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StartseiteForschung aktuellEin vielleicht unterschätztes Problem 15.02.2016

Wassermangel Ein vielleicht unterschätztes Problem

Nach bisherigen Schätzungen leiden zwei bis drei Milliarden Menschen unter den Folgen starker Wasserknappheit. Niederländische Hydrologen haben jetzt eine Studie vorgelegt, die besagt, dass das Problem einen deutlich größeren Anteil der Weltbevölkerung betrifft.

Von Volker Mrasek

Eine Bewässerungsanlage auf einem Feld  (picture alliance/dpa-Zentralbild - Matthias Tödt)
Die niederländischen Forscher plädieren für eine nachhaltigere Wassernutzung. Vor allem die Landwirtschaft müsse lernen, sparsamer mit der Ressource umzugehen. (picture alliance/dpa-Zentralbild - Matthias Tödt)
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Nicht nur zwei bis drei, sondern vier Milliarden Menschen leiden unter großer Wasserknappheit. Das ist mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung. Zu diesem Ergebnis kommen die niederländischen Hydrologen in ihrer Studie.

Das Neue daran: Die Forscher haben sich Monats- und nicht bloß Jahresmittelwerte angeschaut wie bisher üblich. Da wurde abgeschätzt, wie groß der jährliche Wasserbedarf in einer bestimmten Region ist. Und um wie viel er die Menge übersteigt, die Gewässer und Niederschläge pro Jahr liefern. Das greife aber zu kurz, sagt Arjen Hoekstra, Professor für Wassermanagement an der Universität Twente:

"Abschätzungen für das ganze Jahr berücksichtigen keine vorübergehenden Schwankungen in der Wasserverfügbarkeit. Zu einem bestimmten Zeitpunkt im Jahr hat man Dürren und zu einem anderen Überschwemmungen. Um Wasserknappheit verlässlich abschätzen zu können, muss man sie deshalb auf einer monatlichen Basis untersuchen."

Genau das hat Hoekstras Arbeitsgruppe getan, in einer aufwendigen Modellstudie am Computer. Dafür wurde die Erde in Gitterboxen unterteilt, mit einer maximalen Größe von 60 mal 60 Kilometern. In jeder von ihnen simulierten die Forscher die monatlichen Niederschlags- und Abflussmengen der Flüsse, ferner die Größe der Bevölkerung, die Landnutzungsform und den Wasserbedarf, der sich daraus ergibt.

Das Ergebnis: Es sind vier Milliarden Menschen, die mindestens einen Monat im Jahr unter ernsthafter Wasserknappheit leiden. Zwei bis drei Milliarden erleben das sogar vier bis sechs Monate lang. Ihren Wasserbedarf können die Betroffenen in dieser Zeit bestenfalls zur Hälfte decken. 

"Menschen, die am stärksten unter Wassermangel leiden, leben in Mexiko, im Westen der USA, in Nord- und Südafrika, im Nahen Osten, in Indien, China und Australien. Das sind die Regionen, die auch zuvor schon als kritisch galten. Unsere Studien zeigen jetzt aber, dass die betroffenen Gebiete wesentlich größer sind, als wir bisher geglaubt haben."

Trockene Regionen werden noch trockener

Die Hot Spots der Wasserknappheit sind also dieselben geblieben. Nur haben sie sich ausgedehnt. Am härtesten trifft es dabei Asien. Allein die Hälfte der vier Milliarden Menschen in Wassernot lebt nach den Daten der Forscher in Indien und China. Doch ändert sich durch die neue Abschätzung etwas? Ja, sagt Arjen Hoekstra. Sie zeige, dass das Problem ernster sei als gedacht. In einer Situation, die sowieso immer kritischer werde:

"Der Wasserbedarf wird immer größer. Weil die Weltbevölkerung wächst, weil mehr Nahrungsmittel angebaut und mehr Felder bewässert werden müssen. Weil der Verbrauch von Fleisch und die Produktion von Bio-Kraftstoffen zunehmen. Auf der anderen Seite sorgt der Klimawandel dafür, das trockene Regionen noch trockener werden."

Die Forscher plädieren deshalb für eine nachhaltigere Wassernutzung. Vor allem die Landwirtschaft müsse lernen, sparsamer mit der Ressource umzugehen. Aber auch die Industrie sei gefragt. So könnten Unternehmen ermitteln, wie viel Wasser bei der Herstellung ihrer Produkte verbraucht wird - um dann nach Wegen zu suchen, um ihn zu verringern. Das, so Hoekstra, sei in vielen Fällen möglich:

"Wann ist der Wasserverbrauch für ein Produkt maßvoll? Das könnte man bestimmen und Firmen sich dann Reduktionsziele setzen. Da ist eine Menge Einsparpotenzial! Große Konzerne wie Unilever, Nestlé und Coca-Cola interessieren sich inzwischen für den Wasserverbrauch in ihren Versorgungsketten. Und beginnen zu begreifen, dass er oft nicht angemessen ist."

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