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StartseiteKultur heuteWiesenthal Centrum verschärft Kritik an Jakob Augstein31.01.2013

Wiesenthal Centrum verschärft Kritik an Jakob Augstein

Antisemitismus-Vorwürfe gegen den "Freitag"-Verleger

"Ja, wir haben es mit einem Antisemiten zu tun": Der Vizedirektor des Simon Wiesenthal Centrums, Rabbi Abraham Cooper, hat die Vorwürfe gegen den Publizisten Jakob Augstein bekräftigt. Der "Freitag"-Verleger müsse sich für seine umstrittenen Thesen entschuldigen.

Von Stefan Maas

Jakob Augstein, Journalist und Verleger der Wochenzeitung "der Freitag" (picture alliance / dpa)
Jakob Augstein, Journalist und Verleger der Wochenzeitung "der Freitag" (picture alliance / dpa)

"Seit wir diese Liste veröffentlicht haben, können wir sagen: Ja, wir haben es mit einem Antisemiten zu tun."

Mit diesem Satz verschärfte der Vizedirektor des Simon Wiesenthal Centrums in Los Angeles, Rabbi Abraham Cooper, heute Morgen in Berlin die Vorwürfe gegen den Publizisten Jakob Augstein. Der Herausgeber der Zeitung "Freitag" steht auf Platz neun der Top-Ten-Liste, mit der die Organisation seit 2010 auf die schlimmsten antiisraelischen/antisemitischen Verunglimpfungen hinweist. Platz eins belegt die ägyptische Muslimbruderschaft, Platz zwei das Regime im Iran. Eigentlich habe man mit der Platzierung Augsteins nur auf den Antisemitismus in seinen Texten hinweisen wollen, und nicht ihn als Person gemeint. Doch das Verhalten Augsteins seit der Veröffentlichung habe ihn zu diesem Urteil kommen lassen, erklärte Cooper.

Augstein habe sich gerechtfertigt, aber nicht entschuldigt. Die Gelegenheit dazu habe er zum Beispiel bei dem Gespräch gehabt, das er im "Spiegel" mit Dieter Graumann, dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland geführt habe.

"Ich möchte klarstellen, Jakob Augstein schuldet mir keine Entschuldigung, nicht dem Simon Wiesenthal Center,"

sagte Rabbi Cooper.

"Er sollte sich bei seinen deutschen Lesern entschuldigen und bei den Juden."

Er selber habe ein Angebot des "Spiegels" zu einem direkten Gespräch mit Augstein bekommen. Das habe er nicht abgelehnt, antwortete er auf die Frage eines Journalisten. Er habe immer erklärt, er sei bereit in einem Raum mit Augstein zu sitzen. Nachdem der sich entschuldigt habe.

"Die Idee aber, dass wir eingeladen waren, um mit Jakob Augstein über die von uns bemängelten Textstellen zu diskutieren - zu debattieren, ob seine Worte die Grenze zum Antisemitismus überschritten haben oder nicht, die haben wir zurückgewiesen."

Cooper verwies dabei besonders auf eine Kolumne Augsteins, in der er die Haltung ultra-orthodoxer Juden mit der islamistischer Fundamentalisten verglichen hat. Es gehe nicht darum, die Pressefreiheit anzugreifen, erklärte der stellvertretende Direktor des Simon Wiesenthal Centers, dennoch habe es ihn im Rückblick erstaunt, dass andere Journalisten nicht schon viel früher Kritik an Augstein geübt hätten. Denn, was habe das mit Journalismus zu tun?

Eine Erklärung dafür kam vom Hamburger Politikwissenschaftler Matthias Künzel, der zum Thema Antisemitismus forscht:

"Manche fanden diesen Gedanken lustig. Der 'taz'-Kommentar lautete: 'Wir Antisemiten.' Der 'Tagesspiegel'-Autor wollte auch auf die Antisemitenliste. Aber vielleicht ist es genau dieser Punkt, der die massenhafte Solidarisierung mit Augstein erklärt. Denn der israelbezogene Antisemitismus ist in Deutschland so weit verbreitet, dass es schon einer besonderen Anstrengung bedarf, um von ihm nicht angesteckt zu werden."

Auf die Frage, warum ausgerechnet Augstein einen Platz auf der Liste bekommen habe und nicht etwa der Literaturnobelpreisträger Günter Grass, der mit seinem Gedicht zum Israel-Iran-Konflikt im vergangenen Frühjahr international für Empörung gesorgt hatte, erklärte Rabbi Cooper: Global betrachtet richte nicht ein einzelnes Gedicht mehr Schaden an, sondern jemand, der einen konstanten Zugang zur öffentlichen Meinung habe. Das Internet gehöre mittlerweile zu den am meisten genutzten Informationsquellen – auch er lese "Spiegel Online", sagte Cooper.

Augstein selbst wies die Vorwürfe zurück. Der Nachrichtenagentur dpa sagte er, mit Antisemitismus-Vorwürfen, wie sie das Wiesenthal-Zentrum gegen ihn erhebe, werde "Politik gemacht und versucht, die Öffentlichkeit zu kontrollieren." Es sei unseriös, wenn solche schweren Vorwürfe gegen ihn erhoben würden, gleichzeitig aber eine Debatte verweigert werde. Rabbi Cooper sei kein Richter und er kein Angeklagter.

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