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StartseiteCampus & KarriereWas unterscheidet eine Partei von einem Schokoriegel?27.04.2004

Was unterscheidet eine Partei von einem Schokoriegel?

Kongress über "Politik als Marke“

<strong> Man nehme acht fitte Politologie-Studenten, einen Seminarraum plus Professor und schon geht’s los: Briefe schreiben, Saal mieten, Experten einladen, Internetauftritt basteln und fertig ist ein Kongress. Und was für einer! Mehr als 400 Studenten, Wissenschaftler und Journalisten kamen am Montag in Berlin zur Veranstaltung "Politik als Marke" – ein Kongress über die mediale Inszenierung von Parteien und Prominenten.</strong>

Sie machen "Politik als Marke" (Politik als Marke)
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Politik als Marke

Ich bin ganz sicher: Niemals lag es in der Berechnung von Gerhard Schröder, dass er als Brioni-Kanzler in die Geschichte eingehen würde. Vor allem deshalb, weil der arme Kerl noch nie einen Brioni-Mantel besessen hat. Aber das Ding hat sich verselbstständigt. Umgekehrt kann man sagen, es gibt keinen Politiker, der so sympathisch ist in der öffentlichen Wahrnehmung wie Joschka Fischer. Ich persönlich habe noch nie einen Politiker kennen gelernt wie Joschka Fischer. Also er kann furchtbar sein.

Giovanni di Lorenzo, der Chefredakteur des Berliner Tagesspiegels über Politiker als Marke – auf einer Podiumsdiskussion mit mehr als 400 Gästen. Ob Bundesjustizministerin Brigitte Zypries, Medienberater Michael Spreng oder Fernseh-Moderatorin Sandra Maischberger – die Politik-Studenten der Freien Universität Berlin hatten für ihre Tagung jede Menge Promis "aufgefahren", die bereit waren, Tacheles zu reden.

Wir hatten sehr viel Erfolg, mehr als wir dachten, die Resonanz ist großartig, die Teilnehmer sind zufrieden, die Referenten sind überrascht, was Studenten auf die Reihe bringen, und man hat gesehen, dass auch Studenten, wo man immer sagt: na ja, mehr als studieren können sie nicht 16 Semester lang, dass auch wir Studenten wirklich was auf die Beine gebracht haben. Das denke ich, ist auf jeden Fall gelungen.

Für Anna Pfletschinger begann alles in einem Uni-Seminar. Die 24jährige diskutierte mit ihren Kommilitonen über den letzten FDP-Bundestagswahlkampf, genauer: ob die Partei eine Spaßpartei geworden ist.

Ich denke, 18 Prozent auf der Schuhsohle und das rasende Guidomobil das ist jedem im Gedächtnis geblieben vom Wahlkampf und das war ein Ausgangspunkt für uns zu sagen: ist das überhaupt noch Politik oder ist das ein Schokoriegel, der da verkauft wird?

Die Idee: Laden wir doch die Wahlkampf-Macher a l l e r Parteien aus dem Jahr 2002 ein und lassen sie ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern. Und los gings, Referenten anklingeln.

Am Anfang, als das Konzept noch nicht stand, war das Interesse groß, aber niemand wollte sich festlegen, weil man nicht wusste, ist es einer von diesen Studi-Kongressen, wo dann ein bisschen diskutiert wird und dadurch haben wir uns noch mehr anstrengen müssen, haben das Konzept verändert und der Erfolg war eben, dass die Referenten nach und nach zugesagt haben.

Ich find gut, dass ich auch immer wieder die Möglichkeit habe, ja mit dieser Altersgruppe im Gespräch zu sein, weil das sind ganz wichtige Sensoren für künftige Entwicklungen auf diesem Feld und deswegen lerne ich auch selber dabei, wenn ich hier bin.

Sagte sich etwa Matthias Machnig, der SPD-Wahlkampf-Guru. Und als dann auch noch Michael Spreng vom Ex-Stoiber-Team zusagte, wollten auch die anderen Referenten nicht fehlen. Ergebnis: Eine perfekt durchgestylte Konferenz mit Hochglanz-Pressemappen und Profi-Catering im noblen Tagungs-Forum des Deutschen Beamtenbundes in Berlin-Mitte. Einigen Besuchern, gerade den zahlreichen Mitstudenten, war das dann ein bisschen zuviel des Guten.

Ich finds sogar schade, dass man nicht gemerkt hat, dass es von Studenten organisiert war, weil hier alle in Anzug-Fraktion vertreten sind. Man muss es ja eigentlich nicht verheimlichen, dass man noch studiert.

Dieses ganze extrem overdresste und sehr feine kommt mir ein bisschen übertrieben vor/ Andererseits ist es so professionell, es hat auch Vorteile, wenn man kein Improvisationszeug hat.

Also unterm Strich superpositiv und räumt auch ganz angenehm mit diesem typischen studentischen Klischee auf, es wäre immer alles unorganisiert, improvisiert, irgendwie luschig, sondern auch Politikstudenten sind in der Lage irgendwas halbwegs vernünftig und stringent zu organisieren.

Ist eine Partei nun wie ein Schokoriegel? Darauf gab`s keine endgültige Antwort. Aber die Politik-Studenten wollen am Thema dran bleiben.

Ich denke dieser Kongress war auf jeden Fall die beste Berufsvorbereitung, denn ich möchte auch in die Wahlkampfberatung gehen und ich halte es auch für besser als jedes Praktikum. Denn beim Praktikum hat man zwar ein tolles Zeugnis, aber man kann letztendlich auch Kaffe gekocht haben. Und bei einem solchen Projekt weiß jeder Arbeitgeber: die Leute haben wirklich was geschafft und ich hoffe, dass einer meiner zukünftiger Arbeitgeber auf einem der Podien saß.

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