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StartseiteCampus & KarriereWie ein Ei dem anderen25.08.2010

Wie ein Ei dem anderen

Studie: Hochschulen nutzen Leitbilder kaum zur differenzierten Selbstdarstellung

Wie denken Hochschulen eigentlich über sich selbst? Das formulieren die Einrichtungen in ihren sogenannten Leitbildern. Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft hat die Leitbilder der deutschen Hochschulen untersucht - und dabei kaum Unterschiede festgestellt.

Volker Meyer-Guckel im Gespräch mit Ulrike Burgwinkel

Fachhochschule, Universitäten, Exzellenz-Zentren - ihre Leitbilder ähneln einander. (Stock.XCHNG / Greg Olsen)
Fachhochschule, Universitäten, Exzellenz-Zentren - ihre Leitbilder ähneln einander. (Stock.XCHNG / Greg Olsen)
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Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft

Ulrike Burgwinkel: Zukünftige Studierende und deren Eltern, Gastwissenschaftler, spendierfreudige Unternehmen oder auch investitionsinteressierte Unternehmen, vielleicht noch Bildungspolitiker, sie alle schauen im Netz auf die Homepage einer Hochschule. Viel hat sich da in den letzten Jahren getan, ist übersichtlicher geworden, auch marktgerechter. Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft hat die Leitbilder der Hochschulen unter die Lupe genommen. Dr. Volker Meyer-Guckel ist als stellvertretender Generalsekretär mein Fachkontakt – guten Tag nach Berlin!

Volker Meyer-Guckel: Ja, ich grüße Sie, schönen guten Tag!

Burgwinkel: Herr Meyer-Guckel, wie haben Sie denn überhaupt Leitbilder definiert?

Meyer-Guckel: Ja, Leitbilder können ja idealerweise das Profil einer Hochschule beschreiben, für die Zielgruppen, die Sie in Ihrer Anmoderation genannt haben, sie können auch identitätsstiftend werden und sie können auch und sollten eigentlich auch Grundlage für strategische Entscheidungen in der Hochschule bilden, die dann eine Hochschulentwicklung auch vorantreiben. Das ist allerdings, wenn man sich die Leitbilder anschaut, dann in der Realität doch nicht so.

Burgwinkel: Wie ist es denn in der Realität?

Meyer-Guckel: Na ja, also unsere Erwartungen an die Unterschiedlichkeit solcher Leitbilder waren von vornherein nicht besonders groß, das liegt jetzt an der besonderen Textsorte. Also Hochschulleiterbilder sind ja Ergebnisse innerhochschulischer Konsensprozesse. Das ist dann mit vielen Angehörigen der Hochschule durchgesprochen, durch viele Gremien durchgeschleust und verabschiedet. Und am Ende wird das so geschliffen von allen Hochschulgruppen, dass wirklich Ununterscheidbares, Mutiges, wirklich Profilbildendes und Unterscheidbares zu anderen Hochschulen dann nicht mehr viel übrig bleibt.

Burgwinkel: Deshalb sehen die sich auch oft sehr ähnlich. Ich habe mal so ein paar Sachen mir angeschaut und dachte: Oh, das klingt ja alles ziemlich gleich.

Meyer-Guckel: Ja, das ist wirklich der Fall. Also interessanterweise beschreiben die Hochschulleitbilder das, was im Hochschulgesetz des jeweiligen Landes oft ohnehin schon beschrieben ist, also Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, Interdisziplinarität, Forschung und Lehre auf hohen Niveau, Kooperation mit Wirtschaft und Gesellschaft – das taucht fast überall auf, aber überall so ununterscheidbar, dass man sich es auch hätte sparen können. Interessanter ist dann schon, was nicht auftaucht. Das ist auch sozusagen Gegenstand der Untersuchung gewesen, die sogenannten Blindspots. Zum Beispiel bei den Themen Weiterbildung und Wissenstransfer, immerhin in den Hochschulgesetzen festgeschrieben, da äußern sich nur zwei Drittel der Leitbilder überhaupt dazu. Da sehen Sie schon, dass es da ganz unterschiedliche auch Schwerpunktsetzungen derjenigen gibt, die diese Leitbilder verfassen. Das sind eben zumeist die Professoren und die denken eben immer noch von den Schwerpunkten Forschung und Lehre her. Das merkt man auch sehr, dass es sehr Status-quo-getrieben ist, ein solches Leitbild, also eher nicht in die Zukunft schauend, wo könnte die Reise hingehen mit der Hochschule, sondern eigentlich nur das beschreibt, was man macht, und das im Wesentlichen sehr angebotsorientiert. Vielleicht noch ein Hinweis, was kaum auftaucht, das sind auch hochschulrelevante Themen: Personalentwicklung, Dialog mit der Öffentlichkeit, Dienstleistung an die Studierenden – das sind ja möglicherweise die, die sich für solche Leitbilder interessieren, die tauchen kaum auf als Zielgruppe in den Texten, das findet man höchstens bei ein Viertel aller Leitbilder.

Burgwinkel: Also das sollte Ihrer Meinung nach auf jeden Fall mehr Berücksichtigung finden. Ist es denn eigentlich so, dass die Universitäten, also die alten klassischen Unis, doch noch so ein bisschen andere Vorstellungen haben als die Fachhochschulen, und drückt sich das in diesen Leitbildern aus, jetzt mal bitte nicht nur von den Hochschulgesetzen her, die da verklausuliert wiedergegeben werden? Konnten Sie da was feststellen?

Meyer-Guckel: Ja, das ist auch interessant. Man sollte ja meinen, dass mindestens zwischen den beiden Hochschultypen wirklich relevante Unterschiede auffallen. Wenn Sie das Wort Forschung durch anwendungsorientierte Forschung ersetzen, dann tauchen die Stichworte in fast gleicher Verteilung auf wie bei den Hochschulen. Da ist auch von Exzellenz der Lehre die Rede, auch von Exzellenz der Forschung. Ich habe mir mal den Spaß gemacht, meinen beiden Töchtern zwei Passagen vorzulesen, das eine war die einer Exzellenz-Uni und das andere war eine kleine Fachhochschule, stand absolut identisch drin, und die haben es auch nicht erraten, wer was formuliert hat. Also es ist nicht einfach, da Unterschiede festzustellen. Man muss allerdings sagen, Fachhochschulen durch ihre Tradition – die sind ja meistens aus Schultypen entstanden, Fachschulen entstanden – sind da, was die Profilebeschreibung angeht, ein bisschen differenzierter als die wirklich großen Universitäten.

Burgwinkel: Was würden Sie denn empfehlen, auch vielleicht als Alleinstellungsmerkmal, wenn man gute Köpfe an die Uni holen möchte, oder jetzt mit den Stipendienprogrammen, da muss man auch gucken, dass man Sponsoren findet. Eine Vision wäre ja vielleicht auch nicht schlecht?

Meyer-Guckel: Ja, also ich glaube, die Hochschulen sind wirklich auch herausgefordert, jetzt, wenn es darum geht, um die geringer werdenden öffentlichen Mittel in Zukunft gegeneinander zu kämpfen, auch um Studierende zu werben, wirklich noch mal das herauszustellen, was die Hochschule im Besonderen ausmacht – im Unterschied zu den Mitbewerbern und nicht im Gleichschritt mit ihren Mitbewerbern. Das gelingt nur wenigen. Und was auch auffällt, ist, dass es eigentlich in diesem Typus Text – ich hatte das schon mit dem Stichwort Angebotsorientierung beschrieben – kaum ein Gespür dafür gibt, dass man sich auf Dinge, die die Gesellschaft an die Hochschulen heranträgt, einlässt. Also zum Beispiel ist nirgendwo davon die Rede, dass man sich nicht-traditionellen Studierendengruppen aktiv zuwendet, mit eigenen Angeboten. Es ist nicht von einer besonderen pädagogischen Leitidee die Rede. Wenn Sie sich mal in Holland anschauen, die Universität Maastricht, die definiert sich durch eine pädagogische Leitidee, da wird jedes Lehrmodul in einer besonderen Weise gelehrt. Das findet man alles nicht, also Aussagen zur wirklichen Innovation in der Lehre, zu der Entwicklung, die diese Hochschule gehen will, und auch zu dem Profil innerhalb einer Region, das sollte in Zukunft stärker betont werden.

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