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Wanka teilt Schavans bildungspolitische Ziele

Erwartungen an die neue Bundesbildungsministerin

Von Jürgen König, Kulturkorrespondent im Hauptstadtstudio

Neue Bundesministerin für Bildung und Forschung: Johanna Wanka
Neue Bundesministerin für Bildung und Forschung: Johanna Wanka (picture alliance / dpa / Anja Mia Neumann)

Als Bundespräsident Gauck ihr die Entlassungsurkunde überreichte, wirkte Annette Schavan gefasst und beherzt – die Kanzlerin dagegen, die den Rücktritt Frau Schavans nur "sehr schweren Herzens" angenommen hatte, schaute – wie schon am Samstag – betreten drein.

Wahrlich – das Ausscheiden Annette Schavans aus der Bundesregierung: Es geht ihr nahe. dabei wird sie auch sehen, dass sie - ausgerechnet durch die für die CDU verlorene Niedersachsen-Wahl - großes Glück im Unglück hat. Denn mit Johanna Wanka steht nun eine Nachfolgerin Schavans zur Verfügung, wie sie - aus Sicht der Kanzlerin - geeigneter nicht sein könnte. Naturwissenschaftlerin wie sie, durch Mauerfall und Wiedervereinigung politisiert wie sie, mit Annette Schavan befreundet wie sie - man kennt sich, man mag sich – mehr Einigkeit geht kaum.

Angesichts der turbulenten letzten Wochen ist das auch für Bildung und Wissenschaft eine zumindest beruhigende Lösung: Nach sechs Jahren als Hochschulrektorin und zwölf Jahren als Bildungsministerin in Ost- und Westdeutschland bringt Johanna Wanka viel Erfahrung mitbringt. Sie überblickt den gesamten Hochschulbereich, ist gut vernetzt. Viel Einarbeitungszeit wird sie nicht brauchen.

Zu erwarten ist: dass sich nicht viel ändern wird. Johanna Wanka teilt die zentralen bildungspolitischen Ziele Annette Schavans. Konzentration auf die Forschungsförderung und die internationale Sichtbarkeit der deutschen Wissenschaft; Elitenförderung ist ihr wichtig. Die Exzellenzinitiative hatte sie als Vorsitzende der Kultusministerkonferenz gemeinsam mit Annette Schavan 2005 auf den Weg gebracht.

Dass sie bei aller Begabtenförderung will, dass jeder einzelne Schüler und Student, wie sie heute sagte, maximale Chancen bekommen, dass jedes Talent sich entwickeln können müsse, wird kein Lippenbekenntnis sein, allein: Die Studentenverbände, die seit Langem fordern, der Bund solle weniger auf Exzellenz-, sondern auf Breitenförderung setzen, solle anstelle des Deutschlandstipendiums lieber die BAföG-Sätze erhöhen, werden es ihr nicht abnehmen.

Dass sie mehr sein will als nur der verlängerte Arm Annette Schavans, ließ Johanna Wanka bei ihrem heutigen Auftritt vor der Presse nicht erkennen. Wenn sie auch als Pragmatikerin bekannt ist, steht doch nicht zu erwarten, dass sie einer Lockerung des Kooperationsverbotes auch zugunsten der Schulen zustimmen wird – wie es die Opposition verlangt, um einer Grundgesetzänderung im Bundesrat zuzustimmen. Sehr deutlich hatte Johanna Wanka stets auf die Bildungshoheit der Länder gepocht, sich für einen Bildungsstaatsvertrag der Länder stark gemacht.

Und wenn sie auch das Thema Studiengebühren, die sie vehement befürwortet, schon einmal bundeseinheitlich geregelt sehen wollte, wird sie im Bundestagswahlkampf angesichts der überwiegend ablehnenden Haltung der Bevölkerung hier sicher nicht initiativ werden. Wie sie mit dem Hochschulpakt umgehen wird, dessen Aufstockung durch den Bund um bis zu 3,4 Milliarden Euro sie als Landesministerin forderte - darauf darf man gespannt sein.

Als Rednerin, die die Massen begeistert, ist Johanna Wanka bisher nicht wirklich aufgefallen – für Wahlkampfzeiten taugt sie nur bedingt. So weit reicht das Glück im Unglück für die Kanzlerin denn doch nicht.

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