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StartseiteSport am WochenendeDie Tücken des Reichtums08.07.2017

Wenn Sportstars pleite gehenDie Tücken des Reichtums

Große Sportstars verdienen nicht nur überdurchschnittlich viel Geld, sie sind auch besonders gefährdet, bei der Lebensplanung den falschen Leuten zu vertrauen. Das zeigt nicht nur der aktuelle Fall von Boris Becker.

Von Daniel Theweleit

In letzter Zeit stand Boris Becker vor allem wegen finanzieller Schwierigkeiten in den Schlagzeilen: Der ehemalige Tennisprofi bei einem TV-Interview 2016. (dpa / Julian Stratenschulte)
In letzter Zeit stand Boris Becker vor allem wegen finanzieller Schwierigkeiten in den Schlagzeilen: Der ehemalige Tennisprofi bei einem TV-Interview 2016. (dpa / Julian Stratenschulte)
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2011 erschien eine Studie, der zufolge 25 Prozent der Fußballprofis in Deutschland schon wenige Jahre nach Karriereende pleite gewesen sein sollen. Neure Zahlen existieren nicht, doch auch heute gibt es Sportler, die zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr oft mehr verdient haben, als die meisten Menschen in ihrem ganzen Leben und trotzdem insolvent gehen. Derzeit ist die Vereinigung deutscher Vertragsfußballer dabei, aktuelle Daten zu erheben, denn viele Ursachen wie beispielsweise teure Scheidungen gibt es noch heute sagt Ulf Baranowsky, der Geschäftsführer der Spielergewerkschaft.

"Darüber hinaus ist es so, dass es Spieler gibt, die den Lebensstil zu lange sehr hoch halten, dass Gelder nicht gut und sicher angelegt worden sind. Da müssen wir leider auch feststellen, dass es auf dem Markt der Kapitalanlage auch schwarze Schafe gibt. Spieler werden geködert mit Versprechungen von hohen Renditen, lassen sich aufgrund ihrer geschäftlichen Unerfahrenheit da leider relativ leicht einfangen."

Der Reichtum birgt Gefahren

Natürlich gibt es auch viele Fußball-Profis, die Ihr Geld klug anlegen, die nach einigen Jahren in der Bundesliga wirklich ausgesorgt haben. Aber die Welt der Schönen und Reichen, in die die Spieler und ihre Familien hineingeraten, birgt Gefahren: So landet man hier immer wieder an der Schlüsselstelle Spieleragent. Die Beraterbranche wird nicht nur von den Vereinen hofiert und umschmeichelt, sondern auch von Leuten, die Geldanlageprodukte verkaufen wollen, wie der Vermögensberater Andreas Schmidt erklärt.

"Ob seriöse Bank, seriöser Vermögensverwalter oder unseriöse Person, der Spielerberater ist der ideale Ansprechpartner. Denn er hat ein absolutes Vertrauensverhältnis zu dem Sportler. Und wenn ich es schaffe, an den Berater ranzukommen, dann habe ich auch die Chance, entsprechende Spieler zu betreuen. Aber der Markt ist unheimlich zersplittert, es gibt kaum Leute aus dem Finanzwesen, die eine große Anzahl an Sportlern betreuen, das ist unheimlich zerfasert."

Die Spieler verlieren den Überblick

Schmidt spielte selbst als Profi bei Hertha BSC in der Bundesliga und hat erlebt, welche Dynamiken entstehen, wenn man als sehr junger Mensch plötzlich der Topverdiener der Familie ist. Wenn alle möglichen Begehrlichkeiten im Elternhaus, bei der Partnerin oder im Freundeskreis entstehen. Wenn plötzlich alle nicht nur erwarten, dass die Spieler das klischeehafte Leben eines Fußballmillionärs führen, sondern dass sie selbst teilhaben dürfen am Reichtum.

"Natürlich besteht so ein gewisser Gruppenzwang in der Mannschaft. Klar fühlen sich einige auch verpflichtet, Freunde einzuladen, ich kenne Spieler, die ihre Freunde dann auch in den Urlaub miteingeladen haben, das ist so das Verständnis von Freunden und auch von den Spielern selbst, dass man mehr gibt."

Je nach Persönlichkeit verlieren manche Spieler irgendwann den Überblick über ihre Konten, Ausgaben und Investitionen. Sie interessieren sich nicht für dieses Thema, vertrauen falschen Leuten, oder schätzen Risiken nicht richtig ein. Einige landen gegen Bezahlung im Dschungelcamp, wo sie Insekten schlucken und die Fernsehnation zwischen Sensationslust und Mitleid schwankt. Viele andere halten ihren finanziellen Absturz geheim. Um den Spielern solche Schicksale zu ersparen, wird oft schon in den Jugendakademien auf die Bedeutung einer nachhaltigen Karriereplanung hingewiesen.

Helmut Jungheim, der Leiter des Nachwuchsleistungszentrums von Bayer Leverkusen erklärt: "In dieser Übergangsphase, wo die Jungs die ersten Kontakte zum Profibereich bekommen, da sehen die natürlich auf einmal eine andere Welt und die haben dann ihre eigenen ersten Verträge, können sich finanziell deutlich besser bewegen, haben Möglichkeiten, die andere natürlich nicht haben. Und natürlich ist die Versuchung groß, auch in so eine Welt reinzukommen. Wir müssen schon versuchen, diese Dinge immer wieder thematisieren, zu erklären, das tun wir auch auf breiter Ebene inklusive Psychologen und Pädagogen. Trotz allem: Die Versuchung bleibt und die ist auch nicht ganz ohne."

Lizenzpflicht für Berater wurde abgeschafft

Sobald größere Summen im Spiel sind, entsteht um die Fußballer ein Netz aus Interessen und Begehrlichkeiten, Ratschläge treffen da oftmals auf taube Ohren.

"Es gibt auch immer wieder Eltern und Spieler, die man einfach nicht erreicht und auch nicht erreichen kann mit gutem Zureden," sagt Ulf Baranowsky von der Spielergewerkschaft.

Er beklagt zudem, dass die Abschaffung einer Lizenzpflicht für Berater aus dem Jahr 2015 die Lage noch undurchsichtiger gemacht habe.

"Fakt ist, dass der Markt geöffnet wurde, quasi für jedermann und dass immer mehr skurrile Geschichten bekannt werden."

Denn nicht nur die Spieler können Opfer von Beratern werden, auch die Berater hören oft auf die falschen Leute. Besonders gefährdet sind hier Fußballer, aus der zweiten und der dritten Liga, die eine Zeitlang gut verdienen, aber nicht genug, um nach der Karriere vom Ersparten leben zu können. Die Topspieler dagegen müssen heute sehr viel falsch machen, um ihren Reichtum zu verlieren. Denn zum einen lassen sie sich inzwischen von großen Agenturen beraten, die mit seriösen Anlageexperten kooperieren. Und zum anderen ist der Finanzmarkt nicht mehr ganz so tückisch, sagt Schmidt.

"Weil man durch Protokollierungsvorschriften klar ausweisen muss, was wo verdient wird, viele unseriöse Anbieter sind verschwunden durch die Marktregulierung. Also da hat sich einiges verbessert."

Dafür gewinnt ein anderes Problem an Bedeutung. Die Auswertung der Football-Leaks-Unterlagen hat gezeigt, dass Großverdiener wie Cristiano Ronaldo mit komplexen Strategien versuchen Steuern zu sparen. Auch in den so genannten Panama-Papers, die dubiose Geldflüsse aufdecken, tauchen Fußballernamen auf. Diese Woche hat das Bundeskriminalamt diese Daten, die zuvor von einem Journalisten-Konsortium ausgewertet wurden, gekauft. Für fünf Millionen Euro. Gut möglich, dass mancher Fußballprofi deshalb gerade ziemlich nervös ist.

 

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