Mittwoch, 22.11.2017
StartseiteWirtschaft und GesellschaftKlarer Sieg für Abenomics23.10.2017

Wahl in JapanKlarer Sieg für Abenomics

Shinzo Abe hat es geschafft, nicht nur die Wahl zu gewinnen, sondern auch die Wirtschaft in Schwung zu bringen. Doch die Risiken für Japan und damit auch für seine Auftragnehmer bleiben: Die Staatsschulden sind auf mittlerweile 239 Prozent der gesamtwirtschaftlichen Leistung geklettert. Weitere Reformen sind deshalb dringend notwendig.

Von Michael Braun

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Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe spricht auf einer Pressekonferenz über den Sieg seiner Partei bei der Parlamentswahl.  (AFP / Behrouz MEHRI)
Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe spricht auf einer Pressekonferenz über den Sieg seiner Partei bei der Parlamentswahl. (AFP / Behrouz MEHRI)
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Shinzo Abe hat es geschafft, nicht nur die Wahl zu gewinnen, sondern auch die Wirtschaft leidlich in Schwung zu bringen. Im Frühjahr 2014 war das nicht absehbar, als er die Mehrwertsteuer von fünf auf acht Prozent erhöhte. Obwohl solche Steuersätze im internationalen Vergleich der Industriestaaten marginal sind - in Japan hat das zu einem Einbruch im Konsum- und im Investitionsverhalten gleichermaßen geführt. 

Es war die Notenbank, die unter nahezu vollständiger Preisgabe ihrer Unabhängigkeit im Regierungsauftrag gegensteuerte. Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Diba, über die Rolle von Zentralbank und Geldpolitik: "Die Zentralbank hat in Japan genauso wie in Europa, genauso wie in den USA im Augenblick wirklich eigentlich die Drecksarbeit gemacht. Sie hat nämlich versucht, die Konjunktur zu stimulieren, das zu machen, was den Regierungen  eigentlich nicht gelungen ist oder wobei Regierungen sich nicht getraut haben, die Arbeit durchzuziehen." Inzwischen gehören der Notenbank rund 40 Prozent der japanischen Staatsanleihen. 

Zusätzlich hat sie Unternehmensanleihen gekauft und – über sogenannte börsengehandelte Fonds, also ETFs – auch Aktien. Kein Wunder, dass der japanische Aktienmarkt, gemessen am Nikkei-Index, heute mit knapp 21.700 Punkten auf eine 21-Jahres-Hoch gestiegen ist. 

Alternde Bevölkerung schwächt Japans Wirtschaft

Lange Zeit hatten sich die japanischen Unternehmen trotz allem kaum in Japan engagiert. Denn die Bevölkerung ist alt: Die Hälfte aller Japaner ist älter als 44,8 Jahre, ähnlich wie in Deutschland, während in anderen Ländern der Region eine sehr viel jüngere Bevölkerung lebt. In China ist die Hälfte der Menschen neun Jahre jünger als in Japan, in Vietnam sind es mit 27,8 Jahren weitere fast acht Jahre weniger. 

Die Demografie, so Stefan Schneider von der Deutschen Bank, hatte Japan geschwächt. "Das ist natürlich ein Problem. Und deswegen: Die Reformen müssen am Arbeitsmarkt ansetzen und in Bezug auf die inländischen Investitionen. Wobei da das zusätzliche Problem eben das ist, dass es in Asien - gerade für die global orientierten japanischen Unternehmen – viele Plätze gibt, wo – Stichwort: bessere Demografie – es mehr Sinn macht zu investieren." 

Abe hat daraus gelernt. Er sorgte immerhin dafür, dass auch Frauen zwischen 25 und 54 Jahren vermehrt in den Arbeitsmarkt einsteigen konnten. Waren 2012 nur 72 Prozent Frauen im arbeitsfähigen Alter beschäftigt, sind es nun 75 Prozent. 

Das viele Geld der Notenbank und die wachsende Beschäftigung zeigten Wirkung: Die gesamtwirtschaftliche Leistung hat in den vergangenen sechs Quartalen jedes Mal zugelegt, insgesamt um 1,5 Prozent im vorigen Jahr. Die Exporte stiegen um real 6,8 Prozent, die Bruttoanlageinvestitionen um 3,1 Prozent, der private Konsum um immerhin 1,7 Prozent. 

Angesammelte Staatsschulden bleiben ein Risiko

Jetzt, wo Abes Bündnis so eindeutig die Wahl gewonnen hat, könnte auch die pazifistisch ausgerichtete Verfassung leichter geändert werden: Dann dürften wegen der Bedrohung durch Nordkorea die Verteidigungsausgaben steigen. "Wenn Japan nun wirklich aufrüstet – das dauert natürlich auch noch eine Weile, dafür braucht man noch ein Referendum, also da vergeht noch ein bisschen Zeit - natürlich würde Deutschland  als einer der großen Rüstungsexporteure hiervon profitieren", sagt ING-Diba-Volkswirt Carsten Brzeski. 

Doch Risiken für Japan und damit auch für seine Auftragnehmer bleiben: Die Staatsschulden sind auf mittlerweile 239 Prozent der gesamtwirtschaftlichen Leistung geklettert, das knapp Dreifache des EU-Durchschnitts. Um den Schulden beizukommen, soll die Mehrwertsteuer 2019 nochmals steigen – und hoffentlich nicht wieder für einen Einbruch sorgen.

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