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West-Ost-Gefälle in Sportvereinen

Mitgliederzahlen schwanken in Deutschland stark

Von Thomas Purschke

Ein Schüler der KJS (Kinder- und Jugendsportschule) Friedrich-Ludwig Jahn beim Turnen an den Ringen,
Ein Schüler der KJS (Kinder- und Jugendsportschule) Friedrich-Ludwig Jahn beim Turnen an den Ringen, (picture alliance / dpa /Manfred Uhlenhut)

Nahezu 23 Jahre nach dem Mauerfall weist die Sportlandschaft zwischen den alten und den neuen Bundesländern, was die Zugehörigkeit in Sportvereinen anbelangt, noch immer große Unterschiede auf.

Schaut man sich die Analyse des Deutschen Olympischen Sportbundes DOSB zur "Mitgliederentwicklung im Sportverein" für den Zeitraum 2000 bis 2010 an, dann sprechen die Zahlen für sich. Ein Bewertungskriterium betraf den Organisationsgrad, also die Mitgliedschaft in einem Sportverein in den einzelnen Bundesländern. Während im Saarland fast 40 Prozent der Menschen einem Sportverein angehören, bildet das Land Brandenburg mit etwas mehr als 12 Prozent das Schlusslicht. Auch mehr als zwei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung ist ein erhebliches West-Ost-Gefälle im Vereinssport feststellbar.

Während sich die Flächenländer im Westen zwischen circa 28 Prozent in Nordrhein-Westfalen und annähernd 40 Prozent im Saarland bewegen, ist Thüringen mit nur circa 17 Prozent schon Spitzenreiter unter den Flächenländern im Osten.

Dieses West-Ost-Gefälle fällt im Leistungssport gar nicht so auf. Da sind die ehemaligen Zentren des DDR-Sports weitestgehend erhalten geblieben. Und diese sorgen damit größtenteils auch für kontinuierliche Medaillenlieferungen bei Olympischen Spielen und anderen Sportereignissen. Aber an der Basis sieht es anders aus, sagt Manfred Kruczek, einst ehrenamtlicher Abteilungsleiter für Triathlon einer Potsdamer Betriebssportgemeinschaft:

"Es wird ja allgemein angenommen, in der DDR hätten pausenlos alle Kinder und Jugendlichen Sport getrieben. Die tatsächlichen Zahlen sehen anders aus. Wir haben heute in den neuen Bundesländern circa 50 Prozent mehr Mitglieder in den Sportvereinen. Hier ist eine positive Entwicklung in den letzten 22 Jahren durchaus zu verzeichnen. Auf der anderen Seite trotz dieses starken Anstieges um circa 50 Prozent in der Sportbeteiligung ist im Bundesdurchschnitt jeder Dritte in einem Sportverein und in den neuen Ländern ist es jeder Sechste, jeder Siebte. Das heißt also, wir haben hier noch einen riesengroßen Nachholbedarf, was die Vereinsbindung betrifft, wenn also im Land Brandenburg knapp 13 Prozent der Bevölkerung einem Sportverein angehören und im Bundesdurchschnitt 34 Prozent."

Der im DOSB für Breitensport verantwortliche stellvertretende Direktor Andreas Klages erklärte dem Deutschlandfunk dazu, "dass die strukturell vereinsfeindlichen politischen Rahmenbedingungen im Nationalsozialismus und der DDR zu einer langen Unterbrechung der Vereinsentwicklung und Tradition in den neuen Bundesländern geführt haben". Zudem verweist Klages auf ein ähnliches Phänomen bei den Sportstätten in der DDR, wo aufgrund der ideologiebedingten Überbetonung des Leistungssports die finanziellen Mittel für Breitensportanlagen, vielfach nicht mehr vorhanden waren. Beide Faktoren bedingen sich gegenseitig.
Dennoch gebe es "in den Vereinen in den neuen Ländern ein Mitgliederwachstum, welches im Vergleich zu den westlichen Bundesländern zwar auf einem geringeren Niveau, aber gleichwohl stetig ist."

Nachdem seit der Wiedervereinigung in einer einzigartigen Aufbauleistung und durch Fördergelder von Bund, Land und Kommunen, darunter der "Goldene Plan Ost" und das Konjunkturpaket II der Bundesregierung", viele neue Sporthallen und Anlagen in Ostdeutschland entstanden sind, gibt es aktuell nun andere Problemfelder.

Zum einen sind heute vielfach zunehmend strukturell unterfinanzierte Kommunen in Ost und West kaum noch in der Lage, beim Sanierungsbedarf ihrer Sportstätten nachzukommen, geschweige denn neue Sporthallen zu errichten. Die Demografie-Erhebungen belegen zudem, dass unsere Gesellschaft schrumpft und immer älter wird.

Historisch bedingt wirkt das Erbe der DDR noch immer bis heute nach: Die hauptsächliche Ausrichtung ostdeutscher Vereine auf den Wettkampfsport. Der Potsdamer Breitensportler Manfred Kruczek erklärt dazu:

"Das erkennt man daran, dass viele Vereine gerade auf dem Lande nur eine Sportart haben, dass ist in aller Regel Fußball männlich und damit fehlen natürlich oftmals Angebote für Mädchen, für Frauen und auch für Ältere. Also Tanzgruppen, Gymnastikgruppen, Wandergruppen. Hier ist es wichtig, dass Anreize geschaffen werden für Vereine sich in dieser Form diesem Bedarf zu öffnen."

Der DOSB-Präsident Thomas Bach indes hatte dem Landessportbund Brandenburg zu dessen 20-jährigen Bestehen vor zwei Jahren attestiert, er sei ein "Leuchtturm des deutschen Sports". Offenbar ist dies allerdings der verengte Blick auf den Leistungssport. Denn die aktuellen Mitgliederzahlen in den brandenburgischen Sportvereinen - wenngleich im Jahr 2011 eine minimale Steigerung von 0,3 Prozent feststellbar ist -, stellen immer noch das Tabellenende aller 16 Bundesländer dar.

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