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StartseiteSonntagsspaziergang Weg der Karawanen und Krieger23.09.2012

Weg der Karawanen und Krieger

Entlang der Georgischen Heerstraße zwischen Großem Kaukasus und Tbilisi

Schon in der Antike durchquerte ein Karawanenweg den "wilden Kaukasus" von Nord nach Süd. Seit 200 Jahren verbindet er als Grusinische Herrstraße das kleine Georgien mit dem großen Nachbarn Russland - eine nicht immer einfache Verbindung.

Von Brigitte Baetz und Sabine Lipka

Denkmal oder Mahnmal: Dieses Panorama aus Sowjetzeiten erinnert an 200 Jahre russisch-georgische Freundschaft. (Deutschlandradio - Sabine Lipka)
Denkmal oder Mahnmal: Dieses Panorama aus Sowjetzeiten erinnert an 200 Jahre russisch-georgische Freundschaft. (Deutschlandradio - Sabine Lipka)

"So, endlich mal ein bisschen Schatten. Jetzt machen wir mal kleine Pause und dann gehen wir dann weiter zu dem Dorf da oben. Und das hier ist das zweithöchste Dorf Europas und heißt Djuta. 2170 Meter hoch."

Mittagspause bei einem Wanderausflug mitten im Kaukasus. Tiefe Täler und Schluchten und mittendrin: die georgische Heerstraße. Die Sonne brennt, aber ein kräftiger Wind lässt uns nicht vergessen, dass wir uns in einem Gebirge befinden, dem gerne das Attribut wild beigefügt wird. Der "wilde Kaukasus": In der Vorstellung europäischer Reisender ist und war diese Gegend immer unberechenbar, schwer zugänglich, von Dutzenden unterschiedlicher Völker und Volksstämme bewohnt: Swanen, Chewschuren, Inguschen und Alanen, um nur wenige zu nennen. Namen, die in bei uns kaum jemand kennt. Einige davon waren als Wegelagerer gefürchtet.

Doch davon merken wir auf unserer Reise entlang der alten Georgischen Heerstraße nichts mehr. Schon seit mindestens 2000 Jahren ziehen hier Menschen durch das Gebirge, sei es als Soldaten, sei es als Händler. Der griechische Geograf Strabon beschreibt im ersten Jahrhundert nach Christus einen Karawanenweg, der vom Norden des Großen Kaukasus in den Orient führte. Später im 18. Jh. machten die Russen daraus eine Militärstraße, die Grusinische Heerstraße. Heute verbindet die Heerstraße das kleine Georgien mit dem großen Nachbarn Russland. Eine nicht ganz einfache Verbindung, doch dazu später mehr.

Wir sind unterwegs mit Georg, unserem georgischen Reiseführer. Mit ihm bereisen wir die Alte Heerstraße von Tiflis bis an die russische Grenze, nicht ohne uns die Zeit für verschiedene Wanderungen zu nehmen. Georg, er heißt wirklich so, hat 15 Jahre in Deutschland gelebt. Und sich einen sprachmächtigen Weggenossen zu suchen, ist nicht verkehrt in einer Gegend, deren Landessprache sich weder vom Lateinischen noch Germanischen und auch nicht vom Slawischen ableiten lässt und deren Schrift wir nicht lesen können.

Schließlich möchten wir doch möglichst viel über die Geschichte dieses kulturträchtigen Landes erfahren. Und, da wir schon mal in Georgien sind, einem Land, das für seine Küche weltberühmt ist, wollen wir natürlich auch wissen, was sich hinter den gelben, roten, blauen und orangefarbenen, leicht durchsichtigen Platten verbirgt, die wie Pergament zusammengerollt, an den Straßenständen feilgeboten werden.

An einer alten Poststation, an der früher die Pferde für die Reise ausgewechselt wurden, herrscht auch heute reger Verkehr. Ein Mann brät für die hungrigen Reisenden Schaschlik und die Fahrer der Reisebusse lassen die Motoren ungeniert laufen, bis ihre Gäste die üblichen Panoramafotos geschossen oder sich Wasser aus einer Bergquelle gezapft haben. Hier fragen wir an einem der zahlreichen Marktstände nach:

Georg: "Das sind so Fruchtrollen. Das ist geriebene Frucht. Aufgekocht und dann gerieben und dann wird das so aufgetragen auf so Plastikfolie und wenn das trocknet, dann ist das dann so. Das ist jetzt wahrscheinlich Pflaume und Apfel, alles."

Und was mögen die glänzend braunen länglichen Stangen sein, die da von den Ständen herunterhängen und aussehen wie prall gefüllte kandierte Strümpfe?

"Und die andere, das sind Tschurtschchelas. Das ist dann auch georgische Spezialität. Die Walnüsse sieht man da auch, hier auf dem Faden. Und die Masse darum, das ist Traubensaft mit Weizenmehl zusammen gekocht. Und da wird das mit der Zeit, so lange kochen, dann wird das dickflüssig und dann wird da wie eine Kerze da eingetunkt und da sind alle Nährstoffe drin, was der Körper braucht. Zucker - also Traubensaft, Kohlehydrate - Weizenmehl – und Fett in der Nuss. Vorher hat man das auch im Krieg mitgenommen. Weil das kompakt war, geht nicht kaputt, mit der Zeit wird das nur leckerer und hat viel Energie drin."

Viel Energie? Und süß? Das wird gekauft! Zwei Lari, das ist umgerechnet ungefähr ein Euro!

Georg: "Proviant haben wir."

Sabine: "Falls uns in den Bergen was zustößt, kann nix passieren."

Georg: "Also, das Einzige, was in Georgien wirklich unmöglich ist, ist verhungern. So bitte, bedient Euch."

Eine Reise auf der georgischen Heerstraße beginnt aber natürlich nicht mitten in den Bergen des Kaukasus, sondern traditionell in Tbilisi, Tiflis, der Hauptstadt Georgiens. Die lebenslustige Metropole am Ufer des Mtkvari ist eindeutig südländisch geprägt. "Die Stadt, die dich liebt", so nennen die Georgier ihr Tbilisi. Doch ihre wundervollen Jugendstilhäuser, die berühmten Schwefelbäder, die malerischen Gassen und die vielen Kirchen wären ein eigenes Kapitel für sich.

Für uns ist Tbilisi heute nur Ausgangspunkt. Und deshalb folgen wir mit dem Auto dem Mtkvari ein Stück Richtung Norden und machen uns auf in die Berge. Auf gut geteerter und asphaltierter Straße erreichen wir nach vielen Windungen den ersten Höhepunkt der Reise, Dshwari, die "Heilig-Kreuz-Kirche", mit dem ältesten Kreuzkuppelbau Georgiens. Erbaut wurde sie Ende des 6. Jahrhunderts auf dem malerischen Vorsprung eines Bergrückens. Ein Solitär weithin sichtbar für den Reisenden, ein Symbol für das georgische Christentum.

Georg: "Das große Problem war natürlich damals, dass vom Quadrat unten in den Kreis überzugehen und vor allem das Gewicht von Kuppeln zu berechnen. Und das haben sie hier sehr elegant gelöst. Steht hier seit 1400 Jahren."

Mit diesem kompakten und in seiner perfekten Schlichtheit eindrucksvollen Bauwerk bekommen wir einen ersten Einblick in die Schönheit alter georgischer Kirchen. Das kleine Gotteshaus aus Sandstein erinnert in seiner Schnörkellosigkeit von außen an eine romanische Kirche und in ihrem teils unbehauenen Inneren an Zeugnisse des Urchristentums.

Doch auch außerhalb der Kirche gibt es Beeindruckendes: Wir haben einen prächtigen Blick auf die mittelalterliche Hauptstadt des Landes: Mzcheta. Strategisch perfekt gelegen auf einer flachen Ebene, gut geschützt von drei Seiten – den Flüssen Mtkvari, und Aragwi - und den Bergen. Eine Stadt, nicht nur als Handelszentrum bedeutend:

Georg: "Also in religiöser Hinsicht ist die Stadt noch wichtiger. Für Georgien ist Mzcheta eigentlich so wie für alle Christen dann Jerusalem, die heiligste Stadt."

Was wenige wissen: Georgien ist nach Armenien das älteste christliche Land Europas.

"Wie die Legende sagt, war ein Jude aus Mzcheta, Elias, bei der Kreuzigung Jesu anwesend. Er kaufte einem Soldaten das Gewand des Erlösers ab und brachte es nach Georgien. Seine Schwester Sidonia drückte das Gewand an sich, starb und gab es nicht mehr frei. Sie wurde mit dem Gewand beerdigt und aus dem Grab wuchs eine Zeder."

Diese Zeder spielte dann im frühen 4. Jahrhundert wieder eine Rolle. Als die Heilige Nino, eine Syrerin, zunächst die Königin und dann den König von Georgien bekehrt hatte, wurde eine Kirche errichtet. Einer der Holzstämme, die das Dach des Gebäudes tragen sollten, sollte die besagte Zeder werden.

"Doch der Stamm wollte sich nicht der Bearbeitung fügen. Nino fiel nieder und betete und bat Gott um Hilfe. Ein Engel erschien und hob die Arme und auch der Stamm stellte sich auf und an den für ihn vorgesehenen Platz."

Swetizchoweli, Leben spendende Säule, so heißt die Kathedrale heute. Für die orthodoxen Christen ist sie nationales Heiligtum und Pilgerstätte in Einem. Bei einem Rundgang um das Gotteshaus fällt auf: Die Reliefs sind an georgischen Kirchen sind fast immer ornamental. Statuen findet man hier nicht. So werden zum Beispiel die zwölf Apostel als stilisierte Pfauenfedern dargestellt. Nur der Lebensbaum und das Kreuz aus Weinreben sowie Cherubime sind an den Fassade der Kirchen immer wieder zu finden. Die Klosterschüler und Priester, die uns in Swetiszchoweli begegnen, strahlen Lebensfreude und innere Ruhe aus. Überhaupt scheint sich die Frömmigkeit und Religiosität der Georgier aus einem lebensbejahenden Quell zu speisen. Eine geistige Kraft, die auch im 21. Jahrhundert an Einfluss nicht abzunehmen scheint.

Georg: "Wenn man in die katholische Kirche reingeht, dann ist in der Mitte ein Kreuz, das ist die Kreuzigung, ist ein zentrales Motiv, das Leiden von Christus, wie er für uns gelitten hat. In der georgisch-orthodoxen Kirche ist die Auferstehung das zentrale Motiv, Christus ist gekreuzigt worden, um wieder auferstehen zu können."

Eine große Gläubigkeit und das Immer-wieder-Aufstehen-Können sind bis heute Grundzüge der georgischen Mentalität. Notwendige Eigenschaften vielleicht in einem Land, durch das über Jahrhunderte hinweg Soldaten fremder Länder zogen: Römer, Perser, Byzantiner, Mongolen, Araber, Russen.

Ein Beispiel für das historische Nebeneinander von Gewalt und Religiosität findet sich auf der nächsten Etappe unserer Fahrt, eine gute Wegstrecke nördlich der Kathedrale von Swetizschoweli – malerisch gelegen oberhalb des Jinwali-Stausees: die Festung Ananuri aus dem 17. Jahrhundert.

Von hier aus konnte man das ganze Tal kontrollieren. Der eindrucksvolle Wehrturm, sechs Stockwerke hoch, zeugt davon. Keiner der Fürsten, die hier herrschten, ist jemals eines natürlichen Todes gestorben, so wird erzählt.

Georg: "Die Geschichte ging ganz traurig aus: Der Fürst ist dann so frech geworden und der wollte, natürlich wie alle Menschen wahrscheinlich, immer mehr Geld haben und immer mehr Macht haben. Und hat irgendwann mal seinen Nachbarfürst angegriffen in Südostossetien und muss da auch alle umgebracht haben, soll seine Frau vergewaltigt haben, ob das so stimmt. Er hat sich natürlich gerächt und ist hierher mit bezahlten Leuten aus Nordkaukasus, Tschetschenien und Inguschen und hat die Festung angegriffen und alle haben, dort die ganze Familie von ihm in den Turm eingeschlossen und angezündet."

Doch trotz, oder vielleicht wegen dieser grausamen Geschichte, verfügt die Festung Ananuri sogar über zwei Kirchen. Und während unser Reiseleiter Georg noch erläutert, wie die Kirche Maria Himmelfahrt 1829 zum Besuch von Zar Nikolaus I. frisch gekalkt wurde, zieht eine sonntägliche Prozession um die Kirche herum.

Mehrere Männer ziehen voran, können die schwere Ikone kaum tragen. Der Bischof, ein alter Herr mit weißem Bart, wirkt besonders ehrwürdig mit seiner goldenen Mitra. Er besprengt die Umstehenden mit Weihrauch. Ihm folgen die Gläubigen, die Frauen die Haare traditionell mit einem Kopftuch bedeckt und in langen Röcken, Kinder, junge und alte Männer, Mönche mit langen Bärten. An einer kleinen Anhöhe knien sie nieder und wieder einmal mehr kommt uns der Gedanke an urchristliche Rituale in den Sinn.

Doch der Kaukasus hat noch mehr zu bieten außer beeindruckenden Kirchen und einer auch Ungläubigen ans Herz gehenden Religiosität: eine im Wortsinn sagenhafte Natur.

Über grüne, hochalpine Matten, auf denen gelbe Azaleen und blauer Enzian leuchten erreichen wir den berühmten Kreuzpass auf 2395 Meter Höhe. Den Pass haben schon Alexandre Dumas und Alexander Puschkin eindrücklich beschrieben. Der Name leitet sich von einem hölzernen Kreuz ab, das erstmals 1803 hier oben errichtet wurde. Die Landschaft ist eindrucksvoll, aber immer noch nicht so wild, wie der Name Kaukasus andeutet. Doch der 5047 Meter hohe Kasbeg, der berühmteste Berg der Gegend, ist schon in der Ferne zu erkennen. An ihm, so geht die Sage, war Prometheus angeschmiedet, weil er den Menschen das Feuer brachte.

Allerdings: Kasbeg, das klingt so gar nicht georgisch

Georg: "Also, Kasbek heißt auf georgisch Mqinwarzweri oder einfach Mqinwar. Das Wort Mqinwar bedeutet eisig, also wo ewig Eis ist und Zweri ist dann Spitze, also eisige Spitzen. Aber da Mqinwarzweri für manche Leute ziemlich schwer ist auszusprechen, ist aus Mqinwarzweri ganz schnell Kasbek geworden. Das ist ein Pseudonym von einem Schriftsteller, der Alexander Kasbek, der mit normalem Nachname ganz anders heißt - Mqinwarzweri - das war dann wieder kompliziert, dann hat er Pseudonym gewählt: Kasbek. Nach diesem Pseudonym wurde dann der Ort dann wieder, der jetzt wieder alte Namen hat und heißt Stepanzminda, wurde dann Kasbek genannt und dementsprechend dann auch der Berg als Kasbek bezeichnet."

Zu Tisch bei Luisa in Stepanzminda (Deutschlandradio - Sabine Lipka)Zu Tisch bei Luisa in Stepanzminda. (Deutschlandradio - Sabine Lipka)Anders als der Berg trägt der Ort Stepanzminda allerdings wieder seinen alten Namen, seitdem Georgien nicht mehr Teil der Sowjetunion ist: St. Stephan. Ein einfaches, etwas staubiges Städtchen, in dem die Kühe im Vorgarten des Museums grasen und immer wieder ein Hahn kräht. In dieser auf 1.700 Meter gelegenen kleinen Ortschaft übernachten wir bei Luisa, einer Meisterin der georgischen Küche und ehemalige Lehrerin für Physik und Mathematik. Nur mit dem Englischen sagt Luisa, da hapert es.

Luisa, einfaches Hauskleid und Schürze darüber, zeigt uns stolz ihr Gästebuch.

Einfach und schön, so ist es in Georgien! Und aufregend!
Denn schon erwartet uns ein neuer Höhepunkt: eine Wanderung nach Zminda Sameba: der Heiligen Dreifaltigkeitskirche auf dem Kwemi Mta, 2170 Meter hoch gelegen.

Knapp vier Stunden geht es an Wasserläufen entlang, durch kleine Kiefernwäldchen und an weiten Wiesen vorbei, auf denen noch nach alter Väter Sitte das Heu mit der Sense gemäht wird. Immer wieder sehen wir wilde Pferde und freilaufende Kühe. Und unsere größte Belohnung: vor der Kulisse des Kasbeg thront, von scharfem Wind umtost, die Dreifaltigkeitskirche, in großer Kraftanstrengung erbaut im 14. Jahrhundert von den Bewohnern des Dorfes Gergeti und Mithelfern aus den Nachbartälern.

Georg: "Sie wollten eine Kirche bauen als Zeichen von Frieden und Einheit. Aber sobald es darum ging, wo die Kirche gebaut werden soll, dann war das natürlich Schluss mit Frieden und gab's große Streit, nein, da muss es gebaut werden, nein, bei uns, da ist es viel schöner. Dann kam ein alter Mann, das nennt man hier 'Schluchtältester'. Also, Ältester heißt auch, dass die viel Erfahrung haben in ihrem Leben und hat gesagt: Wir machen das jetzt anders. Wir legen unten, wo weißer und schwarzer Arag ist, wo weiße und schwarze Flüsse zusammen kommen, ein Kalbschulter hin. Da kommt ein Adler und wo der Adler diese Schulter aufisst, da wird auch die Kirche gebaut."

In all der beeindruckenden Einsamkeit kann man sich gut vorstellen, wie die Wiesen sich mit Menschen füllen, wenn jährlich am 28. August die Einwohner von Stepanzminda, Gergeti und alle, die von dort abstammen, sich aufmachen, um zu ihrer Kirche zu wallfahren.

Doch unsere Reise ist noch nicht zu Ende. Wir wandern zurück nach Stepanzminda und fahren weiter auf der Georgischen Heerstraße, in die sagenumwobene Darjal-Schlucht. Sie war einst der wichtigste Weg von Norden nach Georgien und ist so schmal, dass nur wenige Soldaten nötig waren, um den Zugang zu verteidigen.

Über buchstäblich Stock und Stein rumpeln wir Richtung Eingang zur Unterwelt, den die alten Griechen hier verorteten. Hier wird der Kaukasus nun endlich so dunkel und teilweise beklemmend, wie wir es von Anfang an erwartet hatten. Wir müssen das Auto stehen lassen und wandern auf engen Wegen am Terek entlang bis zu einem Wasserfall. Das Tor zur Unterwelt liegt leider nicht mehr auf georgischem, sondern auf russischem Territorium. Und das ist für Georgier seit 2008 nur noch in Ausnahmefällen zu erreichen.

Die russisch-georgischen Beziehungen sind angespannt. Bis heute betrachten die nördlichen Nachbarn das kleine Georgien, das so groß ist wie Bayern, als ihr Einflussgebiet. Das wird uns noch einmal klar auf unserer Rückfahrt die Georgische Heerstraße entlang. Hinter dem Kreuzpass ragt vor beeindruckender Bergkulisse ein Bauwerk hervor, ein riesiges mit überlebensgroßen Bildern bemaltes halbrundes Panorama, das nicht sofort eingeordnet werden kann. Aber was ist es?

Georg: "Ich sag mal jetzt: Es ist 1983 gebaut worden. 200. Jahrestag von russisch-georgischer Freundschaft. Es ist als Denkmal gedacht worden, heute könnte man auch Mahnmal dazu sagen."

Ein Relikt aus der Zeit einer erzwungenen Gemeinschaft in der Sowjetunion, die auch ein gebürtiger Georgier, nämlich Joseph Stalin, zu verantworten hatte.

"Da sieht man links eine georgische Kirche und rechts eine russische Kirche. Die Worte, die da stehen, das ist von Shota Rustaveli, auf Georgisch und auf Russisch, aus dem Epos "Der Recke im Tigerfell" und übersetzt würde das heißen, dass ein Freund für einen Freund sollte immer, immer da sein, das Herz für sein Herz geben und die Liebe als Brücke unter die Füße legen. Das haben die Russen auch immer gemacht."

Georgs ironische Worte bleiben uns noch im Ohr, während wir die Heerstraße entlang zurück nach Tbilisi fahren, die Stadt, die die Russen Tiflis nennen.

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