Sport am Wochenende / Archiv /

 

Wikinger-Dorf in der ukrainischen Hauptstadt

EM-reisefreudige Schweden campen auf der Truchanow-Insel in Kiew

Von Ronny Blaschke

Fans aus Schweden stehen auf einem Gerüst mit dem Namen "Swedish Corner".
Fans aus Schweden stehen auf einem Gerüst mit dem Namen "Swedish Corner". (picture alliance / dpa / Thomas Eisenhuth)

Sollte das schwedische Team nach dem 1:2 gegen die Ukraine auch gegen England verlieren, dann wären die Skandinavier mit hoher Wahrscheinlichkeit schon in der Vorrunde gescheitert. Doch in einem Bereich steht Schweden an der Spitze: Kein Team wird bei großen Turnieren von so vielen Fans begleitet. So ist eine schwedische Kleinstadt mitten in der ukrainischen Metropole entstanden.

Wer die Fußgängerbrücke aus der Innenstadt Kiews zur Truchanow-Insel überquert, wird von einer Studenten-Gruppe aus Malmö empfangen. Sie tragen gelbe Trikots mit blauen Streifen, wie fast alle Bewohner der schwedischen Gemeinde mitten im Dnepr, dem drittlängsten Fluss Europas. 6000 Schweden haben sich auf der Insel einquartiert, auf Zeltplätzen oder in Wohnwagen. Von hier sind es knapp 40 Gehminuten zum Olympiastadion, dem Austragungsort der drei Vorrundenspiele Schwedens. Die Skandinavier folgen einer Tradition: Ob in Lissabon 2004, Hamburg 2006 oder Innsbruck 2008, ob EM oder WM – die großen Turniere verbringen und feiern sie zusammen. Janne Wallin war immer dabei, er ist einer der ehrenamtlichen Organisatoren des Schweden-Camps.

"Wir haben 26 Helfer aus Schweden, die den Betrieb am Leben halten, dazu kommen viele ukrainische Kollegen. Auf der Insel gibt es Apotheken, Restaurants, eine Polizeistation, aber auch eine Bühne und ein Sportgelände. Zwischen dem Public Viewing gibt es Standup Comedy, Torwandschießen oder Konzerte. Wie wollen es unseren Fans so angenehm wie möglich machen, damit sie zwei oder vielleicht drei Wochen bleiben können."

Der gelbblaue Reisetross muss mit spartanischen Bedingungen leben, mit wenigen Toiletten und Duschen. Gleich zu Beginn des Turniers verwandelte ein heftiger Regen das Camp in ein Sumpfgebiet. Doch die Schweden lassen sich davon nicht beeindrucken. Sie erhalten Unterstützung von ukrainischen Freiwilligen. Studenten aus Kiew bieten sich als Touristenführer oder Dolmetscher an.

Die Stimmung am Strand ist ausgelassen. Menschen, die sich nie zuvor gesehen haben, kommen schnell ins Gespräch. Auch deshalb ist Daniel Gustafsson wieder mit von der Partie, mit acht Freunden ist er aus Göteborg angereist, über 2000 Kilometer. Nun schaut er auf die Skyline von Kiew und schwärmt.

"Das ist mein Wohnmobil, wir haben ihn nur für uns Freunde gekauft, um gemeinsam eine gute Zeit zu haben. Ich nutze ihn nur für Turnierreisen, ansonsten steht er in der Garage. Es ist ein unvergessliches Ereignis, wenn tausende Landsleute gemeinsam zum Stadion ziehen. Kein Mannschaft auf der Welt hat eine solche Geschlossenheit unter ihren Fans."

Mehr Infos zur UEFA EURO 2012:
Portal UEFA EM 2012

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Sport aktuell

Uniklinik FreiburgEine Schlammschlacht sondergleichen

Ein Tropfen an der Nadel einer Spritze

Die Uniklinik Freiburg: sie stand im deutschen Spitzensport jahrzehntelang für Doping. Um die dunkle Vergangenheit hinter sich zu lassen, hat die Unileitung eine unabhängige Untersuchungskommission mit der Aufarbeitung beauftragt. Doch je beharrlicher die Aufklärer im Freiburger Doping-Sumpf wühlen, desto schneller möchte die Hochschulleitung offenbar, dass jetzt Schluss ist.

FreiburgAufklärerin Paoli von Ministerin eingeladen

Die Jazzsängerin Nina Simone

Das Verhältnis zwischen der Universität Freiburg und ihrer unabhängigen Doping-Aufklärungskommission ist zerrüttet. Nun will die Politik vermitteln. Doch einen Schlichtungsversuch im baden-württembergischen Wissenschaftsministerium, wie es ihn schon im Herbst 2013 gab, lehnt Kommissionschefin Letizia Paoli ab.

Universität Freiburg Chefin der Doping-Kommision richtet Brandbrief an Politik

Ein Tropfen an der Nadel einer Spritze

Die Universität Freiburg galt früher als ein Zentrum der deutschen Doping-Szene. Mit der Aufarbeitung ist eine externe Kommission beauftragt. Deren Vorsitzende Letitia Paoli droht seit Anfang der Woche mit ihrem Rücktritt, weil sie sich von der Universität behindert fühlt. Nun hat sie sich mit einem Brandbrief an den baden-württembergischen Ministerpräsidenten gerichtet.