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StartseiteUmwelt und VerbraucherWeniger Fleisch, mehr neue Energien10.10.2013

Weniger Fleisch, mehr neue Energien

Klimaschonenden Visionen für Verkehr, Industrie und Landwirtschaft

Eine nahezu treibhausgasfreie Zukunft ist möglich. Allerdings nur durch "radikale technologische Veränderungen", sagt Jochen Flasbarth, Präsident des Bundesumweltamts. Über das Absenken der Treibhausgasemissionen beraten derzeit Vertreter der wichtigsten Branchen in Berlin.

Von Dieter Nürnberger

Solarstrom, Windenergie und Biomasse gehören derzeit zu den meistgenutzten erneuerbaren Energiequellen (AP/picture alliance / dpa / Wolfram Steinberg/ Julian Stratenschulte/ Lehtikuva / Pekka Sakki)
Solarstrom, Windenergie und Biomasse gehören derzeit zu den meistgenutzten erneuerbaren Energiequellen (AP/picture alliance / dpa / Wolfram Steinberg/ Julian Stratenschulte/ Lehtikuva / Pekka Sakki)

Das Umweltbundesamt plädiert schon dafür, die nationalen Klimaschutzziele - die ja einst vor dem Hintergrund der Zwei-Grad-Diskussion formuliert wurden - weiterhin ernst zu nehmen und auch anzupeilen.

Bis heute gilt ja das Energiekonzept der Bundesregierung von 2010/2011, wonach bis zum Jahr 2050 die Treibhausgasemissionen hierzulande um bis zu 95 Prozent gesenkt werden sollen - jeweils im Vergleich zum Basisjahr der Berechnungen 1990. Das ist ein ehrgeiziges Ziel, gerade für ein hochindustrialisiertes Land, aber - und diese Botschaft wurde heute anlässlich der internationalen Konferenz des Umweltbundesamtes (UBA) noch einmal unterstrichen - es ist auch ein nahezu machbares Ziel. Der Präsident des UBA Jochen Flasbarth:

"Ja, das geht. Das bedeutet, dass wir in allen Bereichen unserer Wirtschaft zu ganz radikalen technologischen Veränderungen kommen müssen. Aber diese Technologien sind heute schon verfügbar, das sind keine Science-Fiction-Technologien. Auch unter der Annahme, dass wir künftig auch weiterhin von Technologiesprüngen ausgehen können. Die hat es stets in der Vergangenheit gegeben, es wird sie auch in Zukunft geben. Also: Wir werden das gesamte Portfolio an Industrien von Aluminium, Stahl bis hin zur Autoindustrie auch weiterhin haben, wie heute auch."

Mit diesem ehrgeizigen Ziel vor Augen, hat das Umweltbundesamt Vertreter der wichtigsten Branchen nach Berlin geladen. So soll in den nächsten zwei Tagen unter anderem der aktuelle Stand der Technik erörtert werden. Geblickt wird somit in einzelne Bereiche. Beispiel Landwirtschaft: Hier geht es um Effizienzverbesserungen, so könnte beispielsweise durchaus die Stickstoff-Ausnutzung konsequent gesteigert werden. Auch müsste - im Szenario des UBA - keine Biomasse eigens für die energetische Nutzung angebaut werden. Verwertet werden würden dann ausschließlich Rest- und Abfallstoffe aus der Pflanzen und Tier-Produktion. Umweltbundesamt-Präsident Flasbarth:

"Der größte Treibhausgasemittent 2050 wird die Landwirtschaft sein - mit der Hälfte der dann noch verfügbaren und verbleibenden Emissionen von rund 35 Millionen Tonnen. Und auch das ist nur dann erreichbar, wenn wir in Deutschland unseren Fleischkonsum leicht absenken. Wir haben hier die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung angenommen. Für die Gourmets unter uns: Das ist das Konsumniveau für Fleisch, wie es derzeit in Italien herrscht. Das ist ja auch keine kulinarische Wüste."

Nach Berlin gekommen ist beispielsweise auch Joseph Alcamo, einer der führenden Wissenschaftler des Umweltprogramms der Vereinten Nationen. Er betont die technische Vorreiterrolle Deutschlands auf diesem Gebiet, sagt aber auch, dass gerade beim Pro-Kopf-Konsum die Deutschen auch noch von anderen Industrieländern lernen könnten:

In vielen Bereichen verbrauchen die Skandinavier deutlich weniger, sagt Joseph Alcamo. Besonders bemerkenswert auch deshalb, weil dies dort unabhängig vom Pro-Kopf-Einkommen registriert werde. Also, so Alcamo, von diesen Ländern könne man noch einiges lernen.

Für Deutschland wird beispielsweise im Energiebereich davon ausgegangen, dass künftig natürlich der Anteil der erneuerbaren Energien noch deutlich gesteigert werden kann. Zentraler Baustein ist aber auch die Erzeugung von Wasserstoff. Hieraus könnten dann durch weitere katalytische Prozesse Methan und weitere Kohlenstoffe erzeugt werden - in der Fachsprache heißt dies power to gas, to heat oder to liquid. Harry Lehmann ist beim Umweltbundesamt Leiter des Fachbereichs Umweltplanung und Nachhaltigkeitsstrategien:

"Im Bereich der Gebäude setzen wir natürlich auch wieder die erneuerbaren Energien ein: Power to heat - also über Wärmepumpen oder auch Direktnutzung. Wir können auch einen Teil des Erdgases - power to gas - nutzen, um Heizung und Kühlung zu betreiben. In der chemischen Industrie kann die erdölbasierte Rohstoffversorgung auch durch power to gas oder power to liquid ersetzt werden. Die Emissionen im Sektor Abfall und Abwasser sind bereits heute stark gesunken, wir gehen davon aus, dass dies auch weiterhin möglich ist."

Einiges ist also noch Zukunftsmusik, aber die Botschaft des Kongresses hier in Berlin ist klar: Eine nahezu treibhausgasfrei Zukunft ist durchaus möglich.

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