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StartseiteUmwelt und VerbraucherJagen, vergiften oder vertreiben17.04.2014

Was hilft gegen Wildkaninchen? Jagen, vergiften oder vertreiben

Wildkaninchen können auf einem Beet in kürzester Zeit Tabula rasa machen. Ein Problem, das neben vielen Hobbygärtnern auch Verantwortliche für kommunale Grünflächen umtreibt. Es gibt unterschiedliche Methoden, den Nagern den Appetit zu verderben. Was wirklich hilft, macht Mühe und ist nicht ganz preisgünstig.

Von Claudia Ullrich-Schiwon

Ein junges europäisches Wildkaninchen (picture alliance / dpa / Hinrich Bäsemann)
Flauschig und gefräßig: Ein junges europäisches Wildkaninchen (picture alliance / dpa / Hinrich Bäsemann)

"Von Bellies hatte ich fünf bis sechs Stück gekauft und hatte sie in Blumentöpfe, die einen halben Meter hoch sind gepflanzt und am nächsten morgen, sehe ich beim Frühstück raus, und ein Karnickel, circa 50 Zentimeter groß, sitzt auf diesem Trog und hat meine ganzen Bellies aufgefressen, ratze putz."

Auf dem Gesicht der Hobbygärtnerin spiegelt sich eine Mischung aus Ärger, Verzweiflung und Hilflosigkeit. Nicht nur die Bellies mussten dran glauben, auch der Sommerphlox, Hornveilchen und Stiefmütterchen, die in dem Garten mit altem Baumbestand die bunten Tupfer sein sollen. Jedoch: Um die Tiere zu vertreiben, würde sie nie zu drastischen Mitteln greifen.

"Also dass man Karnickel erschießt, das täte ich nicht, auch nicht vergiften."

Im Kreislehrgarten im westfälischen Steinfurt werden die Wildkaninchen dagegen bejagt. Man werde der Plage sonst nicht Herr, sagen die Verantwortlichen. Vor allem die diesjährigen ungewöhnlich warmen Frühlingstemperaturen nach einem Winter, der keiner war, haben zu einer frühen hohen Population geführt. Und da Wildkaninchen sich pro Jahr bis zu sechsmal vermehren, muss man jetzt rechtzeitig Maßnahmen ergreifen, sagt Münsters Stadtförster Hans-Ulrich Menke.

Im Kampf gegen die Wildtiere auf öffentlichen Grünflächen kommen in der Stadt jetzt Frettchen, ein natürlicher Feind der Kaninchen, in den verzweigten Tunnelbauten zum Einsatz. Aber auch Falken und Wüstenbussarde sind saisonale Mitarbeiter der Förster. Für den Hobbygärtner keine Alternative. Eisbegonien mögen die Mümmelmänner auch nicht, fällt dem Förster noch ein. Aber wer will die jetzt im Frühjahr im Garten haben?

Es geht auch ohne Blutvergießen

Unblutige und ungiftige Lösungen sind sogenannte Vergrämungsmittel, die in Gartenzentren angeboten werden. Das sind Streugranulate auf der Basis ätherischer Öle. Lavendelduft ist zum Beispiel ein Graus für feine Kaninchennasen. Frank Lübbering vom Gartencenter Münsterland:

"Das sind etwas dickere Pellets, hat den Vorteil, dass sie entsprechend bei starkem Regenschauern nicht so schnell auswaschen wie so feines kleines Granulat. Das ist sehr gut wirksam, man kommt relativ weit mit 10 bis 15 laufenden Metern, und das ist eine ganz hervorragende Geschichte."

Ein Kilo dieses Kaninchen-Stopps kostet knappe neun Euro. Wer lieber ein feineres Tongranulat bevorzugt, wird in der Abteilung auch fündig. Gute Tipps auch von der Gärtnerin Erika Matsack:

"Es gibt einen Naturdünger, den kann man ein bisschen auf die Blätter geben und da ist ein Hornmehl mit drin und die meisten Vegetarier mögen das nicht. Das kann man einfach so ein bisschen drüber pudern, wie Puderzucker, dass sich das so ein bisschen auf die Blätter legt und wenn die Kaninchen dran beißen, schmeckt es bitter und ist gleichzeitig auch ein Dünger für die Pflanzen."

Und wenn es nicht Bellies, Stiefmütterchen oder Veilchen sein müssen, dann ist alles Zwiebelige eine Alternative.

"Also allgemein kann man Zwiebelblumen pflanzen, in der Regel schleimen die, wenn die Hasen dran beißen, schmecken bitter und dann lassen sie die in Frieden."

Frieden vor den Plagegeistern hat man in jedem Fall mit einem Maschendrahtzaun. Thomas Hövelmann, Diplombiologe beim NABU, hat auch beruflich mit Wildkaninchen zu tun. Grundsätzlich sei gegen die Bejagung nichts einzuwenden, aber der Zaun ist für Umweltschützer und Hobbygärtner Hövelmann das Mittel der Wahl. Er weiß, wovon er spricht, denn er beackert eine Parzelle in einer Gartenanlage.

"Kaninchen können relativ tief graben. Das heißt, der Zaun muss schon bis zu einem halben Meter tief in den Boden versenkt werden. Und der ganze Garten muss absolut lückenlos dicht sein, sonst finden die Kaninchen garantiert die Lücke."

Der Maschendrahtzaun ist das wirksamste, jedoch nicht das preisgünstigste Mittel. Je nach Größe des Gartens werden dafür schnell ein paar hundert Euro fällig.

 

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