMüller und Co. sollten ihrer Verantwortung gerecht werden11.01.2017

VW und DieselgateMüller und Co. sollten ihrer Verantwortung gerecht werden

Volkswagen hat mit der US-Regierung einen milliardenteuren Vergleich im Dieselskandal ausgehandelt. Strategisch habe der Konzern so seine Position geschwächt, meint Silke Hahne. Angesichts daraus resultierender Risiken wäre es daher ein wichtiges Signal, verzichtete das Management 2016 auf seine Boni.

Von Silke Hahne

Matthias Müller, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG und Vorstandsmitglied der Porsche SE, sitzt am 29.06.2016 in Stuttgart (Baden-Württemberg) während der Hauptversammlung der Porsche Automobil Holding SE auf dem Podium. (dpa/picture alliance/Marijan Murat)
2016 war ein schweres Jahr für Matthias Müller, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG. Der Konzern muss Klagen in Milliardenhöhe verkraften. (dpa/picture alliance/Marijan Murat)
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Es war bitter nötig, diese Einigung vor dem Regierungswechsel in den Vereinigten Staaten abzuschließen. Denn die Regierung Trump und ihre Wirtschaftspolitik bleiben vorerst eine Black Box. Und Trumps getwitterte Frontalangriffe auf andere Automobilkonzerne lassen erahnen, dass der Präsident in spe es mit der Branche nicht unbedingt immer gut meint.

Gleichzeitig hat der Konzern seine strategische Position geschwächt. Um Unsicherheit abzuwenden greift Volkswagen tief in die Tasche. Und obwohl diese vier Milliarden Euro den Konzern nicht ruinieren werden: Es signalisiert, dass VW unter Umständen Druck von außen nachgibt. Das kann sich auf weitere Vergleichsverhandlungen auswirken. Und das zeigt: Der Skandal bleibt langfristig gesehen ein schwer zu berechnendes Risiko.

VW braucht eigentlich jeden Cent

Wenn Volkwagen die Summe tatsächlich in dieser Höhe überweist, sind die bisher gebildeten Rückstellungen für Dieselgate aufgezehrt. Zwar stieg heute der Kurs der VW-Aktie - weil für die Anleger der kurzfristige Erfolg im Vordergrund stand, dass VW einen weiteren Meilenstein im Skandal genommen hat. Aber es dürfte auf den Gewinn drücken und damit sehr wahrscheinlich auch auf die Dividende.

Vor allem aber schmälert es das Budget für die Zukunft des Konzerns. In Zeiten des Umbruchs der Branche braucht VW eigentlich jeden Cent, um in Sachen Elektromobilität und autonomes Fahren nicht abgehängt zu werden. Auch für die Mitarbeiter könnte die Last des Skandals in Zukunft noch schwerer wiegen. Schon jetzt ist der Abbau Zehntausender Stellen geplant. Steigen die Kosten immer weiter, wird der Wegfall von Jobs irgendwann nicht mehr sozialverträglich möglich sein - Macht der Gewerkschaften hin oder her.

Quittung mit begleichen

Angesichts dieser Risiken wäre es daher ein wichtiges Signal, wenn das VW-Management 2016 auf seine Boni verzichten würde. Auch wenn es nach Absatzzahlen das beste in der Geschichte des Konzerns war.

Denn Vorstandschef Matthias Müller hat zuletzt davon gesprochen, man habe das Heft des Handelns immer mehr in der Hand. Das Resultat sind nun Strafzahlungen, die höher als erwartet ausfallen. Mit ungewissen Konsequenzen für die noch offenen Posten. Müller und Co. sollten ihrer Verantwortung gerecht werden und diese Quittung mit begleichen.

Silke Hahne  (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Silke Hahne (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Silke Hahne, Jahrgang 1987, hat in Münster und Leipzig Kommunikationswissenschaft und Hörfunkjournalismus studiert, jeweils mit dem Schwerpunkt Wirtschaft/Finanzen. Sie war Freie Mitarbeiterin bei mehreren MDR-Hörfunkwellen, anschließend Volontariat beim Deutschlandradio. Sie arbeitet in der Deutschlandfunk-Redaktion "Wirtschaft und Gesellschaft".

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