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Wenn alte Bauernregeln nicht mehr gelten

Der Klimawandel verändert die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft

Von Dieter Nürnberger

"Wasser ist schon heute oft ein produktionsbegrenzender Faktor."
"Wasser ist schon heute oft ein produktionsbegrenzender Faktor." (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)

Starke Niederschläge im Sommer oder Hitze zu früh im Jahr - solche klimatischen Veränderungen setzen den Bauern neue Rahmenbedingungen für die Produktion. Gemeinsam mit dem Deutschen Wetterdienst hat deshalb der Deutsche Bauernverband die Folgen des Klimawandels auf die Landwirtschaft hierzulande thematisiert.

Auf jeden Fall - und da sind sich der Deutsche Wetterdienst und auch der Deutsche Bauernverband einig - werden die Klimaveränderungen in den kommenden Jahrzehnten Auswirkungen auf die Landwirtschaft in Deutschland haben.

Allerdings verbergen sich hinter dieser so eindeutig klingenden Aussage weiterhin viele Fragezeichen. Denn noch kann nicht genug über die konkreten Folgen gesagt werden. So weiß man beispielsweise nicht, welchen Umfang der weltweite Temperaturanstieg generell haben wird. Hinzu kommt - Klimaveränderungen sind keine konstante Entwicklung, das heißt, es kann eine Grundtendenz gegen, es können aber trotzdem stets Abweichungen davon auftreten. Als Beispiel hierfür können die vergangenen Winter in Deutschland gelten, die ja starke Frostperioden hatten, trotz generell wärmerer Winter im Durchschnitt.

Somit spricht Paul Becker, der Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes, von Tendenzen für Deutschland:

"Während im Mittel steigende Temperaturen für die Landwirtschaft von Vorteil sind, sieht die Erwartung beim Niederschlag nicht so gut aus. Wasser ist schon heute oft ein produktionsbegrenzender Faktor. Die Gesamtmenge der Jahresniederschläge dürfte bis zum Ende des Jahrhunderts zwar weitgehend stabil bleiben, die Niederschlagsverteilung im Jahr wird sich jedoch verändern, mit zum Teil nachteiligen Auswirkungen für die Landwirtschaft. Auch wenn versucht wird, über die Züchtung neuer Sorten dem entgegenzuwirken, erwarten wir eine Ausweitung der Beregnungsregionen - Standorte mit leichten Böden wie in Teilen Niedersachsens, Mecklenburg-Vorpommerns und Brandenburgs müssen künftig häufiger bewässert werden. Dies setzt den Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur voraus."

Anhand dieser Aussage lässt sich erkennen, dass ein wärmeres Klima durchaus auch Chancen für die Landwirtschaft in Deutschland bietet, allerdings erfordert die Anpassung eben auch Investitionen.

Bei den Pflanzen wird es somit wohl einige Veränderungen geben - wärmeliebende Sorten von Mais, Soja oder Hirse beispielsweise könnten künftig vermehrt das Bild des Ackerbaus in Deutschland prägen, sagt Werner Schwarz, der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes.

"Mais und beispielsweise auch Zuckerrüben versprechen bei einer zunehmend guten Wasserversorgung in den Sommermonaten bessere Erträge. Hier werden wir also Veränderungen bei den Fruchtfolgen sehen. In unseren Breiten gibt es heute noch nicht so angebaute Pflanzen wie Hirse und Soja - diese können bei entsprechenden Zuchterfolgen stärker als bisher unsere Fruchtfolgen bereichern."

Der durchschnittliche Vegetationsbeginn im Frühjahr findet heute vielerorts sieben Tage früher statt als noch vor Jahren oder Jahrzehnten. Auch das kann sich positiv auf die Erträge und die Anbaumöglichkeiten in Deutschland auswirken. Die deutsche Landwirtschaft könnte somit ihre Stellung auf den internationalen Märkten behaupten oder vielleicht sogar ausbauen, sagt Bauernverbands-Vize Werner Schwarz.

"Wir gehen davon aus, dass die Erträge in Deutschland nicht sinken. Denn wir haben auch weiterhin einen Züchtungsfortschritt und wir werden weiterhin unsere Produktionstechniken und den Ressourcenschutz verbessern. So, dass wir trotzdem auch gute Erträge kommen."

Doch müssten eben gleichzeitig wegen längerer Trockenzeiten im Frühjahr und Frühsommer die Bewässerungssysteme verbessert werden. Welche Kosten diese nötigen Investitionen einmal verursachen werden - da wollte sich weder Wetterdienst noch Bauernverband festlegen.

Das hänge auch von den Fortschritten beim weltweiten Klimaschutz ab, sagt der Deutsche Wetterdienst. In der Wissenschaft gilt die Zwei-Grad-Celsius-Grenze - fällt die weltweite Erwärmung stärker aus, dann würden auch die Kosten immer unkalkulierbarer.

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