Donnerstag, 14.12.2017
StartseiteUmwelt und VerbraucherWinzer fordern Zulassung von alten Rebsorten26.04.2016

WeinanbauWinzer fordern Zulassung von alten Rebsorten

Eine Rebsorte, die sich günstig anbauen lässt, die keine Pflanzenschutzmittel braucht, dem Klimawandel trotzt und auch noch schmeckt: ein Traum für jeden Winzer. In Frankreich und Österreich bauen Winzer genau solche Sorten an - illegal: Denn die aus den USA importierten Sorten sind in der EU verboten.

Von Stefan Michel

Ein Mann erntet Weintrauben (Deutschlandradio/Stefan Michel)
Ernte der Clinton-Traube: "Für uns ist das das Paradies," sagt Winzer Dominique Garrel. (Deutschlandradio/Stefan Michel)
Mehr zum Thema

Die Chemie in Orange Wine Nicht weiß, nicht rot

Winzer in Georgien Fluch und Segen des europäischen Marktes

Unterwegs im Südburgenland Die österreichische Toskana

Klimawandel stellt Winzer vor neue Probleme

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden mehrere Rebsorten aus Amerika nach Europa eingeführt, die robust und anspruchslos sind. Das wussten zum Beispiel die Bergarbeiter rund um die Stadt Alés im südfranzösischen Cevennen-Gebirge zu schätzen. Sie bauten in ihrer Freizeit eine dieser Weinreben namens Clinton an. Dominique Garrel von dem Verein für vernachlässigte Kulturpflanzen "Fruits oubliés":

"Der Hauptvorteil ist, dass er auf Schieferböden gedeiht, die ein wenig sauer sind. Zweitens braucht man dafür keine Setzlinge vom Pflanzenzüchter. Samen in den Boden, und der Weinberg ist fertig. Drittens braucht man keine Chemikalien, damit er wächst. Und viertens kommt er mit dem Klimawandel zurecht. Für uns ist das das Paradies."

Ein Mann mit Glatze und Brille steht auf einem Weinberg. (Deutschlandradio/Stefan Michel)Kampf für alte Rebsorten: Winzer Dominique Garrel auf seinem Weinberg. (Deutschlandradio/Stefan Michel)

Wein aus Clinton-Reben und fünf anderen schädlingsresistenten amerikanischen Sorten darf jedoch seit 1935 in Frankreich nicht mehr verkauft werden, und die Europäische Union hat dieses Verbot übernommen. Zuletzt wurde es 2013 in einer Verordnung über den gemeinsamen Mark für landwirtschaftliche Erzeugnisse bestätigt. Die ursprüngliche Begründung lautete: Man wolle mit dem Verbot die Überproduktion von Wein eindämmen. Das war wenig glaubhaft, weil die Anbaufläche der amerikanischen Sorten kaum ins Gewicht fiel. Also wurde das Argument nachgeschoben, Wein aus diesen Reben enthalte zu viel giftigen Methyl-Alkohol. Aber das ist längst durch wissenschaftliche Untersuchungen widerlegt. Besonders empörend finden Dominique Garrel und sein österreichischer Mitstreiter Klaus Rapf das Verbot, weil es einen besonders umweltverträglichen Weinbau verhindert. In Rapfs Heimat, dem südlichen Burgenland, ist der Wein aus amerikanischen Rebsorten als Uhudler bekannt:

"Ich bin selbst Uhudler-Winzer, also ich habe, seit ich diese Weingärten gekauft habe, dort noch nie eine Pflanzenschutzmaßnahme durchführen müssen. Also, man kann außerordentlich nachhaltig und umweltfreundlich diese Rebsorten produzieren."

"Der Wein ist ein Touristenmagnet"

Wein aus den amerikanischen Reben lasse sich unschlagbar preiswert erzeugen, weil keine Bewässerung, kein Dünger und keine Pestizide nötig sind. Das ist nach Einschätzung von Winzer Rapf der wahre Grund, warum die Weinlobby diese Sorten nicht zulassen will. Doch trotz des Verbots wird in den Cevennen in vielen kleinen Gärten Clinton angebaut, für den Eigenbedarf oder die regionale Vermarktung. Und der Uhudler ist aus dem südlichen Burgenland nicht mehr wegzudenken, erzählt Klaus Rapf:

"Der Uhudler und was sich an Kultur um ihn herum entwickelt hat, ist mittlerweile ein Touristenmagnet. Es kommen tatsächlich Tausende Touristinnen jedes Jahr, um an einer Uhudler-Veranstaltung oder einer Uhudler-Führung teilzunehmen."

Mit Selbstanzeige gescheitert

Über den burgenländischen Weinbergen schwebt allerdings das Damoklesschwert der EU. Drei der sechs Rebsorten sind bereits verboten, und die ersten Winzer haben Rodungsbescheide bekommen. Für die restlichen Rebsorten gibt es eine Galgenfrist bis 2030. In Frankreich wissen die Behörden vom illegalen Handel mit Clinton-Wein, aber sie drücken beide Augen zu, so sehr, dass Dominique Garrel mit seinem Versuch einer Selbstanzeige gescheitert ist:

"Im vergangenen Jahr habe ich öffentlich, vor den Fernsehkameras, vor den Journalisten, Clinton-Wein verkauft. Aber der Staat will uns nicht verklagen. Das ist schade, denn wir wollen gerne verklagt werden. Das soll vor Gericht gehen, um die Frage aufzuwerfen, ob dieses Gesetz verfassungsgemäß ist, und es dann zu Fall zu bringen."

Also planen Winzer Klaus Rapf und sein Verein "Arche Noah" zusammen mit "Fruits oubliés" eine neue Provokation, um das aus ihrer Sicht völlig unsinnige Weinverbot zu kippen: Demnächst soll es eine Verkostung von verbotenem Wein im Europa-Parlament geben.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk