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"Wie wirklich ist die Wirklichkeit?

Verschwörungstheorien und ihr Einfluss auf die Politik"

Peter Haischer und Christina Janssen

Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001
Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 (AP)

<em>Das erste, was die Leute tun, wenn ein unerwartetes Ereignis eintritt, ist, über Verschwörungstheorien nachzudenken. Ein Beispiel ist der Flugzeugabsturz von John F. Kennedy junior 1999. Sofort danach sind die Leute ins Internet gegangen und haben diskutiert, wie das mit der Ermordung von Präsident Kennedy 1963 zusammenhängt. Dass es immer noch diese Verschwörung gibt, die wir nie aufgedeckt haben! Und dass sie jetzt auch den Sohn getötet haben.</em>

Ihren geschickten Manipulationen entgeht nichts. Dort, wo das Chaos herrscht, sind sie zuhause. Vom Brand von Rom bis zu den Schrecken der Globalisierung - hinter allem verbergen sich Verschwörer, die nie in Erscheinung treten. Doch ihre Untaten hinterlassen Spuren, an denen die dunklen Mächte, wenn auch unscharf, zu erkennen sind.

So denken Verschwörungstheoretiker, und bis vor kurzem blieben sie, wie es sich für Konspirologen gehört, unter sich. Mit dem 11. September 2001 hat sich das geändert. In Deutschland, in Europa, ja der Welt erfreuen sich Verschwörungstheorien derzeit größter Beliebtheit.
Was aber genau sind Verschwörungstheorien? Wie entstehen sie? Und nehmen sie wirklich Einfluß auf das Weltgeschehen? In seinem Buch "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde" gibt der Philosoph Karl Popper eine knappe, aber präzise Definition:

Diese Theorie behauptet, dass die Erklärung eines sozialen Phänomens in dem Nachweis besteht, dass gewisse Menschen oder Gruppen an dem Eintreten dieses Ereignisses interessiert waren, und dass sie konspiriert haben, um es herbeizuführen. Ihre Interessen sind verborgen und müssen erst enthüllt werden.

Ein Beispiel aus der Geschichte: Die Illuminaten. Ein mysteriöser Geheimbund, der bis heute auf Verschwörungstheoretiker große Anziehungskraft ausübt.
Die Fakten: 1785 wurde der Illuminatenorden verboten. Hinter seinen Aktivitäten vermutete die absolutistische Regierung Bayerns eine Gefahr für den Staat. Ihr Gründer, Adam Weishaupt, wollte die Gesellschaft durch eine im Verborgenen arbeitende Gruppe von Intellektuellen im Sinne der Aufklärung verändern. Adolf Freiherr von Knigge, einer der umtriebigsten Illuminaten, beschrieb das Programm des Geheimbundes:

Die Tugend kann durch Predigten und Lehren nicht zum Siege geführt werden. Was sollen wir also tun? Revolutionäre begünstigen, Gewalt mit Gewalt vertreiben, Tyrannen gegen Tyrannen tauschen? Das sei fern von uns. Man muss um die Mächtigen der Erde eine Legion von Männern sammeln, die unermüdlich sind, alles zum Besten der Menschheit zu leiten.

An die Illuminaten knüpft die erste moderne Verschwörungstheorie an. Sie stammt von dem Franzosen Augustin Barruel. Der Jesuitenpater behauptete, die Französische Revolution sei das Ergebnis einer Konspiration. Dazu der Innsbrucker Historiker Helmut Reinalter:

Das erste wissenschaftliche systematische Werk über Verschwörungstheorien ist unmittelbar nach der Französischen Revolution entstanden, Barruel heißt der Autor, wo er die Schuld an der Französischen Revolution in dreifacher Weise erklärt, er entwickelt nämlich eine Stufen-Verschwörungstheorie, die Philosophie der Aufklärung als erste Stufe, die Freimaurer und der Geheimbund der Illuminaten als zweite Stufe und sozusagen als dritte und Vollendungsstufe die Jakobiner während der französischen Revolution. Es ist natürlich kein Zufall, dass die Verschwörungstheorien sich besonders nach der Französischen Revolution in Europa entwickelt haben.

Denn die Illuminaten waren keineswegs der einzige Geheimbund des 18. Jahrhunderts. Da gab es neben den Freimaurern den Tugendbund, die Deutsche Union, den Mopsorden, die Gold- und Rosenkreuzer. Aufklärung und Mystik gingen in diesen Bünden zuweilen eine widersprüchliche Verbindung ein.

Doch Geheimbünde hatten durchaus ihren Sinn in der Zeit des Übergangs von einer geschlossenen zu einer offenen Gesellschaft. Sie waren eine Möglichkeit, der staatlichen Aufsicht zu entrinnen, ständeübergreifend und unbeobachtet aufklärerische Themen zu diskutieren. Auch der Münsteraner Soziologe Hans Jürgen Krysmanski siedelt die Entstehung des Verschwörungsdenken deshalb im 18. Jahrhundert an:

Im 18. Jahrhundert haben wir den Beginn einer Revolution, das Bürgertum fängt an, sich gegen den Adel durchzusetzen. Und auch in dieser Zeit beginnt man, zum Teil nach dem Modell der Jesuiten, Geheimbünde zu organisieren. Der berühmteste Geheimbund ist der der Illuminaten um den bekannten Adam Weishaupt. Und diese Geheimbünde sind natürlich auch ein Mittel, um Herrschaft abzulösen, damals eben die bestehende Herrschaft des Feudaladels zu hinterfragen. Und in diesem Sinne ist aus meiner Sicht das 18. Jahrhundert geradezu eine Brutstätte der Verschwörungstheorien. Also, Verschwörungsdenken ist eine Konstante überall dort, wo Herrschaft ausgeübt wird und wo Herrschaft in Frage gestellt wird.

Seit der Französischen Revolution werden Verschwörungstheorien nach einem einfachem Rezept gekocht, das sich kaum geändert hat. Die Zutaten: eine isolierte, zuweilen im Verborgenen operierende Gemeinschaft, eine ordentliche Menge Vorurteile, eine unklare Faktenlage. Pikant gewürzt verlässt die heiße Speise die Gerüchteküche. Eine säkularisierte Dämonologie nennt das Karl Popper:

In ihren modernen Formen ist die Theorie ein typisches Ereignis der Verweltlichung eines religiösen Aberglaubens. Die Götter sind abgeschafft. Aber ihre Stelle nehmen mächtige Männer oder Verbände ein - unheilvolle Machtgruppen, deren böse Absichten für alle Übel verantwortlich sind, unter denen wir leiden.

Dieser irrationale Urgrund, diese Ängste fördern das Denken in konspirologischen Kategorien. Verstärkt treten Verschwörungstheorien auf, wenn die Ängste überhand nehmen, wenn die Menschen sich bedroht fühlen oder ihre Lebenszusammenhänge nicht mehr durchschauen können. Genau so ist es zur Zeit, meint der Historiker Helmut Reinalter - und nennt zwei Gründe. Zum einen das Ereignis vom elften September:

Und zweitens sind wir ja in einer Entwicklungsphase der fortschreitenden Globalisierung, die natürlich gewisse Befürchtungen, Ängste und auch Projektionen hervorruft. Das Interessante ist ja an der Geschichte der Verschwörungstheorien, dass sie meistens Konjunktur haben in Zeiten des Umbruchs und des tiefgreifenden ökonomischen und sozialen Wandels.

In Deutschland dämpfte das Ende des Zweiten Weltkriegs den politischen Einfluss von Verschwörungstheorien. Denn Adolf Hitler hatte sie sich zunutze gemacht - mit schrecklichen Folgen.

Die so genannten "Protokolle der Weisen von Zion" - eine Montage aus antisemitischen Hetzschriften und einer Satire von Maurice Joly - wurden 1903 vom zaristischen Geheimdienst als Beleg für eine jüdische Weltverschwörung veröffentlicht. Obwohl die Fälschung schon kurz danach aufflog, berief sich Hitler auf diese Dokumente, um seine Behauptungen von einer jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung plausibel zu machen - die entsetzliche Folge waren Millionen ermordeter Juden. Größere politische Bedeutung haben die Verschwörungstheorien seitdem in den USA. Amerika - ein Eldorado der Konspirologen.

Der Unterschied zwischen Amerika und Europa beruht auch auf dem Verhältnis zwischen Bürger und Staat. In europäischen Verschwörungstheorien bemächtigen sich die Verschwörer des Staates, der an sich positiv oder zumindest neutral beurteilt wird. US-Konspirologen begreifen dagegen schon die Idee eines Zentralstaats an sich als Instrument der Verschwörung. Während in Europa der Feind nicht automatisch mit dem Staat identifiziert wird, findet in US-amerikanischen Verschwörungstheorien genau diese Identifikation statt, sagt Mark Fenster, Rechtswissenschaftler von der University of Florida in Gainesville:

Einer der zentralen Aspekte in der politischen Kultur Amerikas ist die Angst vor Machtkonzentration. Die Angst davor, dass die Interessen der Wirtschaft oder des Staates so mächtig werden, dass die individuellen Rechte und Freiheiten bedroht sind. Das wurzelt in der amerikanischen Revolution und setzt sich durch die Jahrhunderte fort. Deshalb ist die Idee, dass das Volk regieren sollte, so wichtig. Und deshalb wittern die Amerikaner überall die geheime Konzentration von Macht, die die Geschehnisse lenkt.

Auch der Soziologe Hans Jürgen Krysmanski begründet den fundamentalen Unterschied zwischen den USA und Europa historisch:

Es sind ja immer verfolgte Gruppen, verfolgte Sekten am Anfang gewesen, die nach Amerika ausgewandert sind, die dann aber auch dieses sektenhafte Denken - Ich oder wir gegen den Rest der Welt - in den Aufbau ihrer politischen Strukturen hineingetragen haben, und so ist die ganze amerikanische Geschichte eigentlich bis hin zu den Verschwörungstheorien, die um 1900 sich gegen die so genannten 'robber barons’, die Superreichen, die damals mit Eisenbahn, Kohle und Stahl ihr Geld verdient haben, die sich damals dagegen richteten, immer ein Moment amerikanischer Politik gewesen - mit Verschwörungsverdacht wird in Amerika Politik gemacht. Der Satz von Henry Kissinger ist ja bekannt: Wer in Washington nicht paranoid ist, der spinnt.

In den USA - so Mark Fenster - werden mit Verschwörungstheorien sogar Wahlen gewonnen:

Ich würde sagen, dass Populismus ein prägendes Muster im politischen Diskurs der Vereinigten Staaten ist. Und Verschwörungstheorien sind ein Teil dieses Populismus. Dazu gehört die Idee, dass es da draußen mächtige Gruppen gibt, die das Weiße Haus und den Congress vereinnahmt haben. Das Motto ist einfach: Wenn Ihr mich wählt, dann schmeiße ich diese Typen alle raus, dann entlarve ich die geheimen Gruppen und gebe dem Volk die Macht zurück. Das ist ein entscheidendes Motiv in der US-Politik seit der amerikanischen Revolution.

Einen starken Impuls verdankte das konspirologische Denken der McCarthy-Ära. Der hysterische Antikommunismus der frühen Nachkriegszeit war sicherlich entscheidend dafür, dass sich Verschwörungstheorien im kulturellen Mainstream der USA festsetzen konnten. Konspirologische Filme wie Don Siegels "Die Invasion der Körperfresser" von 1956 lassen sich als Metapher dieser Kommunistenfurcht lesen und begründen ein populäres Genre der Filmindustrie. Bis heute erfreuen sich Filme und Serien mit konspirativen Inhalten wie "Akte X" oder Oliver Stones "JFK" größter Beliebtheit.

Viele Verschwörungstheorien gehören daher längst zu den modernen Mythen. Wie wirksam sind sie aber in der Realität? Entscheidend dafür ist, wie die Verschwörungstheorien in der politischen Debatte umgesetzt werden, glaubt Rechtswissenschaftler Mark Fenster von der University of Florida:

Populistische Bewegungen, die maßvoll auf Verschwörungstheorien aufbauen, können politisch viel bewegen: Der Protest gegen den Vietnamkrieg war zum Beispiel die wohl erfolgreichste Protestbewegung in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Aber da war der Aspekt der Verschwörungstheorie sehr schwach ausgeprägt. Solche Bewegungen können tatsächlich enormen politischen Einfluss ausüben.

In Deutschland traf vor allem Mathias Bröckers mit seinem Buch "Verschwörungen, Verschwörungstheorien und die Geheimnisse des 11.9." den Nerv. Bröckers behauptet, die Medien seien in der Darstellung der Ereignisse unkritisch den Manipulationen der US-Regierung erlegen. Offensichtliche Widersprüche und Vertuschungen würden nicht berücksichtigt. Für Bröckers ist der konspirologische Ansatz deshalb der einzige Weg zur Wahrheit:

Das verschwörungstheoretische Denken rückt aus seiner randständigen Lage als Schmuddelkind der Erkenntnistheorie in das Zentrum politischer Analyse. Hätten sich die Medien mit dem Instrumentarium einer skeptisch-paranoiden Wahrnehmung ausgestattet, wäre der nahezu flächendeckende Ausfall eines um Objektivität bemühten Journalismus zu vermeiden gewesen. Nur, weil verschwörungstheoretisches Denken als Tabu galt, dröhnte aus allen Kanälen unhinterfragt dieselbe Propaganda. Doch ich wage die These, dass die 'schmutzige’ Erkenntnistheorie des Verschwörungsdenkens als Werkzeug eines 'sauberen’ Journalismus zunehmend unverzichtbar wird.

Der Historiker Helmut Reinalter widerspricht. Für ihn ist das Verschwörungsdenken grundsätzlich eine Hetzjagd auf den Sündenbock:

Sehr häufig wird ja, gerade in der politischen Auseinandersetzung auch nach der Theorie des Sündenbockes argumentiert, das heißt, man gibt bestimmten Gruppen die Schuld an bestimmten Entwicklungen, auch in der tagespolitischen Auseinandersetzung merkt man, dass es so etwas gibt wie eine Alltags-Verschwörungstheorie, so würde ich das nennen, das heißt also, viele Menschen sind sich gar nicht bewusst in ihrer Argumentation, dass sie versuchen, die Schuld an bestimmten Entwicklungen, Konzepten oder wie auch immer, Minderheit zu geben und diese Minderheiten werden nicht selten auch dämonisiert.

Natürlich löst die Verschwörungstheorie nebenbei noch weitere Probleme. Komplexe, undurchschaubare Vorgänge in Politik und Wirtschaft, Geschichte und Gesellschaft, so Reinalter, werden mit einem Mal transparent:

Ein ganz wichtiger Punkt ist die Reduktion der komplexen Wirklichkeit. Viele Menschen, das war früher so, aber war vielleicht nicht ganz so bewusst. Aber heute, aufgrund der raschen Entwicklung in vielen Bereichen wird die Komplexität der Entwicklungen nicht mehr durchschaut. Das erzeugt Angst, Verunsicherungen. Und Verschwörungstheorien treten hier auf und versuchen, ein einfaches, einseitiges und eben falsches Bild der Wirklichkeit zu erzeugen, indem sie die komplexe Wirklichkeit eben reduzieren auf Sündenböcke, auf dämonisierte Minderheiten. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt des Verschwörungsdenkens.

Auch der Soziologe Hans Jürgen Krysmanski verbindet das Aufblühen von Verschwörungstheorien mit dem Wunsch nach mehr Transparenz.

Verschwörungstheorien blühen immer dann, wenn der demokratische Prozess nicht transparent ist. Verschwörungstheorien entstehen dann, wenn die Demokratie versagt, und leider Gottes versagt die Demokratie ja ständig oder immer öfter.

Genau darin sieht Krysmanski die Rechtfertigung des Verschwörungsdenkens:

Ich würde es vermeiden, diese falsche Front aufzubauen, Verschwörungstheoretiker hier, rationale Erklärer dort - das gibt es eigentlich nicht. Wer als rationaler Erklärer auftritt und gleichzeitig nicht weiß und sagt, dass es unaufgeklärte dunkle, geheimnisvolle Zonen in der Gesellschaft gibt, der ist eigentlich auch kein rationaler Aufklärer, der verdrängt wichtige Bereiche des gesellschaftlichen Lebens.

Verschwörungstheorien sind im Grunde ein Ausdruck der Frustration über mangelnden Zugang zur Politik. In dem Maße, in dem sich das politische Geschehen vom Leben der Menschen entfernt, sind Verschwörungstheorien eine spannende und machtvolle Art, der Frustration über diese Distanz Ausdruck zu verleihen.

Das tun sie mittlerweile weltweit, und der Grund ist der elfte September. Kein Wunder, meint Soziologe Krysmanski, denn:

Politik, politisches Handeln ist und war immer von Verschwörungstheorien durchzogen. Die gegenwärtige Bush-Regierung ist ein lebendes Beispiel für Verschwörungstheoretiker an der Macht. Sie hat nichts anderes getan, als Verschwörungstheorien aufzubauen. Verschwörungstheorien sind eine Konstante im politischen Prozess, vielleicht sogar im demokratischen Prozess.

Tatsächlich weist die politische Rhetorik der Bush-Administration konspirologische Merkmale auf. Der Gegner wird durch eine religiöse Metaphorik dämonisiert. Beispiel: die "Achse des Bösen." Kritiker der US-Regierung haben den Spieß nun aber umgedreht: Sie vermuten, dass das Weiße Haus und die US-Geheimdienste zumindest von den Plänen der Al Qaida gewusst haben. Sie - das sind vor allem Autoren aus Europa: Mathias Bröckers, Andreas von Bülow, Thierry Meyssan.

In den USA selbst sind solche Szenarien zum elften September eine Randerscheinung. Das verwundert, wenn man die Anfälligkeit der Amerikaner für Verschwörungstheorien bedenkt. Mark Fenster vermutet:

Der 11. September war ein derart traumatisches Ereignis für die Amerikaner, dass die Beweislast für einen Verschwörungstheoretiker viel, viel drückender wäre als in irgendeinem anderen Fall, zum Beispiel bei der Ermordung Kennedys. Aus Sicht der Amerikaner wurden wir von außen angegriffen. Deshalb ist es eher unwahrscheinlich, dass irgendwer - selbst wenn er gegen Bush ist - bereit ist zu glauben, dass Bush so böse ist, dass er den 11. September wissentlich hat geschehen lassen oder sogar aktiv darin verwickelt war. Es ist eine unsichtbare Grenze, die die Leute nicht überschreiten.

Welchen Wert haben Verschwörungstheorien für das politische Denken und Geschehen? Manche Experten glauben: keinen. Karl Popper etwa hielt sie für gänzlich ungeeignet, die hoch komplexe politische und soziale Wirklichkeit zu erklären. Noch schärfer fällt das Urteil des Historikers Helmut Reinalter aus:

Die Grundvoraussetzung des ideologisch akzentuierten
Verschwörungsdenkens ist eigentlich die moralische Verabsolutierung einer gegebenen konkreten Sozialordnung und damit ein antiliberales Weltbild. Das scheint mir ganz wichtig zu sein: ein antidemokratisches und antiliberales Weltbild.


Aufklärung bleibt das Ziel, der Weg dahin umstritten.

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