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Wie viel CO2 steckt in der Banane?

Ein Siegel soll bei der Kohlendioxid-Reduktion helfen

Von Philip Banse

Ist dabei jetzt viel oder wenig CO2 entstanden? Der Banane selbst sieht man es nicht an.
Ist dabei jetzt viel oder wenig CO2 entstanden? Der Banane selbst sieht man es nicht an.

Äpfel aus Neuseeland haben eine schlechtere CO2-Bilanz als heimisches Obst vom Bauern aus der Region. Bislang ist es für Verbraucher jedoch schwierig abzuschätzen, wie viel Kohlendioxid bei Produktion und Transport eines Produkts überhaupt entstanden ist. Ein neues Label, soll für Klarheit sorgen: "Stop Climate Change".

Optisch sieht das Siegel wie ein Globus aus: grünes Land auf blauem Meer, darin der Schriftzug "Emission free - Stop Climate Change", also "Emissionsfrei, Stoppt den Klimawandel". Wer Produkte mit so einem Siegel kauft, kann davon ausgehen, dass durch diese Produkte unter dem Strich keine zusätzlichen klimaschädlichen Gase entstanden sind. Jeder fragt sich natürlich: Wie überprüft man das? Nun, als erstes Produkt haben heute die Bananen des Importeurs Biotropic das "Stop Climate Change"-Siegel erhalten. An diesen Bananen lässt sich das gut erklären. Die Firma Agra-Teg, eine Ausgründung der Uni Göttingen, untersucht zunächst: Wie viel CO2 wird in die Luft geblasen - bei der Produktion des Düngers für die Bananen, beim Anbau der Bananen, beim Transport mit dem Schiff nach Rotterdam, bei der Nachreifung im Lager, beim Transport in den Handel. Diese Untersuchung beziehen jede nur denkbare Quelle ein, bei der CO2 in die Atmosphäre gelangt, sagt Jörg Heinzemann, Erfinder des Systems:

"Wir schauen also nicht nur: Wie viel Schweröl verbraucht das Schiff? Wie viel CO2 kommt aus dem Schweröl heraus? Sondern wir schauen auch: Wie hoch sind die CO2-Emissionen bei der Produktion des Schiffes?"

Wenn feststeht, wie viel CO2 durch die Bananen produziert wird, überprüft Agra-Teg zunächst, wo der CO2-Ausstoß verringert werden kann, sagt Agraringenieur Heinzemann:

"Im Fall von Biotropic war es dann so, dass die sehr schnell festgestellt haben, dass sie mit einem Partner arbeiten, der sehr viel Energie für die Reiferei verbraucht, ungefähr drei Mal so viel, wie mit modernen Verfahren möglich. Und das hat dann - unter anderem - dazu geführt, dass Biotropic eine eigene Lagerstätte mit einer eigenen Reiferei baut. Das ist also die erste Minderungsmaßnahme, die sofort eingetreten ist."

Für das CO2, was dann immer noch produziert wird, muss das Unternehmen dann eine Ausgleichsmaßnahme bezahlen. Der Bananenhändler Biotropic hat Geld dafür ausgeben, dass in Russland ein Kraftwerk seinen Strom nicht mehr mit Öl erzeugt, sondern mit CO2-neutralem Holz, das nur CO2 freisetzt, was die Bäume zuvor gebunden haben. Am Ende des Jahres wird überprüft: Wurde durch die Ausgleichsmaßnahme so viel Treibhausgas eingespart, wie bei der Bananenproduktion entstanden ist? Wenn ja, erhält die Banane das Siegel. Das Problem bei diesem Verfahren besteht darin, genau zu prüfen, wie viel CO2 freigesetzt wird, sagt Erfinder Heinzemann:

"Es sind im Moment - obwohl viele Institute dran arbeiten - noch nicht ausreichend Daten verfügbar darüber, wie viel Emissionen bei was entstehen. Wir sind zum Beispiel nicht an Daten herangekommen, was bei der Bananenproduktion selber passiert. Wir mussten wirklich dann genau selber erheben, wie viel Dünger eingesetzt wird, wir haben auch genau die Strecken für die Düngertransporte ausgerechnet etc. Das können sie nicht einfach so aus dem Internet nehmen."

Mit noch mehr Forschung werde die Datenbasis allerdings besser. Trotz des hohen Aufwands, seien die Kosten für kleine und mittelständische Unternehmen überschaubar. Wer das CO2-Siegel für sein Produkt haben möchte, muss alles in allem rund 5.000 Euro investieren, sagt Heinzemann. Diese Kosten würden die Unternehmen an die Verbraucher weiter reichen. Ein Kilo Bananen verteure sich durch das CO2-Siegel jedoch nur um 3 Cent pro Kilo. Neben dem Bananenhändler planten noch drei weitere Öko-Unternehmen eine CO2-Neutralitäts-Zertifizierung ihrer Produkte. Wirklich wichtig sei das Siegel jedoch nicht für Vierkornbrot und Bio-Creme, sagt Rainer Grießhammer, stellvertretender Geschäftführer des Freiburger Ökoinstituts:

"Es sind hauptsächlich die großen Produkte. Das sind die Autos, das ist eine Ausweisung auf der Strom- und Heizkostenrechnung und bei den großen Haushaltsgeräten. Das sind im Prinzip die großen Verbraucher. Ernährung ist auch sehr bedeutend, aber das ist eben verteilt auf hunderte verschiedene Lebensmittel, die als einzelnes Lebensmittel dann weniger beitragen, als ein Auto oder ein Haushaltsgerät."

Bis das Siegel wirklich überall in den Läden auftaucht, können Verbraucher sich an folgende Faustregel halten: Je mehr ein Produkt bearbeitet wurde, desto mehr CO2 wurde produziert, auch tierische Produkte sind tendenziell klimaschädlicher als pflanzliche. Und: Auch die hoffnungsvollste CO2-Bilanz ist im Eimer, wenn das Produkt geflogen wird.



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