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StartseiteForschung aktuellWenn der Komet kommt25.03.2008

Wenn der Komet kommt

Archäologen sehen in Einschlag Ursache der Sintflut

<strong>Archäologie. - Der Mythos einer alles vertilgenden Flut - der biblischen Sintflut - ist weltumspannend präsent. Eine Möglichkeit, dies zu erklären, wäre ein gewaltiger Tsunami, ausgelöst durch den Einschlag eines Kometen, meint ein US-Archäologe.</strong>

Von Dagmar Röhrlich

Gottes Hammer: Ein Meteor könnte Ursache der Sintflut-Mythen gewesen sein. (AP Archiv)
Gottes Hammer: Ein Meteor könnte Ursache der Sintflut-Mythen gewesen sein. (AP Archiv)

Ob die Bibel, das Gilgamesch-Epos oder irische Mythen – sie alle berichten von einer weltweiten Flut. Manche indianische Legenden aus Nord- und Südamerika gleichen der von Noah so sehr, dass spanische Priester fürchteten, der Teufel habe sie erzählt, um die Menschen zu verwirren:

"Rund um die Erde erzählen Mythen davon, dass die Welt in einer großen Flut unterging und dass anschließend eine neue Zeit begann. Es ist unmöglich, dass alle diese Mythen aus dem Mittleren Osten und dem Schwarzen Meer rund um die Welt gelangt sind. Aber sie ähneln sich so sehr, dass sie unabhängige Beobachtungen ein- und desselben Geschehens sein könnten,"

erklärt Bruce Masse, Archäologe am Los Alamos National Laboratory. 175 Sintflut-Mythen hat er ausgewertet. Seine Arbeitshypothese:

"Falls diese Mythen ein- und dasselbe Ereignis beschreiben, müssten Informationen wie Jahreszeit, Mondzyklus oder Sternenkonstellationen logisch zusammenpassen und einen Sinn ergeben."

Bruce Masse fischte alle möglichen Umweltinformationen aus den Geschichten: Ob es und wie lange es geregnet hat, ob es dunkel geworden ist und, und, und:

"Es ist schon eine Herausforderung, etwas zu finden, das gleichzeitig rund um die Welt eine Sintflut verursacht, wobei natürlich nicht alles Land im Wasser versinkt, sondern es war eine Flut mit schwerwiegenden Folgen. Es fällt auf, dass die Mythen aus Küstenregionen, ob nun aus Indonesien, Kalifornien oder Brasilien, von einem Megatsunami erzählen, den nur überlebte, wer sich auf mehrere hundert Meter hohe Hügel retten konnte."

Viele Mythen berichten von katastrophalen Regenfällen, Stürmen, Dunkelheit. Besonders aufschlussreich seien Erzählungen über übernatürliche Geschöpfe, von gehörnten Schlangen und Leuchterscheinungen am Himmel. Das seien typische Bilder für Kometen, so Masse.

"Nimmt man die Informationen aus allen Mythen zusammen, könnte der Auslöser der Einschlag eines Kometen im Indischen Ozean gewesen sein."

Modellrechnungen zeigen: Ein solcher Einschlag löste einen gewaltigen Tsunami aus und setzte so viel Hitze, Wasserdampf und – durch den Aufprall auf den Meeresboden – so viel Staub frei, dass die Atmosphäre aus den Fugen geriete. Tagelang prasselten schwerste Regenfälle nieder, und die Sonne wäre durch einen Schleier aus Staub und Wassereis in der Stratosphäre verdunkelt.

"15 Mythen berichten, dass Vollmond war. Auf der Nordhalbkugel war es Frühling, auf der Südhalbkugel Herbst. Einige Mythen berichten über eine Sternenkonstellation, die auf 2807 Jahren vor Christus datiert werden konnte. Indische, mesopotamische und ägyptische Mythen verzeichnen politische Ereignisse, die auch in diesen Zeitraum passen."

Bruce Masse ist überzeugt: Vor rund 4800 Jahren löste der Einschlag eines knapp fünf Kilometer großen Kometen vor der Insel Madagaskar die Katastrophe aus, von der Mythen rund um die Welt berichten. Er glaubt: Das Risiko katastrophaler Einschläge ist sehr viel größer als es scheint, weil das Meer viele Krater verbirgt. Diese Idee für überprüfenswert hält Luigi Piccardi. Geologe am Nationalen Forschungszentrum in Florenz und Spezialist für Geomythen zur Risikoabschätzung:

"Die Bedeutung der Hypothese liegt darin, dass sie ein neues Licht auf die Rolle von Einschlägen für die Erde und die Menschheit werfen könnte. Im Gelände müssten sich hervorragende Anhaltspunkte dafür erhalten haben."

Einige Kandidaten für die Ablagerungen eines solchen Megatsunamis sind bereits bekannt: Auf Madagaskar gibt es Dünen, die so hoch sind wie das Empire State Building, aber auch aus Mosambik und Australien kennen die Geologen verdächtige Strukturen. Vielleicht liefern sie Beweise – für oder gegen Bruce Masses Hypothese.

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