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StartseiteForschung aktuellWarnung für CO2-Emittenten19.11.2009

Warnung für CO2-Emittenten

Natürliche Kohlenstoff-Senken zeigen Leistungsschwäche

Umwelt. - Mehr als die Hälfte des menschgemachten Kohlendioxids wird von den Weltmeeren und der Biosphäre wieder geschluckt. Doch diese beiden sogenannten Kohlenstoffsenken zeigen deutlichen Schwächesignale. In der jüngsten "Nature" gehen Wissenschaftler in die Details.

Von Volker Mrasek

Die CO2-Aufnahmefähigkeit der Meere sinkt. (Monika Seynsche)
Die CO2-Aufnahmefähigkeit der Meere sinkt. (Monika Seynsche)

Nach den neuen Studienergebnissen hätten die Weltmeere eigentlich eine Belobigung verdient. Seit etwa 1950 haben sie ihre CO2-Aufnahme deutlich gesteigert. Heute bunkern sie fast 150 Milliarden Tonnen zusätzlichen Kohlenstoff. Er stammt aus der Verbrennung fossiler Energieträger und anderen menschlichen oder anthropogenen Aktivitäten. Jedes Jahr kommen weitere 2,3 Milliarden Tonnen hinzu. Der Inder Samar Khatiwala, Ozeanograph an der Columbia University in den USA und einer der Autoren der neuen Klimastudie im Fachmagazin "Nature":

"Um diese Zahlen etwas anschaulicher zu machen: Die 2,3 Milliarden Tonnen entsprechen ungefähr einem Viertel der jährlichen anthropogenen CO2-Emissionen. Und zu den im Ozean gespeicherten 150 Milliarden Tonnen Kohlenstoff kann man sagen: Entließe man sie wieder in die Atmosphäre, würde der CO2-Gehalt der Luft um rund 20 Prozent steigen. Dann wäre die kritische Schwelle für einen gefährlichen Klimawandel bereits überschritten. Ohne den Ozean hätten wir also schon heute ernste Probleme."

Die zweite große CO2-Senke auf dem Globus ist die Land-Vegetation. Vor allem Wälder binden große Mengen Kohlenstoff in ihrer Biomasse. Mit dem Speichervermögen des Ozeans können sie allerdings nicht konkurrieren. Khatiwala:

"Wie wir zeigen können, nimmt das Land jedes Jahr 1,1 Milliarden Tonnen Kohlenstoff auf – etwa halb so viel wie der Ozean. Dabei ist die Land-Vegetation überhaupt erst in den 40er Jahren zu einer Kohlenstoff-Senke geworden. Davor war sie eine Quelle für CO2. Das liegt daran, daß damals so viel Wald abgeholzt wurde. Heute wachsen an vielen Stellen, an denen es Rodungen gab, wieder Bäume und holen sich den Kohlenstoff wieder aus der Atmosphäre."

Wie stark Ozean und Land-Vegetation die Atmosphäre gemeinsam entlasten, dazu legt auch das Globale Kohlenstoff-Projekt jetzt aktuelle Daten für das Jahr 2008 vor. Der spanische Ökologe Pep Canadell ist Direktor dieser internationalen Forschungsinitiative:

"Die natürlichen Kohlenstoff-Senken haben ihre Aufnahmekapazität dramatisch gesteigert. Je mehr CO2 wir in die Atmosphäre pusten, desto mehr nehmen Pflanzen und Ozean auf. Nach unseren Berechnungen schlucken sie 57 Prozent der anthropogenen Emissionen."

Das aber, betont Canadell, sei nur ein Durchschnittswert für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die jüngsten Daten zeigten, daß die Kohlenstoff-Senken nunmehr an die Grenzen ihrer Belastbarkeit stießen:

"Das hat damit zu tun, daß die Emissionen seit einigen Jahren so rasant steigen. Die natürlichen Senken können da nicht mehr mithalten. Nach unseren Daten arbeiten sie heute nicht mehr so effizient wie früher."

Auch die neue Studie von Samar Khatiwala und seinen Kollegen in den USA bestätigt diese Entwicklung. Demnach ist der Anteil der CO2-Emissionen, der in den Senken verschwindet, seit dem Jahr 2000 gesunken. Und zwar um rund zehn Prozent. Es ist das Meer, das zu schwächeln beginnt. Und hier vor allem der Südliche Ozean, der besonders viel CO2 schluckt. Die Physikerin Corinne Le Quéré, auch sie führende Forscherin im Globalen Kohlenstoff-Projekt:

"Zum Einen löst sich weniger CO2 in Wasser, wenn es wärmer wird. Zum anderen verändert sich die Meereszirkulation. Der Südliche Ozean wird stärker durchmischt, weil es windiger geworden ist. Dadurch kommt mehr kohlenstoffreiches Tiefenwasser nach oben, so daß der Ozean an seiner Oberfläche nicht mehr so viel CO2 aufnehmen kann."

Dieser Erschöpfungstrend werde sich fortsetzen, warnen die Forscher. Es sei denn, die Weltgemeinschaft fahre ihre CO2-Emissionen drastisch zurück.

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