• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
Seit 08:50 Uhr Presseschau
StartseiteThemen der WocheWashington ist schon seit Langem auf Asien fixiert19.11.2011

Washington ist schon seit Langem auf Asien fixiert

Die Asien-Strategie der USA

Nein, die USA haben nicht plötzlich Asien und den pazifischen Raum entdeckt, den sie nun erobern wollen. Und nochmals Nein, die USA wenden sich nicht über Nacht von Europa ab und dem weiten Osten zu. Das, was jetzt als neue amerikanische Asien-Politik etikettiert wird, ist im Kern vor allem der Versuch, verlorenes Terrain wieder gut zu machen.

Von Markus Ziener, Handelsblatt

China ist größter Käufer amerikanischer Staatsanleihen. (picture alliance / dpa ( Friso Gentsch))
China ist größter Käufer amerikanischer Staatsanleihen. (picture alliance / dpa ( Friso Gentsch))

Ein volles Jahrzehnt haben sich die USA mit Terror und Krieg beschäftigt, haben ihre Ressourcen in den Irak und nach Afghanistan gelenkt und auf das Krisenmanagement im Mittleren Osten verwendet. US-Präsident Barack Obama hat deshalb mit seiner Asien-Reise diese Woche nun nur das nachgeholt, was über Jahre versäumt wurde. Und versäumt wurde viel. Im Windschatten der Krisen hat sich China im gesamten südasiatischen Raum ausgebreitet. Als ökonomische Macht hat es zu Nachbarn Abhängigkeiten geschaffen und Standards gesetzt. Und als militärische Kraft hat es schleichend seine Spielräume im südchinesischen Meer erweitert. Washington hat diese Entwicklungen wohl gesehen, sich aber weitgehend aufs Zuschauen beschränkt. Mehr noch: Mit Peking als größtem Käufer amerikanischer Staatsanleihen haben sich die USA sogar selbst in direkte Abhängigkeit zu China begeben. Peking hat diese Machtstellung ausgenutzt: Jedes Mal, wenn amerikanische Unterhändler auf Reformen drängten, darauf, dass die Manipulationen am chinesischen Wechselkurs ein Ende haben müssten oder die massenhaften Urheberrechtsverletzungen, zuckten die chinesischen Gesprächspartner nur mit den Achseln. Sie konnten es sich leisten. Das soll nun, Schritt für Schritt, anders werden.

Ökonomisch mit der Bildung der Transpazifischen Partnerschaft, einer Freihandelszone, der neben den USA derzeit acht andere amerikanische und asiatische Staaten angehören. Sollten dem jetzigen Verbund noch Japan, Kanada und Mexiko beitreten, dann hätte diese Allianz tatsächlich das wirtschaftliche Potenzial, die Gewichte in der Region zu verschieben. Dabei spielt den USA in die Hände, dass vor allem in Japan ein Umdenken stattgefunden hat. Lange Zeit wehrte sich Tokio gegen den Freihandel mit den USA, weil es fürchtete, von amerikanischen Landwirtschaftsprodukten überschwemmt zu werden. Doch zum einen gilt dieses Argument heute so nicht mehr, weil Japan ohnehin viel mehr Agrarerzeugnisse als früher importiert. Mehr noch aber hat die Regierung in Tokio die Tatsache alarmiert, dass die USA vor Kurzem mit Korea ein Freihandelsabkommen geschlossen haben. Von Zoll- und Tarifschranken befreit könnte der koreanische Konkurrent in den USA nun jene Märkte besetzen, die bislang Japan beherrschte.

Sicherheitspolitisch setzt Washington mit der Stationierung zusätzlicher Truppen in Australien ein militärisches Signal. Und auch das soll vor allem in Peking als Stoppmarkierung zur Kenntnis genommen werden. Denn Washington bessert auch auf diesem Gebiet nach, was in der Vergangenheit aufgegeben, verschlafen oder eben versäumt wurde. Bis in die 90er-Jahre hinein waren die USA im pazifischen Raum und in Südostasien massiv präsent. Als Teil der Friedensdividende nach Ende des Kalten Krieges wurden jedoch viele Stützpunkte kassiert. Mit dem Aufstieg Chinas hat sich die sicherheitspolitische Lage jedoch schon längst wieder gewandelt. Und Europa? Das sollte vom neuen amerikanischen Blick auf Asien nicht überrascht sein. Washington ist schon seit Langem auf Asien fixiert, manche glauben gar von Asien besessen: von den Wachstumsraten dort, dem Fleiß der Menschen und den großen Chancen. Asien erinnert die Amerikaner daran, wie es früher in den USA war. Das fasziniert sie und macht sie gleichzeitig neidisch. Das meiste Geld verdienen die USA aber noch immer im Geschäft mit Europa. Und das wird für eine ganze Weile auch noch so bleiben.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk