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StartseiteKommentare und Themen der WocheDeutschlandtrend is Merkel's friend10.08.2017

WahlumfragenDeutschlandtrend is Merkel's friend

Auch wenn die die Kanzlerin in Umfragen gerade an Prozentpunkten verliere - dass die SPD so tue, als ginge da noch etwas, erinnert Theo Geers an den Griff nach dem letzten Strohhalm. Schulz hole nicht auf, zumindest nicht genug. Und auch bei den anderen Parteien passiere nicht mehr viel.

Von Theo Geers

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (M, CDU) kommt mit SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz (r) und dem Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer aus einem Raum am 12.02.2017 im Reichstag in Berlin bei der Wahl des Bundespräsidenten. Zur Wahl des neuen Bundespräsidenten tritt am Sonntagmittag in Berlin die Bundesversammlung zusammen. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa | Verwendung weltweit (dpa/Bernd von Jutrczenka)
In den Wahlumfragen überstrahle die Bundeskanzlerin Angela Merkel die anderen Kandidaten, meint Theo Geers, auch wenn sie bei der Liste der beliebtesten Politiker zehn Prozentpunkte verloren hat. (dpa/Bernd von Jutrczenka)
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Tapfer sind sie ja, die Sozialdemokraten. Mut gibt ihnen offenbar, dass die Kanzlerin gerade kräftig Federn gelassen hat. Bemerkenswerte zehn Prozentpunkte hat sie verloren in der Rangliste der beliebtesten Politiker. Das klingt nach viel und es ist auch viel, aber so zu tun, als ginge da noch etwas, erinnert dann doch mehr an den Griff nach dem Strohhalm. Das kann man sechseinhalb Wochen vor der Wahl niemandem verdenken, auch den Sozialdemokraten nicht.

Einem Martin Schulz kann ja nicht eben diese Bundestagswahl jetzt schon verloren geben. Doch wer genau hinhört merkt: Von Sieg wird nicht mehr geredet, nur davon, dass es noch viele unentschlossener Wähler gebe und unter denen könne die SPD mehr Stimmen holen als die Union. Das mag stimmen, aber auch das ist nur ein Strohhalm, auch solche Aussagen wirken zunehmend surreal.

Wechselstimmung fühlt sich anders an

Es mag noch die ein oder andere Veränderung in Umfragen und in den Prozentpunkten bei der Wahl geben, aber der aktuelle Deutschlandtrend kommt wie andere Umfragen im Kern zum gleichen Ergebnis: Die Großwetterlage hierzulande ist im Großen und Ganzen stabil. 15 Prozentpunkte Vorsprung für die Union bei der Sonntagsfrage, 22 Prozentpunkte Vorsprung für Angela Merkel bei der Kanzlerfrage und da, wo Angela Merkel gerade 10 Prozentpunkte verloren hat, also in der Liste der beliebtesten Politiker, hat sie immer noch 26 Prozentpunkte Vorsprung gegenüber Martin Schulz.

Das zeigt sein Problem: Merkel mag hier oder da etwas verlieren, aber er - Schulz - holt nicht auf, zumindest nicht genug. Nein - Wechselstimmung fühlt sich anders an. Da geht nicht mehr viel, bei der SPD nicht und offenkundig bei anderen Parteien auch nicht.

Der Dieselskandal ist das Fukushima der Autoindustrie

Am augenfälligsten ist dies in diesen Tagen bei den Grünen. Der Dieselskandal ist das Fukushima der Autoindustrie. Er hat gezeigt, wie wenig die Autoindustrie mit der Gesundheit der Bevölkerung und der Luft, die wir einatmen, am Hut hat, er das Vertrauen der Deutschen in die Vorzeigebranche erschüttert, fast zwei Drittel der Deutschen meinen zudem, die Regierenden gingen mit den Autoherstellern zu nachsichtig um.

All das ist eine Steilvorlage für die Grünen. Als Oppositionspartei müssten sie die Regierung und da vor allem den Verkehrsminister vor sich her treiben, als tonangebende Umweltpartei der Autoindustrie die Verkehrswende aufs Auge drücken so wie der Energiewirtschaft die Energiewende.

Doch nichts davon passiert. Die einen fordern ein Ausstiegsdatum für Verbrennungsmotoren, andere Grüne halten das für Unsinn und dem Wähler geht darüber die politische Alternative verloren. So kann man es natürlich machen, aber die fehlende Wechselstimmung im Land dann zuvorderst Angela Merkels Politik- und Wahlkampfstil zuzuschreiben lenkt von eigenen Defiziten ab.

Theo Geers, 1959 in Sögel geboren, Studium der Volkswirtschaft an der Universität Köln, seit 1984 freier Journalist u. a. für DLF, WDR und andere ARD-Anstalten, seit 1991 als Wirtschaftsredakteur beim Deutschlandfunk. 1997 bis 2001 Korrespondent in Brüssel, 2010 bis 2011 Redaktionsleiter Wirtschaft und Umwelt, seit 2012 Berliner Korrespondent für die Programme des Deutschlandradio, Themenschwerpunkt Wirtschaft und Finanzen.

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