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StartseiteCampus & KarriereWeg mit der Frauenquote19.01.2010

Weg mit der Frauenquote

Schweden rudert zurück

Gedacht war das Gesetz mal ganz anders, nämlich zur Minderheiten- und Frauenförderung. Seit 2003 gibt es an schwedischen Universitäten die "Könskvotering", übersetzt "Geschlechterquote", eingeführt wurde sie von der damaligen sozialdemokratischen Regierung.

Von Albrecht Breitschuh

Das Gesetz habe nicht unbedingt der Gleichstellung gedient, so das Argument.  (AP)
Das Gesetz habe nicht unbedingt der Gleichstellung gedient, so das Argument. (AP)

Das angestrebte Ziel wurde glatt verfehlt, gut sieben Jahre später sind es vor allem Frauen, denen die Quote zum Verhängnis wird. Von denen, die aufgrund ihres Geschlechtes keinen Studienplatz erhalten haben, so Schwedens Hochschul- und Forschungsminister Tobias Krantz, seien 95 Prozent weiblich. Deshalb will die bürgerliche Regierung das Gesetz noch in diesem Jahr abschaffen, so Krantz:

"Die Gleichstellung wird dadurch an den Hochschulen nicht gefördert, erreicht wird das Gegenteil. Und Leidtragende sind vor allem studienmotivierte junge Frauen."

Vor allem, wenn sie sich für Studiengänge entscheiden, die bei Frauen besonders begehrt sind: in Schweden sind das unter anderem Psychologie und Medizin. Hier geht müssen angehenden Studentinnen oft in die Warteschleife, obwohl sie deutlich bessere Noten als die männlichen Bewerber haben, denen aber die Quote entgegenkommt. Ein schwedisches Gericht hatte kürzlich zugunsten von 44 jungen Frauen entschieden, die gegen die Verwehrung eines Studienplatzes aufgrund ihres Geschlechts geklagt hatten.

Die Regierung hatte das Urteil begrüßt, sieht sich in ihrem Standpunkt bestätigt, Studienplätze nicht nach ideologischen Vorgaben zu verteilen. Bei der Besetzung von Professorenstellen, habe die sogenannte positive Diskriminierung von unterrepräsentierten Ethnien oder eben Geschlechtern kaum Wirkung gezeigt, sagt Ake Hermansson von der Universität in Linköping:

"Schaut man sich die Grundausbildung an den Hochschulen an, gibt es eine starke weibliche Dominanz. Aber bei den Professorenstellen liegt der Frauenanteil nur bei 12 Prozent, die positive Diskriminierung wirkt sich für Frauen also gar nicht positiv aus. Ich halte das auch nicht für ein geeignetes Mittel."

Unter Schwedens Studenten hat die angekündigte Abschaffung der Minderheitenförderung keine große Aufregung ausgelöst. Auf dem Campus der Stockholmer Universität fand sich kaum jemand, der von dem Gesetz und seiner geplanten Abschaffung wusste und wenn, dann hielt sich die Empörung darüber in ganz engen Grenzen:

"Ich möchte nicht, dass mich jemand nach meinem Geschlecht beurteilt","

sagt diese Studentin, und ihr Kommilitone ergänzt:

""Ich finde, man sollte die zum Studium zulassen, die am besten dafür geeignet sind. Geschlecht, Hautfarbe oder ethnischer Hintergrund sollten keine Rolle spielen."

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