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StartseiteEuropa heuteWider eine falsch verstandene Toleranz16.01.2008

Wider eine falsch verstandene Toleranz

Porträt des Journalisten Mohamed Sifaoui

Der aus Algerien stammende Journalist Mohamed Sifaoui gilt in Frankreich als Spezialist der Islamistenszene: Der Mann, der 1999 nach einem Attentat auf seine Redaktion Algerien verließ und seitdem in Frankreich lebt, infiltrierte eine in Paris operierende Al-Kaida-Zelle. Als mündiger Bürger, Journalist und Moslem sei er es sich schuldig - so Mohamed Sifaoui - einen politisch instrumentalisierten Islam zu bekämpfen. Margit Hillmann hat den Journalisten in Paris getroffen.

Lebt heute in Paris: der algerische Journalist Mohamed Sifaoui.  (AP)
Lebt heute in Paris: der algerische Journalist Mohamed Sifaoui. (AP)

In dem kleinen Büro einer Pariser TV-Produktionsfirma im 17. Pariser Arrondissement sitzt Mohamed Sifaoui bequem zurückgelehnt in einem schwarzen Ledersofa und telefoniert. Der 43-jährige Journalist, der in Frankreich als Kenner der Islamistenszene einer breiten Öffentlichkeit bekannt ist, war schwer ausfindig zu machen: auf seiner Homepage gibt es keinen direkten Emailkontakt, seine Telefonnummer bekommt man - wenn überhaupt - nur über Dritte und seine Adresse wird streng geheim gehalten. Eine Frage der Sicherheit, denn radikale Muslime drohen Mohamed Sifaoui mit dem Tod. Morddrohungen, die das französische Innenministerium ernst nimmt: Sifaoui wird permanent von Polizeibeamten in Zivil begleitet.

" Die Drohungen, Einschüchterungsversuche und Angriffe der Islamisten richten sich gegen mich als demokratischen und laizistischen Moslem. Es gibt heute in Frankreich fundamentalistische Muslime, die nicht zulassen wollen, dass ihre Dogmen und islamistische Ideologie von anderen Muslimen kritisiert werden.""

Doch er lasse sich von den Islamisten nicht einschüchtern, sagt Mohamed Sifaoui entschlossen. Als Journalist fühle er sich verpflichtet, die Öffentlichkeit über die extremistische Bewegung zu informieren. Ihre Wortführer, sagt Sifoui, würden unter dem Deckmantel der Religion, faschistische" Ideen verbreiten.

"Ein Islamist gibt sich nicht offen zu erkennen. Seine Reden müssen dechiffriert und die sich dahinter verbergende Ideologie muss sichtbar gemacht werden. Das ist besonders wichtig für die westlichen Gesellschaften, die das wahre Gesicht des Islamismus lange nicht sehen wollten. Man hat hier den Islamismus mit dem Islam verwechselt und geglaubt, diese Leute repräsentierten die Muslime und den Islam. " "

Das 'wahre Gesicht' der Islamisten kennt Mohamed Sifaoui besser als ihm lieb ist. Als Journalist in Algerien erlebte er in den 90er Jahren Aufstieg und Terror der algerischen Islamisten. Bei einem Bombenattentat der Islamisten auf seine Redaktion entkam er - anders als seine Kollegen - knapp dem Tod und floh nach Frankreich. Doch seine journalistische Arbeit sei nicht etwa eine späte persönliche Rache oder Revanche, betont Mohamed Sifaoui immer wieder. Damit reagiert er auf vereinzelte Vorwürfe französischer Kollegen, die ihn als "selbsternannten Islamistenjäger" mit paranoiden Zügen bezeichnet hatten. Sifaoui schüre die Angst vor dem Islam, so ihre Kritik. Der Journalist reagiert darauf empfindlich.

Er wisse nicht, was das heißen soll, entgegnet er und fragt: Soll ich unbequeme Fakten unterschlagen? Und dann beklagt er die politische Korrektheit, die eine Auseinandersetzung mit dem europäischen Islamismus verhindere. Eine falsch verstandene Toleranz, die von Islamisten schamlos ausgenutzt werde, ist Sifaoui überzeugt. Zum Beispiel beim Streit um die Mohamed-Karikaturen. In Frankreich endete die Affäre vor einem Gericht. Muslimische Organisationen hatten ein französisches Satireblatt wegen "öffentlicher Beleidigung einer Personengruppe aufgrund ihrer Religion" verklagt, weil die Zeitung die dänischen Zeichnungen veröffentlicht und eigene Karikaturen hinzugefügt hatte. Der Chefredakteur des Satireblatts wurde zwar vom Gericht freigesprochen. - Aber für Mohamed Sifaoui war es der offene Versuch muslimischer Fundamentalisten, die französische Pressefreiheit einzuschränken. "Wenn sie könnten", ist Sifaoui sicher, "würden sie jede Kritik am Islam verbieten und bestrafen lassen".

"Diese Leute verteidigen extremistische Positionen, die mit einer modernen Demokratie nicht zu vereinbaren sind: wie in Sachen Frauenrechte, Rechte der Homosexuellen usw. Rechtsextreme werden im Westen mit Recht bekämpft. Warum verhält man sich extremistischen Muslimen und ihren Propagandisten gegenüber so nachsichtig?! "

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