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StartseiteUmwelt und VerbraucherEin bedrohter Allerweltsvogel20.03.2017

WeltspatzentagEin bedrohter Allerweltsvogel

Schon seit einiger Zeit wird der Spatz immer seltener in Städten und auch auf dem Land. Er steht in Deutschland bereits auf der Vorwarnliste der roten Liste. Dichte Wände ohne Spalten und Ritze seien einer der Gründe, sagte Lorena Heilmeier vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern im DLF. Sie beschreibt Wege, ihm zu helfen.

Lorena Heilmaier im Gespräch mit Britta Fecke

Ein Haussperling, mit wissenschaftlichem Namen passer domesticus. (picture alliance / dpa /  Hinrich Bäsemann)
In England ist er jetzt schon auf der roten Liste: der Haussperling, auch Spatz genannt. (picture alliance / dpa / Hinrich Bäsemann)
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Britta Fecke: Ihr Federkleid ist so unscheinbar und ihre Anzahl war so groß, dass man dem Spatz kaum Bedeutung schenkte. Irgendwie waren sie immer da. Es zirpte in der Hecke und hüpfte unterm Bistrotisch. An den allgegenwärtigen Haussperling waren wir so gewöhnt, dass kaum auffiel, dass er inzwischen an vielen Orten fehlt.

Lorena Heilmaier vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern vermisst den Spatz ebenfalls. Frau Heilmaier, in welchen Gebieten oder Strukturen ist der Bestand des Haussperlings denn schon zurückgegangen?

Lorena Heilmaier: Leider geht er momentan global, vor allem in den Industrieländern zurück. In England zum Beispiel ist er jetzt schon auf der roten Liste und in Deutschland ist er auch auf der Vorwarnliste der roten Liste. Er nimmt bei uns sowohl in den Städten als auch auf dem Land ab. In den Städten sind vor allem Regionen betroffen, die von den Bevölkerungszahlen hochgehen, die die Menschen sehr gerne mögen, wo viele hinziehen und demzufolge nachverdichtet wird. Das sind zum Beispiel Städte wie München, Hamburg oder Frankfurt. Auf dem Land geht es dem Spatz aber leider auch nicht so viel besser, da sich dort die Situation gerade durch unsere Felderkultur auch verändert hat.

Fecke: Sie sprachen gerade von Nachverdichtung. Was macht denn den Spatzen da Probleme?

Heilmaier: Der Spatz gehört zu den sogenannten Gebäudebrütern. Das heißt, dass sie wirklich in oder am Haus brüten. Seit zirka 50 Jahren sind unsere Häuser jedoch immer dichter gebaut. Das heißt, dass sie im Prinzip zur Energieeinsparung keine Ritzen und Spalten mehr haben. Diese Ritzen und Spalten werden von dem Spatz genutzt. Da schlüpft er rein und brütet dort. Dadurch, dass es jetzt gerade in Neubauten überhaupt nicht mehr solche Spalten gibt und auch in Bestandsbauten durch Wärmedämmung diese restlichen Spalten zugemacht werden, findet er dort leider keine Nistplätze mehr.

Fecke: Ist auch der Mauersegler davon betroffen, weil der ja auch solche Spalten und solche Strukturen nutzt?

Heilmaier: Ja, genau. Der Mauersegler ist genauso betroffen. Es gibt aber auch noch andere Vögel, die davon betroffen sind, wie zum Beispiel die Schwalben, die ja auch immer an Häusern im Stall zum Beispiel nisten.

Fecke: Jetzt haben wir gerade von den Vögeln gesprochen, die eigentlich auch Nistplätze im Garten nutzen könnten. Aber dem Spatz hilft das nichts?

Viele Grünanlage seien nur "funktionsgrün"

Heilmaier: Nein, dem Spatz hilft das leider nichts. Dem Mauersegler ebenso wenig. Die sind wirklich reine Gebäudebrüter und ein Vogelkasten am Baum zum Beispiel hilft ihnen leider nicht weiter. Da müssten die Nistkästen schon an der Fassade beispielsweise angebracht werden.

Fecke: Wenn die eine Tierart verschwindet, zieht sie ja oft eine ganze Kaskade hinter sich her. Sie haben die Vögel gerade beschrieben. Gibt es noch andere Tierarten, die von diesen verdichteten Lebensräumen betroffen sind, die wir zurückdrängen?

Heilmaier: Ja, vor allem immer weniger Insekten. Das liegt daran, dass wir einerseits immer weniger grüne Strukturen haben. Gärten oder Plätze mit Grünanlagen müssen auch neuen Häusern weichen. Und die Grünanlagen, die wir noch haben, sind immer mehr funktionsgrün. Das heißt, das ist zum Beispiel so etwas wie ein englischer Rasen, der sehr gepflegt ist, einfach nur Gras, ohne Blüten oder irgendwas. Dieses Gras kann natürlich von Insekten nicht genutzt werden. Die finden dann keine Nahrung und das wiederum ist auch sehr schlecht für den Spatz, denn ähnlich wie die meisten Singvögel müssen seine Küken von Insekten ernährt werden. Da die sehr proteinreich sind und damit energiereich, brauchen die das, und immer weniger Insekten ist dann auch schlecht für die Küken.

Fecke: Ich hatte ja manchmal den Verdacht, dass Spatzen sich eigentlich ausschließlich nur von Pommes ernähren. Aber Sie sagen, zur Aufzucht der Jungen gehen sie dann doch auf die gesunde Kost über?

Heilmaier: Auf die Insekten, genau, weil die sehr energiereich sind.

"Schutzhecken pflanzen, das mögen die Spatzen sehr gerne"

Fecke: Jetzt haben Sie schon einen Teil vorweggenommen. Wir müssten strukturreichere und blütenreichere Ebenen schaffen in der Stadt. Was können wir denn noch tun, um diesen Tieren eine Chance zu geben?

Heilmaier: Sehr wichtig ist, dass man einfach vorhandene Niststellen nicht verschließt oder zumacht. Das ist sogar verboten. Und was natürlich auch gut ist, wenn man künstliche Nisthilfen schafft. Es gibt die erwähnten Niststeine, die kann man an der Fassade anbringen. Das hilft den Spatzen sehr gut. Dann Gärten, da kann man sich auch im Gartencenter mittlerweile ganz gut beraten lassen. Einfach Pflanzen pflanzen, die Insekten anziehen, die gut für sie sind. Man kann Schutzhecken pflanzen, das mögen die Spatzen sehr gerne, da sie dort immer wieder reinkriechen und sich schützen, zum Beispiel vor Sperbern. Dann gibt es auch das Sprichwort Dreckspatz. Das heißt im Prinzip, dass der Spatz eigentlich sich immer in Sand oder so badet. Deswegen hatte man das Gefühl, er sei dreckig. Dabei putzt er sich eigentlich nur von Parasiten ab.

Was außerdem auch noch sehr wichtig ist, dass es Artenschutzprogramme geben soll, denn diese gibt es meistens nur für richtig seltene Arten wie etwa Uhu und Weißstorch, jedoch nicht für sogenannte Allerweltsarten. Der LBV hat, gefördert durchs Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, das Projekt "Der Spatz als Botschafter der Stadtnatur" etabliert und wir hoffen, dass wir dadurch viele Leute erreichen können und dass es zu einem Umdenken kommt.

Fecke: Heute ist Weltspatzentag. Was wir tun können, um den ehemaligen Allerweltsvogel zu erhalten, erklärte mir Lorena Heilmaier vom Landesbund für Vogelschutz.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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