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Werben für Windkraft im Waldgebiet

In der Südpfalz sollen Windräder Strom liefern

Von Ludger Fittkau

Ein Windrad kann doch so schön sein
Ein Windrad kann doch so schön sein (AP)

In der Südpfalz schlagen Sozialdemokraten vor, das Verbot für Windräder im Biosphärenreservat Pfälzer Wald aufzuheben. Lediglich ein Drittel des Gebietes soll windkraftfrei bleiben. Doch es gibt Gegenwind - aus der eigenen Partei.

Betty Hochschneider sitzt mit einer Freundin an einem warmen Frühlingstag beim Frühstück im Straßencafé von Landstuhl. Die beiden gehören zu der Gemeinschaft der rund 50.000 US-Soldaten und ihren Angehörigen, die in der Gegend stationiert sind. Von ihrem Platz aus schauen die beiden Amerikanerinnen direkt auf den Pfälzer Wald. Außer auf viel Grün fällt ihr Blick nur auf eine alte Burg. Noch, denn schon bald könnten auf den dicht bewaldeten Hügeln auch Windräder stehen. Das würde sie nicht stören, sagt Betty Hochschneider:

"Ich glaube, überall auf der Welt ist man von der Energiekrise betroffen und überall müssen wir die Folgen reduzieren, die wir auch anderen Ländern durch unseren Energieverbrauch zumuten. Also müssen wir nach anderen Quellen suchen."

Wie den Wind im Pfälzer Wald. Das sieht nicht nur Betty Hochschneider so, sondern das denken auch die Sozialdemokraten in der Südpfalz. Sie haben vorgeschlagen, das bisher geltende absolute Verbot für Windräder im Biosphärenreservat Pfälzer Wald aufzuheben und Windräder auf die bewaldeten Höhen zu stellen. Lediglich ein Drittel des bisher geschützten Gebietes soll weiterhin windkraftfrei bleiben.
Doch einer der mächtigsten Sozialdemokraten der Region, der Kaiserslauterer Oberbürgermeister Klaus Weichel, ist gar nicht begeistert von den Ideen seiner Genossen im Nachbarkreis. Weichel wehrt sich zwar nicht grundsätzlich dagegen, auch in Wäldern Windräder zu bauen.

"Aber jetzt muss man unterscheiden, zwischen dem Pfälzer Wald, der ja gleichzeitig Biosphärenreservat ist und Naturpark, und zwar auch grenzüberschreitend, dann würden wir die französische Seite sehr brüskieren und Wald an sich."

Kaiserslautern gehört nicht mehr zur Südpfalz, sondern ist Teil der Westpfalz, in der ein Großteil des Pfälzer Waldes liegt. Weichel ist Vorsitzender der dortigen Planungsgemeinschaft der Städte und Gemeinden. Bisher konnte die selbst festlegen, welche Flächen für Windenergie genutzt werden und welche ausgeschlossen sind. Jetzt befürchtet Weichel, dass die Landesregierung diese Kompetenz an sich zieht:

"Die Landesregierung hat nun geplant, die Ausschluss-Flächen nicht mehr der Planungsgemeinschaft zu überlassen, sonder das von Landesseite zu regulieren. Und in diesem Zug könnte es passieren, dass der Wald, der bisher als Ausschlussfläche galt, fällt."

Bei dieser Vorstellung schlagen in der Brust des Forstamtsleiters Theodor Ringeisen in Pirmasens zwei Herzen. Einerseits ist er Mitarbeiter des "Staatsbetriebes Landesforsten Rheinland-Pfalz ", einem der größten Grundbesitzer im Pfälzer Wald. Und der kann, dank des Energieeinspeisegesetzes, bis zu 40.000 Euro pro Jahr verdienen, wenn er seinen Grund und Boden für eine Windkraftanlage zur Verfügung stellt. Auch wenn die Marktpreise für Holz im Augenblick wieder höher sind als vor ein paar Jahren: Die staatlichen Forstämter sind immer darauf erpicht, sich mit dem Wald andere Einnahmequellen zu erschließen, um die Staatskasse zu entlasten. Doch Ringeisen ist auch Vorsitzender des Naturschutzbeirates des Landkreises Süd-Westpfalz:

"Eine Gesellschaft wie die unsere sollte sich das leisten, bestimmte Landschaftsteile eben auch in ihrer Ursprünglichkeit zu bewahren. Auch für die nächsten Generationen. Und wenn man es von der Fläche her sieht, dann macht der Naturpark Pfälzer Wald gerade einmal neun Prozent der Fläche von Rheinland-Pfalz aus. Und ich würde es nicht für einen Luxus halten, wenn man solche Flächen in ihrer Ursprünglichkeit erhält."

Der Förster von Pirmasens und der Oberbürgermeister von Kaiserslautern schlagen nun vor, die Windräder nicht mitten den Pfälzer Wald zu bauen sondern auf waldfreie Flächen am Westrand des Biosphärenreservates. Westrich, so heißt das Dreieck zwischen Pirmasens, Zweibrücken und Landstuhl, das nicht mehr zum eigentlichen Pfälzer Wald gehört.

"Im Bereich des Westrich und auch der Sickinger Höhe gibt es viele Flächen, die für Windkraftnutzung vorgesehen und bisher nur zu einem Drittel genutzt sind."

Aber: Es gibt mitten im Pfälzer Wald arme Gemeinden, die könnten das Geld, das ihnen ein Windrad in die Kassen fließen lassen würde, gut gebrauchen. Die finden es ungerecht, das sie nicht vom bevorstehenden Windkraftboom profitieren sollen, stattdessen aber die Dörfer 20 Kilometer weiter westlich.
Und auch die Landesforsten Rheinland-Pfalz sind von ihrer Idee nicht so begeistert, das ist den beiden Verteidigern des Waldes klar. Also führen sie noch ein weiteres Argument ins Feld, dem sich die Gemeinden ebenfalls nicht verschließen können: Die Windräder könnten die Touristen verschrecken, befürchtet Weichel. Und damit einem wichtigen Wirtschaftszweig schaden. Doch kommen die Touristen wirklich nicht mehr in den Pfälzer Wald, wenn auf den Höhen Windräder stehen? Betty Hochschneider im Landstuhler Eiscafe schüttelt den Kopf:

"Die Leute kommen, weil sie die Städte und das Land mögen und die Leute. Es spielt doch keine Rolle, ob du ein Windrad auf dem Hügel hast oder nicht."

Für die Touristen vielleicht nicht, für die US-Armee aber schon. Denn ganz in der Nähe liegen die An- und Abflugschneisen der Ramstein Airbase, eines der größten US-Flughäfen außerhalb der Vereinigten Staaten und einer der größten Arbeitgeber in der Region. Bis zu 200 Meter hoher Windräder auf Hügeln rund um Ramstein? Da wird man Washington wohl fragen müssen, ob das wirklich eine so gute Idee ist. Und so könnte es am Ende das Pentagon sein, das den heimischen Politikern einen Strich durch die geplante Energiewende macht.

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