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StartseiteSport am WochenendeWeltcup ohne die Stars04.03.2012

Weltcup ohne die Stars

Warum das neue Serien-Format im Turnen nicht recht gelingen mag

In New York fand gerade der erste Turn-Weltcup der Saison 2012/2013 statt. Der Deutsche Marcel Nguyen wurde Dritter hinter Danell Leyva (USA) und Mykola Kuksenkow (UKR). Bei den Frauen siegte erwartungsgemäß die US-amerikanische Weltmeisterin Jordyn Wieber, Lisa-Katharina Hill wurde Sechste. Die Chemnitzerin war angesichts etlicher Absagen in das achtköpfige Starterfeld nachgerückt.

Von Sandra Schmidt

Turn-Vizeweltmeister Philipp Boy aus Cottbus musste verletzungsbedingt auf einen Start in New York verzichten. (picture alliance / dpa)
Turn-Vizeweltmeister Philipp Boy aus Cottbus musste verletzungsbedingt auf einen Start in New York verzichten. (picture alliance / dpa)

Grand Slam sollte die neue Serie der Turner ursprünglich mal heißen, in Anlehnung an die große Serie der weltbesten Tennisspieler. Immerhin durften die Turnerinnen und Turner bei ihrem ersten Weltcup des Jahres im legendären Madison Square Garden an die Geräte gehen. Der American Cup ist Teil der neuen Serie, die jetzt doch einfach Weltcup heißt und die ein veritables Problem hat: Die Besten der Welt wollen nicht mitmachen.

Der neue Modus sieht vor, dass nur die besten acht Turnerinnen und Turner der letzten Weltmeisterschaft teilnehmen, die Serie besteht aus vier bis sechs Wettbewerben und es gibt eine für den Mehrkampf und eine für die Besten an den einzelnen Geräten. So der Plan. Das Format wurde in Deutschland erprobt und nun ist Wolfgang Willam, in der Exekutive des Weltverbandes zuständig für Wettkampfformate, im zweiten Jahr bemüht, es auch international durchzusetzen. Beim American Cup starteten nur zwei der besten acht Turnerinnen der Welt, die beiden US-Amerikanerinnen. Die stärkste Konkurrenz aus Russland und China kam gar nicht, das kleine Feld wurde mit Turnerinnen aufgefüllt, die nicht mal auf der Liste der Nachrücker standen, denn auch die kamen nicht. Hier liegt das Problem, weiß auch Wolfgang Willam:

" Wir wollen ja damit Köpfe transportieren und Stars praktisch mehr kreieren über eine Serie und Stars kann ich natürlich neben dem einzigen Highlight im Jahr nur kreieren, wenn ich auch bei den Weltcups immer die gleichen Athleten präsentiere."

Es geht vor allem um die internationale Vermarktung der Sportart, denn sieht man von den Olympischen Spielen mal ab, ist das Turnen in den Medien kaum präsent. Einziges Highlight, wenn es denn wahrgenommen wird, ist die jährliche Weltmeisterschaft. Die Wintersportarten wie Biathlon machen es vor: Hier sorgt die Weltcupserie für die permanente Anwesenheit der Stars auf den Bildschirmen, allwöchentlich laufen sie und egal wo sie laufen, das Fernsehen überträgt den ganzen Tag.

Insgesamt 100 000 Schweizer Franken gibt es bei jedem Weltcupturnier neuerdings zu gewinnen, für den Weltcupsieger wurde zudem ein Jackpot von weiteren 100 000 Franken ausgelobt. Doch die Verbände scheint das Geld nicht zu locken. Im Turnen steigen Ansehen und Marktwert durch Olympiasiege und für die braucht es vor allem Training, nicht ständige Wettkämpfe in der Vorbereitungsphase. Andrej Rodionenko, Cheftrainer des russischen Verbandes, auf die Frage, ob ihm nationale Meisterschaften wichtiger seien als die Weltcupserie:

"Natürlich! Weil wir jetzt die Athleten für die Olympischen Spiele und die Europameisterschaften auswählen müssen! Bei jedem Wettkampf des Weltcups gibt es einen Interessenkonflikt, Terminprobleme und die Frage, ob die besten Athleten kommen."

Er findet die Weltcups einfach "nicht so wichtig" und außerdem sind ihm acht Athleten pro Veranstaltung viel zu wenig. Auch in Italien hat der nationale Wettkampfkalender absoluten Vorrang, aus strukturellen Motiven wie Sportdirektor Fulvio Vailati erklärt:

"In Italien sind die Vereine die Basis des Turnens und die Vereine brauchen die Wettkämpfe, damit sie in ihren Städten präsent sind, deshalb sind für uns zum Beispiel die Ligawettkämpfe wichtiger."

Und nicht einmal für die ausrichtenden Verbände scheint das neue Format besonders attraktiv, denn sie tragen fast die gesamten Kosten und müssen die Fernsehbilder produzieren: So hat Paris gerade den Weltcup der Gerätespezialisten abgesagt, hier besteht die geplante Serie nur noch aus einem einzigen Wettkampf. Und auch Tokio, wo Mitte April der zweite Wettbewerb der Mehrkämpfer hätte stattfinden sollen, sagte die Veranstaltung ab, nachdem die Verhandlungen mit dem Fernsehen gescheitert waren. Wolfgang Willam führt in diesen Monaten viele Gespräche:

"Es ist noch eine Menge Überzeugungsarbeit zu leisten, weil es aus dem Stand zunächst mal kein Selbstgänger war, aber wir wollen versuchen, die Serie weiterhin hartnäckig auch am Markt zu betreiben."

Den Wettkampf sahen fast 12 000 Zuschauer im Madison Square Garden und das US-amerikanische Fernsehpublikum bei NBC und Universal Sports. In den USA ist der American Cup seit Jahrzehnten populär, ganz gleich ob er zur Weltcup-Serie gehört oder nicht. In Europa hatte kein Land die Fernsehrechte erworben, für die hart gesottenen Fans gab es einen Livestream im Internet. Ob der Weltcup mit diesem Format eine Zukunft hat, ist mehr als fraglich. Wolfgang Willam sieht das momentan gelassen:

"Der Weltcup wird leben, nur die Frage ist, wie wird er medial ankommen. Also, wir können uns ja mit dem Titel Weltcup weiterhin schmücken die nächsten zehn Jahre, und da auch munter durch die Welt turnen, nur die Frage ist ja, wen interessiert’s."

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