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StartseiteInformationen am MorgenViel Lärm für den Frieden24.12.2014

Weihnachten in BethlehemViel Lärm für den Frieden

"Viele Menschen, viel Lärm", das sei für sie Weihnachten, erzählt eine junge Palästinenserin aus Ramallah, deren Spielmannszug zum Auftakt der Festtage traditionell in Bethlehem auftritt. Ein lautes Weihnachtsfest soll es werden, das für ein paar Stunden den Nahostkonflikt übertönen soll.

Von Torsten Teichmann

Ein palästinensischer Junge verkauft Weihnachtsmützen auf dem Manger Platz vor der Geburtskirche Jesu in Bethlehem.  (imago/UPI Photo)
Während der Weihnachtstage merken ausländische Besucher wenig vom Nahostkonflikt in Bethlehem: Doch in den vergangenen Wochen waren es vor allem junge Palästinenser, die dort der Auseinandersetzung mit den Israelis nicht mehr ausgewichen sind. (imago/UPI Photo)
Weiterführende Information

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Taleen trifft den Ton nicht. Die junge Palästinenserin musiziert in einem Spielmannszug der Pfadfinder in Ramallah, im Westjordanland. Ihr Instrument ist ein Dudelsack. Taleen übt noch spät abends mit Freunden für ihren Auftritt in Bethlehem – für Weihnachten. Es wird laut:

"Wir in den arabischen Ländern freuen uns, wir tanzen, wir haben Spaß an Menschenmengen, an lebendigen Geräuschen. Viele Menschen, viel Lärm. Das ist für uns Weihnachten. Wir werden nicht still und ruhig."

Mehr Weihnachten gab es nie in Bethlehem

Taleen und hunderte palästinensische Musiker begleiten traditionell den Einzug des lateinischen Patriarchen Fouad Twal nach Bethlehem, der Auftakt für das Weihnachtsfest. Auf dem Krippenplatz vor der Geburtskirche ist bereits seit Tagen eine große Bühne aufgebaut. Ein meterhoher, kegelförmiger Weihnachtsbaum mit roten Kugeln steht daneben. Das Gebäude gegenüber ist mit einem breiten Leuchtband geschmückt.

Mehr Weihnachten gab es nie in Bethlehem.Trotzdem seien die politischen Probleme die gleichen geblieben, sagt Bürgermeisterin Vera Baboun:

"82 Prozent des Landkreises sind Gebiet C – also unter vollständiger, israelischer Kontrolle. Dort stehen 22 israelische Siedlungen und im Norden ist die Stadt begrenzt mit einer Mauer mit einem Tor. Und diese Mauer ist so sichtbar, denn sie steht mitten in der Stadt. Du siehst sie jeden Morgen gegenüber von deinem Haus."

Sollte der israelische Sperrwall nun auch wie geplant im Westen bei Beit Jala auf palästinensischem Gebiet gebaut werden, sei Bethlehem völlig eingeschnürt. Abgetrennt vom Land des Klosters Cremisan. Abgetrennt von den letzten verbliebenen freien Flächen:

Konflikt, Gewalt und Frust: Wenig davon ist an Weihnachten zu sehen

"Kann mir jemand sagen, wie Israel Frieden und Sicherheit erreichen will mit der Unterdrückung und Diskriminierung seiner Nachbarn? Soll das für den Rest der Welt die Bedeutung des Heiligen Landes und aller Religionen sein. Ich kann das nicht begreifen."

Zu sehen bekommen die ausländischen Besucher zu Weihnachten vom Konflikt, von der Gewalt und dem Frust nur wenig. In den vergangenen Wochen waren es vor allem junge Palästinenser, die der Auseinandersetzung nicht mehr ausgewichen sind.

Abu Mohammed erzählt, sein Sohn sitze bereits seit acht Monaten im israelischen Gefängnis – so wie die halbe Schulklasse. Der Junge ist 17 Jahre alt. Die Schüler sollen versucht haben, den Wachturm der israelischen Armee in Bethlehem anzuzünden, so lautet der Vorwurf.

"Ein Freund bringt noch einen Freund mit, so entsteht eine Gruppe. Das ist nicht leicht für Eltern. Einige haben mit Gewalt versucht, ihre Kinder zu hindern, auf die Straße zu gehen. Sie haben Angst, dass die Kinder verhaftet werden. Aber ein 15-Jähriger macht heute nicht mehr wirklich, was ihm sein Vater sagt."

Zeichen für Frieden und Hoffnung

Abu Mohammed will seinen Sohn beschützen. Er kann es schon lange nicht mehr. Das ist der Alltag. Und gleichzeitig will die christliche Minderheit in Bethlehem, dass an Weihnachten ein Zeichen für Frieden und Hoffnung von Bethlehem ausgeht.

Deshalb muss ein lautes Fest sein. Ein Fest, dass für ein paar Stunden alles andere überstrahlt und auch übertönt. Taleen aus Ramallah ist jedenfalls voller Vorfreude, wenn sie an den Einzug Ihres Spielmannszuges denkt.

"Wir werden einmalig sein. Denn wir sind aus Ramallah, die anderen nur aus Bethlehem. Wir sind unverwechselbar mit unseren Uniformen, unseren Dudelsäcken und unseren neuen Songs. Wir werden es genießen."

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