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StartseiteAus Religion und Gesellschaft"Ein Sturm weht vom Paradiese her"10.02.2016

Walter Benjamins Engel der Geschichte"Ein Sturm weht vom Paradiese her"

Walter Benjamin hat 1921 ein Bild von Paul Klee erworben. Es hat den Titel "Angelus Novus". Dieser Engel hat den Philosophen 20 Jahre lang begleitet - auch ins Exil. Und er hat sein Denken geprägt. Bis hin zu einem seiner berühmtesten Texte: "Über den Begriff der Geschichte". Wie aus dem "Angelus Novus" der "Engel der Geschichte" wurde.

Von Astrid Nettling

Walter Benjamin (dpa / picture alliance / Heinzelmann)
Walter Benjamin (1892–1940) (dpa / picture alliance / Heinzelmann)

"Es gibt ein Bild von Paul Klee, das Angelus Novus heißt. Ein Engel ist darauf dargestellt, der aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen, und seine Flügel sind aufgespannt."

Mit diesen Worten beginnt Walter Benjamin einen seiner berühmtesten Texte. Es handelt sich um die neunte These aus den kurz vor seinem Tod verfassten Thesen "Über den Begriff der Geschichte". Das Bild, von dem er spricht, hatte der knapp Dreißigjährige im Frühjahr 1921 erworben. Eine kleine aquarellierte Ölfarbzeichnung auf bräunlichem Papier. Sie hing in seinem Berliner Arbeitszimmer und begleitete ihn später auch in sein Pariser Exil. Sein Freund, der jüdische Religionshistoriker und Kabbalaforscher Gershom Scholem, erinnert sich:

Der "Angelus Novus" von Paul Klee 

"Vom ersten Moment an faszinierte ihn Klees Bild aufs höchste und spielte in seinen Betrachtungen zwanzig Jahre lang eine bedeutungsvolle Rolle als Meditationsbild und als Memento einer geistigen Berufung. Er kam mündlich und schriftlich öfter auf das Bild zu sprechen."

Das Bild, das 1920 entstand, zeigt die mit schwungvollem Stift gezeichnete Gestalt des Engels. Mit seinem übergroßen Kopf, der katzenartigen Nase, dem geöffneten Mund, der spitze Zähne sehen lässt, den emporgereckten Armen, nicht ausgewachsenen Flügeln ähnlich, und den kurzen Beinen, die in Vogelfüßen enden, hat dieser Engel zugleich etwas von einem rätselhaften Mischwesen an sich. Auffallend sind die weitgeöffneten Augen, die das ganze Bild beherrschen und deren schwarze Pupillen auf etwas Unbekanntes außerhalb des Bildes zu blicken scheinen.

"Der Engel der Geschichte muss so aussehen."

Wird es in Benjamins geschichtsphilosophischen Thesen lauten. Doch zunächst ist ihm der Engel auf dem Bild keineswegs der Engel der Geschichte, zumal auch sein Name "Angelus Novus" nicht in diese Richtung weist.

Engel, die in jedem Augenblick neu entstehen

Als "Neuer Engel" erscheint er Benjamin in diesen Jahren. Es ist keine bloße Übersetzung des Titels "Angelus Novus", den Paul Klee seinem Bild gegeben hat. Die Bezeichnung "Neuer Engel" entspricht vielmehr Vorstellungen der jüdischen Engellehre, wonach unzählige Scharen von Engeln in jedem Augenblick neu entstehen und sofort wieder vergehen. Gershom Scholem:

"Unvergängliche Engel wie etwa die Erzengel waren für Benjamin weniger wichtig. Als er das Bild erwarb, hatten wir Gespräche über jüdische Angelologie, besonders über talmudische und kabbalistische. Einen dieser immer neuen Engel fand er auf dem von ihm unendlich geliebten Bilde wieder."

"Im Zimmer, das ich in Berlin bewohnte, hat jener sein Bild an der Wand befestigt: Neuer Engel. Die Kabbala erzählt, dass Gott in jedem Nu eine Unzahl neuer Engel schafft, die jeder nur bestimmt sind, ehe sie ins Nichts zergehen, einen Augenblick das Lob von Gott vor seinem Thron zu singen. Als solcher Engel gab der Neue sich aus."

Denn noch weiß der "Angelus Novus" nichts von Geschichte. Im tiefgründigen Schwarz seiner weitgeöffneten Augen ist noch der Glanz seines göttlichen Ursprungs bewahrt. Von diesem Glanz hat der "Neue Engel" hymnisch zu künden. So will es die Tradition – Kabbala bedeutet Überlieferung, Weiterleitung, bis sein Licht "hinschwindet wie der Funke auf der Kohle", wie es in einer kabbalistischen Schrift heißt. Der Philosoph Jean-Michel Palmier über Benjamins Verhältnis zur Kabbala, der mystischen Tradition des Judentums:

"Obwohl er sie niemals studiert hat, wirft die Kabbala Licht auf bestimmte Themen seines Werkes: Ursprung, Erleuchtung, Offenbarung. Darüber hinaus lässt sich mit ihr jene Perspektive verbinden, die die Vorstellung der Katastrophe kennzeichnet, wie sie in seiner Geschichtsphilosophie erscheint und in der Figur des Engels der Geschichte gipfelt."

Der "Neue Engel" wird zum Engel der Geschichte

Im September 1939 hatte mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Polen der 2. Weltkrieg begonnen. Noch im selben Monat wird Benjamin, der seit 1933 im Pariser Exil lebt, als "feindlicher Ausländer" in ein Arbeitslager unweit von Paris interniert. Nach dreimonatiger Haft kann er ins abgedunkelte Paris zurückkehren. In den Winter- und Frühjahrsmonaten 1940 entstehen die Thesen "Über den Begriff der Geschichte". Entsteht als neunte These sein Denkbild über den Geschichtsengel.

"Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert."

Das Bild von Paul Klee ist dasselbe geblieben. Doch Benjamin erblickt nun etwas anderes in dem dargestellten Engel: Der "Neue Engel" ist ihm zum Engel der Geschichte geworden, der keine Hymnen vor Gott mehr singt. Sein göttlicher Ursprung hat sich ihm völlig verdunkelt. Mit seinen aufgerissenen Augen – tiefschwarz nunmehr von Trauer und Entsetzen – starrt er jetzt auf ein Geschehen, das wir, die Menschen, Geschichte nennen, das sich im Blick des Engels jedoch als ein heilloses, katastrophisches Geschehen offenbart.

"Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradiese her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, dass der Engel sie nicht mehr schließen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir den Fortschritt nennen, ist dieser Sturm."

Von seinem göttlichen Ursprung losgerissen wird der Engel nun selbst unaufhaltsam von der Geschichte fortgerissen. Von seinem einstigen Erleuchtet-Sein ist ihm nur die Erkenntnis der katastrophischen Kehrseite geschichtlichen Fortschritts geblieben. Unauslöschlich ist dies seinem erstarrten Blick wie in schwärzeste Kohle eingebrannt, ohne diesem Geschehen Einhalt gebieten zu können.

Der ohnmächtige Engel

Mit seiner Wendung "das Zerschlagene zusammenfügen" spielt Benjamin auf die Lehre der Kabbala an, wonach im Schöpfungs- bzw. Weltentstehungsprozess einige der Sphären oder "Gefäße", die ursprünglich das göttliche Licht aufnehmen sollten, zerbrachen und als unzählige Scherben in die Welt hinabfielen. Eine Urkatastrophe, deren Wiedergutmachung darin besteht, das Zerschlagene zu seiner ursprünglichen Ganzheit wieder zusammenzufügen. Benjamins Freund, der Religionshistoriker Gershom Scholem:

"In Benjamins Sinn steht der kabbalistische Begriff des Tikkun, der messianischen Wiederherstellung und Ausbesserung, die das im 'Bruch der Gefäße' zerschlagene und korrumpierte ursprüngliche Sein der Dinge zusammenflickt und wiederherstellt. Freilich ist dies für die Kabbala Aufgabe nicht eines Engels, sondern des Messias. Der Engel der Geschichte versagt an dieser Aufgabe. "

Benjamin beendet das Denkbild seiner neunten These mit diesem Blick auf den ohnmächtigen Engel, der vom Sturm des Fortschritts unaufhaltsam in die Zukunft getrieben wird und sich damit von seiner Herkunft – von Gott – immer weiter entfernt. Doch enden Benjamins geschichtsphilosophische Überlegungen damit keineswegs. Der Gedanke des Messianischen bleibt in seinen Thesen absolut maßgebend. So heißt es darin weiter:

"Die Vergangenheit führt einen zeitlichen Index mit sich, durch den sie auf die Erlösung verwiesen wird. Es besteht eine geheime Verabredung zwischen den gewesenen Geschlechtern und unserem. Uns ist wie jedem Geschlecht, das vor uns war, eine schwache messianische Kraft mitgegeben, an welche die Vergangenheit Anspruch hat. "

Distanz um Geschichtsverständnis der Moderne

Schon früh, bereits in seinem ersten, 1914 während seines Philosophiestudiums in Freiburg verfassten Text "Das Leben der Studenten" hatte sich der 22-Jährige von dem am kontinuierlichen Fortschritt ausgerichteten Geschichtsverständnis der Moderne entschieden distanziert.

"Es gibt eine Geschichtsauffassung, die im Vertrauen auf die Unendlichkeit der Zeit nur das Tempo der Menschen und Epochen unterscheidet, die schnell oder langsam auf der Bahn des Fortschritts dahinrollen. Die folgende Betrachtung geht dagegen auf einen bestimmten Zustand, in dem die Historie als in einem Brennpunkt gesammelt ruht, wie von jeher in den utopischen Bildern der Denker. Dieser Zustand ist nicht mit pragmatischer Schilderung zu umschreiben, sondern nur in seiner metaphysischen Struktur zu erfassen, wie das messianische Reich."

Dazu der Philosoph Stéphane Mosès:

"Es ging um eine radikale Kritik der historischen Vernunft, d.h. der Ideen der Kontinuität, der Kausalität und des Fortschritts, der optimistischen Geschichtsauffassung, die in der Geschichte einen stetigen Gang zur schließlichen Vollendung der Menschheit sah."

Eine solch optimistische Geschichtsauffassung hatte etwa Gottfried Wilhelm Leibniz in seiner von christlicher Heilsvorstellung geprägten "Theodizee" vertreten. Das heißt, in seiner Rechtfertigung Gottes, dass die Welt trotz allen Unheils die beste aller möglichen Welten sei, da der Verlauf der Geschichte als einer Heilsgeschichte einem wohl unerforschlichen, aber gerechten Endzweck folge.

Und auch bei Friedrich Hegel heißt es in der Einleitung zu seiner "Philosophie der Geschichte":

"Dieser Endzweck ist das, worauf in der Weltgeschichte hingearbeitet worden, dem alle Opfer auf dem weiten Altar dieser Erde und im Verlauf der langen Zeit gebracht worden. Dieser Endzweck ist das, was Gott mit der Welt will."

Die "Jetztzeit" - der messianisch aufgeladene Augenblick

Diesem teleologischen Geschichtsverständnis mit seiner linear und kontinuierlich fortschreitenden Zeit setzt Benjamin den Gedanken einer nichtlinearen, diskontinuierlichen Zeit entgegen. In ihren Sprüngen, Rissen, in den geschichtlichen Brüchen und Abweichungen ist wie in einem "Brennpunkt" Utopisches verborgen. Oder mit einem anderen Wort: Messianisches, das es zu entbergen gilt. Hier und jetzt und nicht erst am Ende aller Zeiten. Denn – so heißt es in Benjamins frühem Text weiter:

"Die Elemente des Endzustands liegen nicht als gestaltlose Fortschrittstendenz zutage, sondern sind als gefährdetste Schöpfungen und Gedanken tief in jeder Gegenwart eingebettet."

Dazu der Philosoph Stéphane Mosès:

"Der Begriff der Utopie taucht auf und zwar so, als könnte sie in jedem Augenblick möglich sein. Stets hat sich der jüdische Messianismus mit der historischen Erfahrung der Katastrophe, der Enttäuschung und des Scheiterns auseinandersetzen müssen. Daher war er stets bemüht, den Akzent auf die utopischen Möglichkeiten der verborgenen Geschichte zu legen, auf jene, die jeder Augenblick, selbst der unbedeutendste, verbirgt."

"Kairós" hatten die Griechen einen solchen Augenblick genannt, wo die Zeit nicht einfach nur chronologisch verläuft, sondern kairologisch mit einer besonderen Chance, einer ungeahnten Möglichkeit aufgeladen ist. Messianisch aufgeladen würde Benjamin sagen, deren zwar niemals gewisse, aber stets utopische Chance zu Erfüllung und Heil jederzeit in die Gegenwart einbrechen kann.

Als "Jetztzeit" bezeichnet Benjamin diesen messianisch aufgeladenen Augenblick in seinen geschichtsphilosophischen Thesen. Und nur derjenige Historiker, der diesen verborgenen Möglichkeiten in der Geschichte "eingedenk" ist, vermag einen solchen Zeit- oder Brennpunkt überhaupt in den Blick zu bekommen.

"Er erkennt das Zeichen einer messianischen Stillstellung des Geschehens, einer revolutionären Chance für die unterdrückte Vergangenheit. Der Historiker, der davon ausgeht, begründet einen Begriff der Gegenwart als der 'Jetztzeit', in welcher Splitter der messianischen eingesprengt sind."

Eingedenken, um zu retten, was gescheitert ist

Anders als der Engel der Geschichte ist also der Historiker keineswegs zu völliger Ohnmacht verdammt. Denn im Unterschied zum Engel vermag er im Sturmwind der Geschichte innezuhalten – "zu verweilen" – und in den toten Trümmern der Vergangenheit Splitter jenes messianischen Jetzt auszumachen, die es freizusetzen – mit einem anderen Wort – zu 'erlösen' gilt. Als eine, so Benjamin, stets gegenwärtige Möglichkeit:

"... zu vollenden, was uns vorenthalten worden ist."

Von "heiligen Funken" spricht die Kabbala. Es sind dies kleinste Spuren göttlichen Lichts, die bei jener Urkatastrophe, dem "Bruch der Gefäße", zusammen mit den Scherben über die ganze Welt zerstreut wurden. Diese "heiligen Funken" befinden sich überall, in belebten und unbelebten Dingen, selbst in härtestem Trümmergestein und warten nur darauf, aufgehoben und erlöst zu werden. So lautet es in einem kabbalistischen Text:

"Es gibt nichts, was keine Funken enthielte. Darum muss sich der Fromme all dessen erbarmen, nämlich wegen der darin befindlichen Funken, damit er sich seiner heiligen Funken erbarmt."

Diese Aufgabe des Frommen ist nun gleichsam auf den Historiker übergegangen. Vermöge jener "schwachen messianischen Kraft", die uns Menschen auch in der säkularen Moderne noch mitgegeben ist und im Eingedenken wirksam wird.

"Im Eingedenken machen wir eine Erfahrung, die uns verbietet, die Geschichte grundsätzlich atheologisch zu begreifen, so wenig wir sie in unmittelbar theologischen Begriffen zu schreiben versuchen dürfen."

"Diese Auffassung von geschichtlicher Zeit, die dem Glauben an eine auf das letztendliche Heil hinfortschreitende Geschichte gegenübersteht, übernimmt aus der jüdischen Theologie den Gedanken, dass die Geschichtszeit nicht irreversibel ist und das Hernach das Zuvor verändern kann. Es sei die Aufgabe des Eingedenkens, schreibt Benjamin, 'zu retten, was gescheitert ist'."

Erläutert Stéphane Mosès. Deshalb enden die Thesen "Über den Begriff der Geschichte" nicht mit dem Denkbild des "Angelus Novus", nicht mit dem Blick auf den vom Sturm des Fortschritts unaufhaltsam in die Zukunft fortgerissenen Engel der Geschichte, sondern die letzte These schließt mit den Worten:

"Bekanntlich war es den Juden untersagt, der Zukunft nachzuforschen. Die Thora und das Gebet unterweisen sie dagegen im Eingedenken. Den Juden wurde die Zukunft aber darum doch nicht zur homogenen und leeren Zeit. Denn in ihr war jede Sekunde die kleine Pforte, durch die der Messias treten konnte."

Die letzte Wandlung des "Angelus Novus"

Sich selbst jedoch hat Benjamin aus der Katastrophe, die über Europa und seine Menschen hinwegfegte, nicht retten können. Die geschichtsphilosophischen Thesen stellen das letzte schriftliche Zeugnis von ihm dar. Als im Juni 1940 die Niederlage der französischen Armee unmittelbar bevorsteht, flieht er aus Paris in den Süden Frankreichs. Anfang August schreibt er – seine lebensbedrohliche Lage deutlich vor Augen – an Theodor W. Adorno nach New York:

"Mein lieber Teddie,
die völlige Ungewissheit über das, was der nächste Tag, was die nächste Stunde bringt, beherrscht seit vielen Wochen meine Existenz. Ich bin verurteilt, jede Zeitung wie eine an mich ergangene Zustellung zu lesen und aus jeder Radiosendung die Stimme des Unglücksboten herauszuhören."

Dies ist die letzte Verwandlung des "Angelus Novus". Jetzt in einen Boten, der nur noch von drohendem Unheil zu künden vermag. In der Nacht vom 26. auf den 27. November 1940 nimmt sich Benjamin nach einem missglückten Versuch, illegal über die Pyrenäen nach Spanien zu gelangen, im spanischen Grenzort Port-Bou das Leben. Das Bild des Engels hatte er kurz vor seiner Flucht in einem Koffer zusammen mit einem Konvolut von Manuskripten dem mit ihm befreundeten Philosophen Georges Bataille übergeben. Diesem gelingt es, den Koffer bis nach dem Krieg in der Bibliothèque National zu verstecken und so vor dem Untergang zu retten.

Heute befindet sich der "Angelus Novus" im Israel-Museum in Jerusalem. Sein Freund Gershom Scholem, dem Benjamin bereits 1932 in einem Testament das Bild vermacht hatte, verfügte wiederum, dass es nach seinem Tod als Schenkung dem Jerusalemer Museum übergeben wird. Dort hängt seit Ende der 1980er Jahre Benjamins Engel der Geschichte. Sein schreckensstarrer Blick mahnt nach wie vor daran, dass die Dinge in der Welt immer noch so geschehen, wie sie geschehen.

"Es gibt ein Bild von Klee, das Angelus Novus heißt. Ein Engel ist darauf dargestellt, der aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen, und seine Flügel sind aufgespannt. Der Engel der Geschichte muss so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert."

 

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