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StartseiteThemen der WocheWarme Zukunft28.09.2013

Warme Zukunft

Was der Weltklimareport über die Erde verrät

Was für eine Schlagzeile: Der Klimawandel geht ungefähr so weiter, wie die Wissenschaft es schon früher erwartet hatte – nur wissen wir es jetzt noch ein bisschen genauer. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Mensch der entscheidende Faktor bei der Erwärmung der Erdatmosphäre ist, liegt nicht mehr nur bei mindestens 90 Prozent, sondern bei über 95 Prozent.

Von Georg Ehring, Deutschlandfunk

Blick auf ein chinesisches Kohlekraftwerk in der Nähe von Peking. (picture alliance / dpa - How Hwee Young)
Blick auf ein chinesisches Kohlekraftwerk in der Nähe von Peking. (picture alliance / dpa - How Hwee Young)

Die Forschung der vergangenen sechs Jahre hat zusätzliche Daten geliefert und noch bestehende Unsicherheiten beseitigt. Der Meeresspiegel steigt etwas schneller als bisher vermutet und die Verlangsamung der Erderwärmung seit der Jahrhundertwende wird wohl nicht von Dauer sein.

Der vierte Sachstandsbericht des IPCC wirkte im Jahr 2007 wie ein Weckruf, der fünfte wirkt heute wie ein alter Bekannter. Auch, wenn die Schlagzeile das Zeug zum Ladenhüter hat: Der Bericht des Weltklimarates gehört zu den wichtigsten Ereignissen des Jahres. Denn er führt wieder einmal drastisch vor Augen, was zu leicht in Vergessenheit gerät: Er zeigt, wohin die Reise geht, wenn die Welt nicht endlich die Bremse zieht und den Ausstoß von Treibhausgasen wie Kohlendioxid zu einer vorrangigen Aufgabe der gesamten Staatengemeinschaft macht. Eher früher als später werden wieder Temperaturrekorde gebrochen, werden Hitzewellen und Überschwemmungen für Aufsehen sorgen – und viele Menschen das Leben kosten.

Das Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, ist nur noch mit einer enormen Anstrengung und zu gewaltigen Kosten zu erreichen, doch es wurde nicht zufällig gewählt: Jenseits dieser Marke drohen Kipp-Punkte im Klima – das vollständige Abschmelzen des grönländischen Eisschildes etwa, das den Meeresspiegel langfristig um rund sieben Meter steigen lassen würde. Je länger wir warten, desto teurer wird es – auch das ist nicht neu, ebenso die Tatsache, dass die notwendigen Konsequenzen ausbleiben. International verbindlicher Klimaschutz ist 16 Jahre nach Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls kaum das Papier wert, auf dem er vereinbart wird – gerade einmal 15 Prozent des weltweiten Ausstoßes von Treibhausgasen werden heute noch vom Kyoto-Protokoll erfasst, dem einzigen international verbindlichen Abkommen zum Klimaschutz.

Und bisher spricht wenig dafür, dass die Staatengemeinschaft tatsächlich wie vereinbart in zwei Jahren ein wirklich weltweites Klimaschutz-Abkommen zustande bringt. Die Europäische Union und speziell Deutschland waren einmal die rühmliche Ausnahme im Klimaschutz, doch diese Zeit neigt sich dem Ende zu. Die EU hat ihre Ziele bis zum Jahr 2020 praktisch schon heute erreicht und schafft es nicht, mit neuen Ambitionen nachzulegen. Und in Deutschland steht bei der Energiewende die Diskussion über Strompreise im Vordergrund – ein wichtiges Thema, natürlich. Doch dabei nehmen wir es hin, dass seit Neuestem der CO2-Ausstoß Deutschlands wieder gestiegen ist – umweltschädliche Braunkohle hat Konjunktur, sie ist ja so billig. Trübe Aussichten also?

Nicht ganz: Hoffnung kommt ausgerechnet aus der Wirtschaft, sonst immer als Bremser beim Klimaschutz bekannt. Die Erneuerbaren Energien sind dabei, zum Selbstläufer zu werden. Vor allem die Windkraft, aber auch die Solarenergie wird an guten Standorten billiger als Stromerzeugung aus Kohle. Schwellenländer wissen das inzwischen zu schätzen – China ist die Nummer eins weltweit bei Investitionen in diese Energiequellen.

Wenn Deutschland jetzt bei den Erneuerbaren auf die Bremse tritt, ist das nur noch dumm – der Abstieg der fossilen Energiequellen ist auch aus wirtschaftlichen Gründen nicht aufzuhalten. Der Weltklimarat hat gestern nur den ersten Teil seines Sachstandsberichtes vorgelegt – die physikalische Basis, die Grundlagen zum Verständnis des Klimawandels. Die Zusammenfassung für Entscheidungsträger hat gerade einmal 36 Seiten einschließlich Grafiken am Schluss. Das ist kurz genug, um von den Mitgliedern der neuen Bundesregierung zur Kenntnis genommen zu werden. Gut, dass gerade Wahlen waren und die Energie- und Klimapolitik mit neuen Mehrheiten weitergeführt werden kann. Bei aller Notwendigkeit, die Strompreise in Grenzen zu halten – die Energiewende braucht keine Bremse, sondern neuen Schwung – damit Deutschland seine Klimaziele erreicht. Und die Bundesregierung braucht eine Klimakanzlerin, die sich dieses Titels nicht mehr schämt.

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