• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 15:05 Uhr Corso - Kultur nach 3
StartseiteForschung aktuellWasser, Wind und Blitze01.09.2009

Wasser, Wind und Blitze

Forschungsplattform soll Windparks untersuchen

Technologie.- Sie steht quasi mitten im Meer, 80 Kilometer westlich von Sylt: die Forschungsplattform "Fino 3". Das Großprojekt soll Wissenschaftler über die Auswirkungen von Offshore-Windparks auf die Natur informieren.

Von Tomma Schröder

Die Fino-Plattform misst Umweltveränderungen auf hoher See.  (Germanischer Lloyd)
Die Fino-Plattform misst Umweltveränderungen auf hoher See. (Germanischer Lloyd)

Rote und gelbe Männchen wuseln um den kleinen Helikopter auf dem Husumer Flughafen. Eingepackt in überdimensionale One-size-Überlebensanzüge, wollen die Journalisten und die geladene Polit-Prominenz den Flug auf die Forschungsplattform "FINO 3" wagen. Ein nicht ganz ungefährliches Unterfangen:

"Dann möchte ich Sie bitten, auf dem Heli-Deck ein bisschen vorsichtig zu sein, weil dort relativ viel Möwenkot liegt. Das heißt, es kann rutschig sein."

Jan Bachmann, der Projektleiter von "Fino 3" hat heute seinen großen Tag: Die Forschungsplattform für Offshore-Windparks wird nach drei Jahren Bau- und Entwicklungszeit endlich eingeweiht. Das Wetter allerdings zeigt sich noch nicht in Festtagsstimmung. Und so macht sich auch Pilot Christian Baudorf auf alle Eventualitäten gefasst.

"Das Wetter draußen ist ein bisschen schlechter als hier, wird vielleicht mal regnen zwischendurch. Wenn’s ganz schlecht kommen sollte, dann werden wir in Sylt zwischenlanden und da mal gucken, wie’s sich entwickelt. Nur dass sich keiner wundert, wenn auf einmal 'Sylt' dran steht und nicht 'Fino 3'."

Sylt wird dann aber doch einfach rechts liegen gelassen. Und nach einer knappen Stunde im grauen Allerlei von Himmel und Nordsee ist sie tatsächlich zu sehen. Winzig sieht sie aus, die 120 Meter hohe und 600 Tonnen schwere Forschungsplattform – hier, mitten in der Nordsee, 80 Kilometer vom Festland entfernt. Doch Christian Baudorf verscheucht zielsicher die Möwen und landet auf dem kleinen Heli-Deck.

Vom dort aus führt eine kleine Treppe auf das Plattformdeck. Vier blaue Container sind dort aufgestellt. Einer für den zehn Kubikmeter großen Diesel-Tank, einer für die vier Generatoren - die die Plattform mit Strom versorgen - einer für Werkzeug und einen Schreibtisch. Der wichtigste aber ist der große Container ganz hinten links, weiß Matthias Burghoff, Techniker bei "Fino 3":

"Das ist hier der Messgeräte-Container. Hier sieht man in den verschiedenen Schaltschränken die ganzen Messgeräte der Institute. In der Regel werden die Daten gesammelt und per Satellit auf eine Landstation gebracht, von der aus sich die Wissenschaftler ihre Daten abholen können."

Und Daten werden hier zukünftig in rauen Mengen produziert. Wind, Wellen, Blitze, Vögel, Strömung, die Schwingung der Plattform, die Struktur des Bodens um das Fundament - all das wird genau gemessen und aufgezeichnet. Dazu wurden unzählige Kameras, Windmesser, Vibrationsfühler, Strömungsmesser und Radaranlagen installiert. Neben den Blitzmessungen, die in dieser Weise offshore noch nie vorgenommen wurden, ist es vor allem die Plattform selbst, die neue Ergebnisse erwarten lässt. Denn erstmals wird hier über lange Zeit untersucht, wie und ob sich der Boden um den einzigen Stützpfahl herum verändert. Projektleiter Jan Bachmann:

"Das Besondere an der Plattform selber ist der Monopile. Das heißt, ein einziger Pfahl von 70 Metern Länge trägt letztendlich die Plattform, die Container, Helideck und den immerhin noch mal 100 Meter hohen Messmast, und das ist letztendlich eine sehr günstige Gründungsstruktur."

Und eine schaukelige dazu. Denn die Plattform schwingt im Rhythmus der großen Wellen. Im Container fühlt sich das beinahe so an, als würde ein Schiff in einer ruhigen Bucht vor Anker liegen. Das scheint auch die angereiste politische Prominenz ein wenig zu verwirren. Dem schleswig-holsteinischen Wirtschaftsminister Jörn Biel wird zur Einweihung aber doch noch etwas Besseres zugeflüstert als die "Handbreit Wasser unterm Kiel":

"Aber wir können ja wünschen, dass sie wie ein Fels in der Brandung stehen bleibt."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk