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WahlkampfDie Macht der Social Bots

Von Ronald Menn
Ein Mensch geht an einem Leuchtdisplay vorbei und wird mit Binärcode beleuchtet (dpa)
Ein Mensch geht an einem Leuchtdisplay vorbei und wird mit Binärcode beleuchtet (dpa)

Sie heizten die Stimmung im Ukraine-Konflikt auf, mischten beim Brexit-Referendum mit und spielen auch im US-Wahlkampf eine wichtige Rolle: Social Bots, Computerprogramme, die in den sozialen Netzwerken wie richtige Nutzer agieren. Die AfD will sie auch im Bundestagswahlkampf nutzen - zum Entsetzen der anderen Parteien.

Die Linken haben bereits reagiert und alle anderen Parteien dazu aufgerufen, auf Meinungsroboter zu verzichten. Bundesgeschäftsführer Höhn sprach von einer Gefahr für die Demokratie. Die Bots könnten ein falsches Meinungsbild konstruieren und indirekt die Sicht auf die Welt manipulieren. Die politischen Akteure stünden hier in der Verantwortung.

Social Bots nutzen Künstliche Intelligenz, um in sozialen Netzwerken eigenständig nach Themen zu suchen, Beiträge weiterzuverbreiten und Kommentare abzugeben, die so aussehen wie Posts von echten Nutzern. AfD-Bundesvorstand Alice Weidel hatte dem "Spiegel" gesagt, Social Bots würden "selbstverständlich" zur Wahlkampf-Strategie gehören, um die Positionen der Partei zu verbreiten.

Verboten seien solche Social Bots nicht, sagte der Wissenschafts-Journalist Peter Welchering . Allerdings berge der Einsatz solcher Programme einige Gefahren für die Demokratie: "Es ist so etwas ähnliches wie die Automatisierung der politischen Willensbildung."

Twitter-Bots für Trump und Clinton

Dass Social Bots die Meinung beeinflussen können und dafür auch eingesetzt wurden und werden, gilt als erwiesen. Der Politikwissenschaftler Simon Hegelich von der TU München hat herausgefunden, dass ein ganzes Heer an Bots den Ukraine-Konflikt mit faschistischen Äußerungen im Internet anheizte. Während des Brexit-Referendums beobachteten die Soziologen Philip Howard und Bence Kollanyi, dass eine kleine Anzahl an Accounts eine große Menge an Pro-Brexit-Tweets absetzte.

Auch im laufenden US-Wahlkampf wird massiv auf Bots gesetzt: Laut einer Studie der Oxford University wurde am Tag des ersten TV-Duells und in den Folgetagen ein Drittel der Pro-Trump-Postings auf Twitter vermutlich von Bots generiert, bei Hillary Clinton war es knapp ein Viertel.

Die Wissenschaftler hatten für die Untersuchung pauschal definiert, dass ein typischer Bot mindestens 50 tägliche Tweets beziehungsweise 200 Tweets an den untersuchten vier Tagen absetzt. Die Forscher betonen, dass sie nicht sagen können, wer die Bots betreibt.

Hegelich sieht in den Bots ein Risiko für die Demokratie. Die Hauptgefahr bestehe darin, dass etwa Politik, Medien oder Einzelpersonen aus den Posts der Bots eigene Entscheidungen ableiten könnten. Bots könnten so dazu beitragen, dass eine politische Stimmung kippe.

Meinungsmache oder intelligente Helfer?

Dabei müssen Social Bots per se nichts Schlechtes sein. Darauf weist zum Beispiel Mathias Richel von der Agentur TLGG hin, der 2013 den Online-Wahlkampf der SPD begleitet hat.

Bot-Software, die sich mit Menschen unterhält, wird nach Ansicht von Microsoft-Manager Peter Jaeger maßgeblich die nähere Zukunft prägen. Dabei gehe es darum, die menschlichen Fähigkeiten zu ergänzen, eine Beziehung zwischen Mensch und Maschine zu erstellen, nicht gegen die Maschine. Konkrete Beispiele wären Chat-Bots, die unkompliziert bei der Flugbuchung helfen oder ein Programm, das über Fotos von Nutzern Produktempfehlungen abgibt.

Facebook und Google liefern sich momentan ein Rennen um die besseren Chat-Bots in ihren Messengern - hier werden sie "persönliche Assistenten" genannt. Google hat Ende September seinen Dienst "Allo" gestaret - als Konkurrenz zum Facebook-Konkurrenten WhatsApp. Nutzer können sich von "Allo" per Chat zum Beispiel Informationen zum Wetter, zu Restaurants in der Nähe oder Reisemöglichkeiten anzeigen lassen oder ihm auch Wissensfragen stellen. Außerdem schlägt "Allo" auch in Unterhaltungen mit anderen Menschen mögliche passende Antworten mit Hilfe künstlicher Intelligenz vor.

NSA-Enthüller Edward Snowden riet wegen der Datenschutz-Einstellungen von der Nutzung der App ab.

Auch Facebook setzt auf Chatbots, hat seinen Messenger aber für die "Assistenten" vieler verschiedener Anbieter geöffnet. Medien, Fluggesellschaften oder Banken sollen so künftig direkt per Chat mit ihren Kunden in Verbindung treten.

Facebooks Plan dahinter ist, den Messenger auch in der Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden zu etablieren und damit Geld zu verdienen. Auch der Messenger verzichtet deshalb auf standardmäßige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, sondern lässt sie nur auf Wunsch zuschalten.

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