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StartseiteCampus & KarriereMehr Kompetenz und positive Gesundheitseffekte10.11.2014

WeiterbildungMehr Kompetenz und positive Gesundheitseffekte

Weiterbildung bringt nicht nur einen Kompetenzgewinn in bestimmten Fähigkeiten, sondern ist auch gut für die Gesundheit, sagte Monika Kil, Vizerektorin der Donau-Universität Krems und Mitautorin einer europaweiten Studie des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung. Allerdings: Mit einmal Weiterbildung ist es nicht getan.

Monika Kil im Gespräch mit Benedikt Schulz

Benedikt Schulz: Der moderne Arbeitnehmer muss sich fortbilden, muss sich weiterbilden. Wer heutzutage im Job bestehen will, kommt da gar nicht drum herum. Weiterbildung lohnt sich für die Unternehmen und auch für die Arbeitnehmer, zum Beispiel beim Gehaltsscheck. Und da ja in regelmäßigen Abständen in Deutschland das Klagelied vom Fachkräftemangel angestimmt wird, ist es auch hier nur konsequent, dass man mehr Erwachsenenbildung fordert. Oder, wie Bundesbildungsministerin Johanna Wanka das mal vor Kurzem ausgedrückt hat: "Weiterbildung sichert die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands." Wie so oft bei Bildungsthemen steht die ökonomische Verwertbarkeit im Fokus. Eine Studie des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung kommt aber jetzt zu dem Ergebnis, Erwachsenenbildung macht glücklicher, selbstbewusster und gesünder. Eine Autorin der Studie ist Monika Kil, inzwischen Vizerektorin der Donau-Universität Krems, und sie ist jetzt am Telefon. Hallo!

Monika Kil: Hallo, grüß Gott!

Schulz: Erklären Sie mir: Wie werde ich gesünder durch Weiterbildung?

Kil: Teilnahme an Weiterbildung bedeutet, ich entscheide mich für ein Interessensgebiet, belege einen Kurs, beispielsweise an einer Volkshochschule, und merke im Verlauf meiner Teilnahme an Weiterbildung, es macht mir Spaß, ich lerne etwas, ich bin in einer Gruppe, mein Thema wird besser, beispielsweise ich spreche besser Englisch und ich kann mich besser ausdrücken. Und gleichzeitig habe ich am Ende auch eine Gruppe, die darüber hinaus mit mir zusammen ist, wo ich neue Optionen weiterhin bekomme, weiter zu lernen. Und das sind die sogenannten "wider benefits of learning". Also neben dem Kompetenzgewinn, dass ich besser töpfern kann und dass ich eine Sprache lerne, in Excel sicherer werde, habe ich am Ende einen Nutzen, und der betrifft eben dann beispielsweise auch, ich verhalte mich gesünder.

Schulz: Sie haben es schon angedeutet: Ein zentrales Ergebnis Ihrer Untersuchung ist ja, dass Weiterbildung eben mehr ist als das Erlernen spezifischer Fähigkeiten oder spezifischer Kenntnisse. Was sind denn positive Effekte, die Sie in Ihrer Studie festgestellt haben, abgesehen von der Gesundheit?

Kil: Der Haupteffekt hängt wieder mit Gesundheit zusammen, ist, dass man Selbstwirksamkeit an sich erlebt. Selbstwirksamkeit ist ein so ein bisschen sperriger psychologischer Begriff. Der heißt aber, ich selbst kann etwas in meinem Leben steuern, ich beeinflusse eine Herausforderung. Und das weiß man aus der Gesundheitsforschung, dass das eine ganz wichtige Voraussetzung ist, sich eben auch gesünder zu verhalten.

Schulz: Können sich denn jetzt Arbeitgeber, die ihre Mitarbeiter zu Fortbildungsmaßnahmen schicken am Wochenende, darauf einstellen, dass sie am Montag gesund und glücklich wieder zurückkommen?

Kil: Ja, wir sehen auch, dass es mit einmal Weiterbildung sozusagen nicht getan ist. Wer also einmal an einem Kurs teilnimmt, hat diese Effekte auch, aber nicht in dem Sinne, dass wir danach jetzt schon den Blutdruck verringert haben oder solche Punkte. Das wollen wir aber tun demnächst. Wir sind jetzt so gestärkt durch diese Studie, dass wir doch auch nach Außenkriterien gucken wollen und auch richtig messen wollen, wie der Output sozusagen auch messbar ist, weil das wird wirklich spannend. Denn wenn man sich überlegt, was investieren wir in unser Interventionssystem, wenn Menschen eben keinen Spaß mehr haben an der Arbeit, wenn Burnout-Prozesse in Gang kommen, was wird dann investiert und was kostet letztendlich die Teilnahme an Weiterbildung, und was können wir da auch kombinieren, was können wir da auch tun, dass man also die Bildungsinvestitionen da mehr in den Blick nimmt.

Schulz: Aber beim Thema Weiterbildung, wird da zu sehr - ich habe jetzt auch Frau Wanka zitiert - zu sehr darauf geschaut, was die Volkswirtschaft und was Unternehmen davon haben?

Kil: Man versucht es sozusagen, übers Knie zu brechen. Man setzt enge betriebliche Vorgaben oder auch berufliche Verwertbarkeitsprozesse und möchte sozusagen den Lernprozess kontrollieren. Und es ist schwierig sozusagen, Menschen begreiflich zu machen, diese Schere im Kopf - das ist beruflich, das ist für die allgemeine Weiterbildung, das ist sozusagen privat -, diese Schere aus dem Kopf zu bekommen. Und das zeigt unsere Studie auch, das wäre sehr, sehr wichtig. Man kann auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sehr darin unterstützen, auch an allgemeiner Weiterbildung teilzunehmen und das dann auch nicht zu belächeln. Denn wenn es einem hinterher besser geht, und wenn man eben auch Freunde und Netzwerke hat, tut das letztendlich auch dann dem Unternehmen gut und auch der Gesellschaft.

Schulz: Ist denn unsere Gesellschaft in der Lage, dieses Prinzip, ich nenne es jetzt mal Lernen als Selbstzweck zu akzeptieren und eben nicht zu belächeln?

Kil: Ja, ich hoffe das. Und ich glaube, das ist so eine generelle Einstellung auch, die wir noch immer im Kopf haben. Es gibt akademisches Wissen, berufliches Wissen, und dabei kennen wir alle das Lernen mit Kopf, Herz und Hand. Und für die Hirnentwicklung hat eigentlich auch die Hirnforschung bewiesen, dass es ganz, ganz wichtig ist, dass wir eben nicht nur kognitiv uns herausfordern, sondern eben in Gruppen bewegen und auch etwas mal mit den Händen tun, mit den Händen erlernen. Das sind ganz wichtige Punkte, dass wir auch sozusagen im Kopf fit bleiben.

Schulz: Sagt Monika Kil, sie ist Vizerektorin der Donau-Universität Krems, über die positiven Nebeneffekte von Erwachsenenbildung. Vielen Dank!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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