• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
Seit 00:05 Uhr Lange Nacht
StartseiteCampus & KarriereWeihnachten an der Uni21.12.2010

Weihnachten an der Uni

Wenn das Zuhause weit weg im Ausland ist

An Weihnachten reisen viele Studierende nach Hause. Für manche Studierende aus dem Ausland ist das wegen der Kosten schwierig. Wir besuchen zwei Studierende, die Weihnachten an der Uni Konstanz feiern.

Von Thomas Wagner

Ein Weihnachtsbaum steht in einem Wohnzimmer (Stock.XCHNG / Dan Shirley)
Ein Weihnachtsbaum steht in einem Wohnzimmer (Stock.XCHNG / Dan Shirley)

Für Dan Beseda, Mitte 20, ist es das erste Mal, dass er Weihnachten nicht mit seinen Eltern und seinen Geschwistern feiert. Doch in seiner Heimatstadt Prag war er erst vor ein paar Tagen. Ein weiteres Flugticket über die Feiertage ist da nicht drin. Macht aber nichts.

"Ich denke, diese Weihnachten bleibe ich in Konstanz. Und in meiner WG machen wir eine Party mit anderen Studenten aus dem Erasmus-Programm, also ausländischen Studenten."

Und das hat für Dan Beseda, der seit rund einem halben Jahr an der Uni Konstanz "internationale Beziehungen" studiert, seinen eigenen Reiz:

"Als ich ein kleiner Junge war, habe ich mich immer auf Weihnachten gefreut. Aber jetzt ist es eher langweilig für mich. Es ist ja auch sehr kommerziell geworden. Ich möchte mit anderen Leuten mit anderen 'Habits', mit anderen Gewohnheiten zusammen sei. Wir haben Leute von Indien zum Beispiel dabei, für die es ja ursprünglich kein Weihnachten gibt."

Auch Iyou Ahmad feiert am kommenden Wochenende Weihnachten in Konstanz, fernab von seiner Heimat. Iyou Ahmad kommt aus Syrien, ist Moslem. Seit einem halben Jahr studiert er in Konstanz Sportwissenschaften. Die Planung für Heiligabend steht bereits.

"Wir haben eine Party. Wir sind vier. Wir möchten zusammen machen, zusammen kochen ..."

Ob Iyou Ahmad es schafft, ein typisch syrisches Neujahrsgericht an Heiligabend zu zaubern, weiß er noch nicht. Er sei kein so guter Hobbykoch, behauptet er von sich selbst. Ein klassisches Gericht wäre Köpe.

"Köpe – das ist Weizen mit Fleisch und Gemüse. Und wir haben noch ein paar andere Sachen mit Reis und Gemüse auch. Und wir haben auch Salat. Aber das ist ein Spezialsalat. Das nennen wir 'Tabule'. Das ist Salat, aber mit Weizen. Normalerweise wir machen das in Neujahr, wenn wir Neujahrsparty haben."

In Dan Besedas Studi-WG kommt an Heiligabend etwas völlig anderes auf den Tisch – möglicherweise ein tschechisches Weihnachtsgericht.

"Typisches tschechisches Essen ist Fisch. Ein Fisch wie ein Schnitzel. Paniert mit Kartoffelsalat und Suppe. Normalerweise Fischsuppe. Und dann wir kochen diese kleine Weihnachtssüßigkeit. Das ist ein typisches tschechisches Weihnachtsessen."

So wird Heiligabend in der Studenten-WG zu einem Austausch von Traditionen und Essgewohnheiten zwischen unterschiedlichen Kulturen. Manche mögen über die Tradition des Geschenkekaufens staunen. In Syrien gibt es so etwas nicht. Iyou Ahmadwill deshalb kurz vor Weihnachten losziehen, um für diejenigen, mit denen er feiert, etwas zu kaufen. Und vor dem vorweihnachtlichen Einkaufsstress ist es dem Studenten aus Syrien auf keinen Fall bange – im Gegenteil:

"Ich denke, dieser Stress ist doch das Schöne an diesen Tagen. Ohne diesen Stress wären dies ganz normale Tage. Ich denke, wenn wir in dieser Atmosphäre einkaufen, ist das etwas sehr Schönes."

Iyou Ahmad scheint den Weihnachtsfeiertagen erwartungsroh entgegen zu blicken, gerade als Moslem.

""In meinem Land ist mein bester Freund Christ. Und ich habe Christmas mit meinem Freund bereits im letzten Jahr gefeiert. Das ist normal für mich. Und meine Freunde feiern mit auch, wenn ich meine Muslim-Feier habe. Das ist normal."

Die meisten ausländischen Studierenden an der Uni Konstanz, die über Weihnachten nicht nach Hause fahren, halten es so wie Dan Beseda und Iyou Ahmad: Sie organisieren sich mit anderen ihre Heiligabend-Party selbstständig. Ein spezielles Patenprogramm, bei dem betroffene Studierende an Heiligabend bei Professoren und Studenten unterkamen, wurde in den vergangenen Jahren mangels Bedarf eingestellt. Lediglich die katholische Studentengemeinde organisiert am Freitagabend eine Feier speziell für ausländische Studierende. Die wollen, egal, ob Muslim oder Christ, aber auf ein wichtiges Relikt nicht verzichten. Dan Beseda und Iyou Ahmad:

"Weihnachtsbaum ... ? Ja, ich möchte einen kleinen, nur einen kleinen kaufen. Ich weiß nicht, wie viel der kostet. Wenn er nicht zu teuer ist, dann werden wir einen kaufen. "

""Wir haben auch in Syrien Christmas-trees, Weihnachtsbäume. Aber wir haben das am 30. Dezember im neuen Jahr, nicht an Weihnachten. Also das ist nicht neu für mich."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk