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StartseiteKommentare und Themen der WocheDie Industriestaaten sind in der Pflicht08.09.2017

Wiederaufbau nach den WetterkatastrophenDie Industriestaaten sind in der Pflicht

Durch den Klimawandel würden Wirbelstürme immer extremer und die Schäden immer größer, kommentiert Georg Ehring. Europa und Nordamerika müssten jetzt Verantwortung für die Folgen übernehmen, denn sie hätten schließlich für ihren Wohlstand über Jahrhunderte die Erwärmung verursacht.

Von Georg Ehring

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Das Bild vom 6. September zeigt Zerstörungen auf der Karibikinsel St. Maarten nach dem Hurrikan "Irma". (dpa-news / Dutch Defense Ministry / Gerben Van Es)
Zerstörungen auf der Karibikinsel St. Maarten durch Hurrikan "Irma" (dpa-news / Dutch Defense Ministry / Gerben Van Es)
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"Irma" hat kaum einen Stein auf dem anderen gelassen: "Es ist, als wäre jemand mit dem Rasenmäher vom Himmel über die Insel gegangen", kommentierte ein Augenzeuge auf der französisch-holländischen Insel Sint Maarten die Zerstörungen. Der Monstersturm zieht weiter und verwüstet reiche Tourismus-Regionen genauso wie bettelarme Gebiete – um dann vermutlich Florida zu erreichen, wo alle Einwohner sich auf die Evakuierung vorbereiten sollen.

Und eins wird sich wieder zeigen: Ein reiches Land wie die USA hat es noch verhältnismäßig leicht, einen Wirbelsturm zu überstehen. Die meisten Häuser sind stabiler als in anderen Regionen der Karibik und für den Wiederaufbau hinterher dürfte Geld vom Staat fließen. In den ärmeren Inselstaaten wie Kuba, Haiti, der Dominikanischen Republik oder den kleinen Inseln weiter südöstlich sieht es anders aus: Kuba hat zwar bei früheren Katastrophen gezeigt, dass ein gut organisierter Zivilschutz vielen Menschen das Leben retten kann. Doch mit den materiellen Schäden sind die Bewohner allein, weil der Staat aus Geldmangel gar nicht einspringen kann.

Keine isolierten Ereignisse 

"Irma" und "Harvey" reihen sich ein in eine Serie extrem starker Wetterkatastrophen in den vergangenen Jahren und sie dürfen deshalb nicht als isolierte Ereignisse eingestuft werden. Klimaforscher sehen immer klarer den Zusammenhang mit der menschengemachten Erderwärmung: Höhere Wassertemperaturen machen solche Ereignisse zwar vielleicht nicht häufiger, doch sie machen die Extreme noch extremer. Und das vergrößert das Ausmaß künftiger Wetterkatastrophen gerade in Staaten, die zur Vorbereitung und zum Wiederaufbau oft kaum in der Lage sind.

Wer soll für die Kosten aufkommen? Viele Entwicklungsländer sehen die Industriestaaten in der Pflicht – und das völlig zu Recht. Europa und Nordamerika haben durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas über Jahrhunderte nicht nur die Basis für ihren Wohlstand geschaffen, sondern auch die Erwärmung verursacht. Nun müssen sie auch für die Folgen Verantwortung tragen. Im Klima-Abkommen von Paris ist deshalb festgelegt, über ein Abkommen für Schadensersatz in solchen Fällen zu verhandeln.

Einsicht in die unangenehme Wahrheit des Klimawandels ist gefragt

Ein erheblicher Teil des Geldes dafür müsste eigentlich aus den USA kommen, die jedoch derzeit von internationaler Verantwortung für die Folgen ihres fossilen Energieverbrauchs nichts wissen wollen. Hier kommen die anderen Industriestaaten - darunter Deutschland und generell die Europäische Union - ins Spiel. Sie stehen in der Pflicht, der Absichtserklärung von Paris konkrete Vereinbarungen folgen zu lassen, damit betroffene Länder sich auf internationale Hilfen verlassen können. Nur so würden auch die USA unter Druck gesetzt, ihrer Verantwortung für das Klima wieder gerecht zu werden.

Einsicht in die unangenehme Wahrheit des Klimawandels ist also gefragt. Denn "Harvey" und "Irma" werden nicht die letzten Tropenstürme sein. Über dem Atlantik folgt schon der Hurrikan "Jose". Er wurde gerade von Stufe drei auf Stufe vier hochgesetzt – damit könnte er ähnlich verheerende Folgen haben wie sein Vorgänger.

Georg Ehring  (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Georg Ehring (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Georg Ehring, Jahrgang 1959, hat in Dortmund Journalistik und Politikwissenschaften studiert, später an der Fernuniversität Hagen Volkswirtschaft. Er arbeitet beim Deutschlandfunk als Redaktionsleiter Wirtschaft und Umwelt. Berufliche Stationen zuvor waren die zentrale Wirtschaftsredaktion der Nachrichtenagentur Reuters in Bonn und zuvor in den 1980er Jahren freiberufliche Tätigkeit überwiegend für den WDR in Dortmund.

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