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StartseiteUmwelt und VerbraucherWasserknappheit in Deutschland17.07.2006

Wasserknappheit in Deutschland

Einige Regionen in Deutschland spüren bereits die Folgen des Sommers

Viel ist in diesen Wochen von der Trockenheit und den Wasserproblemen in Spanien die Rede. Aber auch in Deutschland gibt es Regionen, die inzwischen unter den geringen Niederschlägen leiden. So ächzen zum Beispiel mittlerweile einige Gebiete in Rheinland-Pfalz unter einer ausgeprägten Dürre, die allerdings nicht nur auf den heißen Sommer zurückzuführen ist.

Von Anke Petermann

Nach dem heißen Sommer 2003 waren die Buchen hierzulande ganz besonders schlecht dran. (WSL)
Nach dem heißen Sommer 2003 waren die Buchen hierzulande ganz besonders schlecht dran. (WSL)

Ausflug an den Altrhein nördlich von Ludwigshafen. Heinz Schlapkohl steigt die Böschung zu einer riesigen Schlickfläche hinunter, und blickt durch die Rohrkolben. Den stellvertretenden Landesvorsitzenden des BUND Rheinland-Pfalz beschleicht das Gefühl, zu einer Beerdigung unterwegs zu sein. Ein Gewässer wird zu Grabe getragen:

"Hier sehen wir den hinteren Roxheimer Altrhein in einem grausamen Zustand. So wenig Wasser wie er heute hat, habe ich, glaube ich, noch nie im Altrhein gesehen. Letztes Jahr im September war hier ja das große Fischsterben, anschließend das große Vogelsterben an Botulismus. Heuer - also in diesem Jahr - ist der Wasserspiegel eigentlich noch früher abgesunken. Das heißt, er hat sich im Winter überhaupt nicht erholt. Das ist ja eines der Grundprobleme unserer Wasserversorgung hier, dass die Winterniederschläge zu gering geworden sind."

Ein Blick durchs Fernglas zeigt: die Schlammwüste lebt.

"Wir sehen jetzt hier Tiere auf der Nahrungssuche: ganz viele Reiher, 20, 30, 40 Graureiher, die irgendwas aus dem Schlamm picken. Zuerst haben sie die kleinen Fische, die restlichen, die vielleicht noch drin sind, rausgeholt. Aber es sind auch Lachmöwen da, die finden vielleicht Würmer, die im Schlamm sind. Und dann sehen wir Kiebitze - das ist ja auch eine gefährdete Tierart, die laut der Europäischen Vogelschutzrichtlinie zu beachten ist. Und die sind da, und finden hier offensichtlich auch ein Nahrungshabitat."

Noch, muss man wohl sagen. Denn schon bevor der Wasserspiegel ab 2003 massiv zurückging, starb der Schilfgürtel ab - Brutplatz für seltene Vögel. Ein Biotop, das nach der europäischen "Flora-Fauna-Habitat"-Richtlinie besonders geschützt sein sollte, verschwindet. Die Klimaveränderung und menschliche Eingriffe in den Wasserhaushalt vor Ort, beschleunigen das natürliche Verlanden des stehenden Flachgewässers.

Weil die Zuströme durch Düngemitteleinsatz im Gemüseanbau der Vorderpfalz zu stark nitratbelastet waren, trennten die Behörden sie vom Altrhein-Arm ab. Auch anderswo führt die Überdüngung der Böden zu Wasserknappheit. Erwin Manz, Geschäftsführer des BUND Rheinland-Pfalz, erklärt den Zusammenhang zwischen zu hoher Nitratbelastung des Grundwassers in Agrarregionen und Wasserknappheit in benachbarten Mittelgebirgen:

"Man kann in vielen landwirtschaftlichen Gebieten kein Trinkwasser gewinnen, deshalb geht man in die randlichen Mittelgebirgslagen und entnimmt das dort. Da aber die Grundwasserneubildung geringer geworden ist, droht das eine Übernutzung in diesen Waldgebieten zu sein. Am Soonwald kann man diese Übernutzung deutlich erkennen, da er ohnehin ein sehr niederschlagsarmes Mittelgebirge ist, und man solche Defizite da am ehesten feststellen kann."

Feuchtwiesen trocknen aus, Quellen versiegen, Moore fallen trocken, Erlen stehen plötzlich auf Stelzen. Bei sinkenden Niederschlägen infolge der Klimaveränderung kann der Soonwald die steigende Trinkwasserförderung nicht mehr ausgleichen. Das riesige Waldgebiet, am Rand des Hunsrücks, droht seine Funktion als Wasserspeicher zu verlieren. Auch die Niederung am Flüsschen Queich in der Südpfalz trocknet aus, Bruchwälder sterben ab, Bäche fallen trocken.

Nicht weit davon werden Gemüsefelder aus acht Brunnen beregnet, in sengender Mittagshitze, bei höchster Verdunstung. Zahlen müssen die Landwirte nur den Gebührenbescheid und den Diesel für die Pumpen, das Wasser selbst ist kostenlos:

"In Einzelfällen muss hinterfragt werden, ob es überhaupt Genehmigungen gibt. Auch die Höhe der Genehmigung muss hinterfragt werden. Aber besonders bedenklich ist, dass man feststellt, dass zum Teil Wasseruhren kaputt sind, dass Behörden überhaupt nicht kontrollieren, ob genehmigte Mengen auch wirklich eingehalten werden."

Behörden personell so auszustatten, dass sie wirkungsvoll kontrollieren können, fordert der BUND. Und ein umfangreiches Monitoring, das neben dem Bodenwasserhaushalt auch die Auswirkungen von Wasserentnahme auf Vegetation und Tierwelt einbezieht:

"Wichtig ist, dass Wasserentnahmen sehr genau beobachtet, notfalls auch begrenzt werden. Und dann ist ganz wichtig, dass weiter Wasser gespart wird. Selbst in der Bevölkerung gibt es noch Einsparpotenziale, aber auch die Industrie und Landwirtschaft muss man sich da genau unter die Lupe nehmen. Letztendlich führt nichts daran vorbei, dass Wasser teurer werden muss, also wir fordern schon eine Grundwasserabgabe."

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