• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 08:47 Uhr Sport
StartseiteComputer und KommunikationWer Hacker in die Enge treibt...23.07.2011

Wer Hacker in die Enge treibt...

Was bringt die Aktivisten von Anonymous zu ihrem Handeln?

IT-Sicherheit.- Die Bezeichnungen für die Mitglieder von Anonymous sind vielfältig. Sind sie Hacker im klassischen Sinne, Online-Aktivisten oder doch digitale Spaß-Guerilla? Computerjournalist Peter Welchering erläutert im Interview mit Manfred Kloiber, dass die Motivationen jener Anonymen aus sehr unterschiedlichen Richtungen rühren.

"Und diese politisch denkenden Aktivisten sind wohl auch die große Mehrheit bei Anonymous."  (Stock.XCHNG / Brad Martyna)
"Und diese politisch denkenden Aktivisten sind wohl auch die große Mehrheit bei Anonymous." (Stock.XCHNG / Brad Martyna)

Manfred Kloiber: Spaßguerilla, zivilgesellschaftliche Einsatztruppe, Hacker, Digital-Extremisten, Online Kriminelle – die Bezeichnungen und damit auch die Schubladen für die Anonymous-Aktivisten sind vielfältig. Wie breit ist denn tatsächlich das Spektrum, das hier in dieser Gruppe vertreten ist, Peter Welchering?

Peter Welchering: Das ist überraschend breit. Einige wollen tatsächlich damit nur ihren Spaß haben. Und den haben die eben, wenn sie beispielsweise dem Chef von HBGary mal soeben zeigen, dass sie eben doch die besseren Hacker sind, mehr können. Andere verbinden dann aber auch ihre Aktionen mit sehr klaren politischen Aussagen. Und das geht dann über den Spaß hinaus. Und das geht auch darüber hinaus, einfach nur zeigen zu wollen, dass man eben besser ist. Und diese politisch denkenden Aktivisten sind wohl auch die große Mehrheit bei Anonymous. Und dabei gibt es dann einige, die wollen es bei Denial-of-Service-Attacken belassen, weil die sagen: Das sind digitale Sitzblockaden und digitale Sitzblockaden sind erlaubt. Alles andere geht uns zu weit. Die werde allerdings in anderen Fällen dann auch von anderen Aktivisten in einigen Chats auch teilweise wirklich übel beschimpft. Es geht da in der Kritik manchmal sehr hoch her. Und diese anderen Gruppierungen wiederum wollen in Server eindringen, die wollen Informationen herunterholen und veröffentlichen oder Server lahmlegen. Oder sie wollen ganz einfach Systeme abschalten.

Kloiber: Und was treibt diese Menschen an? Warum tun die das, was sie tun?

Welchering: Überwiegend ist das der Kampf um freien Zugang zu Informationen, ist das der Kampf für Meinungsfreiheit. Und da wird das Internet dann, wie Anonymous-Aktivisten das in einer Videobotschaft gesagt haben, auch schon mal als letzte Bastion der Freiheit gesehen. Allerdings muss man auch sehen: Anonymous hat es bisher immer geschafft, diejenigen, die aus rein kriminellen Gründen mitmachen wollen, die sich etwa bereichern wollen, auch fernzuhalten beziehungsweise wieder von denen loszukommen. Damit ist allerdings auch nicht gesagt, dass alle Aktionen legal waren. Der Einbruch in Server stellt natürlich eine Straftat dar. Aber die Anonymous-Aktivisten wollen bei einem solchen Einbruch eben nichts erbeuten, die wollen damit gegen Zensur, gegen Vertuschung, die wollen damit gegen eine Einschränkung von Freiheitsrechten kämpfen. Und deshalb greifen sie auch zu illegalen Mitteln, die sie intern begründen, aber die Natürlich nichtsdestotrotz illegal bleiben.

Kloiber: Sie kennen ja, Herr Welchering, einige Anonymous-Aktivisten auch persönlich, haben sich zum Beispiel mit denen in den Niederlanden getroffen. Was lässt die eigentlich zu solchen illegalen Mitteln greifen?

Welchering: Da werden Rechte anderer massiv verletzt, wurde sehr häufig in diesen Gesprächen gesagt. Und das ist insgesamt auch ein sehr häufig festzustellendes Motiv. Und ich habe in diesen Gesprächen auch gemerkt, dass es da eine sehr intensive Diskussion darüber gibt, welche Protestformen denn zulässig sind und welche nicht. Und im vergangnen Jahr beispielsweise habe ich den Kampf um WikiLeaks und die Attacken gegen Mastercard auch hier im Deutschlandfunk kommentiert und darauf hingewiesen, eigentlich hätten sich ja beide Seiten hier vom Rechtsstaat verabschiedet. Und es gab daraufhin einige Anonymous-Aktivisten, die daraufhin Kontakt gesucht haben. Und die haben mit mir ziemlich intensiv darüber diskutiert, dass das für sie eine Art Notwehr-Situation war. Und sie wollten ja Notwehr für sich geltend machen. Das Problembewusstsein vieler Anonymous-Aktivisten ist also ziemlich hoch. Das sollte man weder unterbewerten noch geringschätzen.

Kloiber: Was sind das eigentlich für Menschen, die sie da kennengelernt haben?

Welchering: Also die ich kennengelernt habe sind natürlich nicht das gesamte Spektrum von Anonymous. Aber die haben in der Regel tatsächlich beruflich mit Informationstechnologie zu tun. Die sind übrigens unterschiedlich alt. Es waren 21-Jährige dabei, es war ein 49-Jähriger dabei. Und diese Menschen argumentierten in der Regel von einem sehr durchdachten politischen Standpunkt aus. Teilweilweise allerdings – das muss man auch sagen – spitzten sie dann ihre Lagebeurteilung auch ziemlich zu. Aber dass mit Kant oder Adorno eine Denial-of-Service-Attacke begründet wird, das habe ich erst in der Diskussion mit Anonymous-Aktivisten erlebt.

Zum Themenportal "Risiko Internet"

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk