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StartseiteComputer und KommunikationDer halbe Alleskönner23.01.2016

Windows 10Der halbe Alleskönner

Das Betriebssystem Windows 10 war von Microsoft vielversprechend angekündigt worden. Es sollte wirklich universell sein: lauffähig auf PC, Smartphone und vielen anderen Geräten. Und auch Apps für iPhone und Android sollten auf Windows-Handys laufen. Aber die Sache hat ein paar kleine Haken.

Von Achim Killer

Die Oberfläche des Betriebssystems Windows 10 (picture alliance / dpa / Microsoft)
Die Oberfläche des Betriebssystems Windows 10 (picture alliance / dpa / Microsoft)
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Windows 10 läuft auf PCs, Smartphones und Tablets, wenn auch jeweils deutlich modifiziert. Und deshalb funktioniert etwa ein Navigationsprogramm nicht auf Desktop-Computern allein schon, weil die keine GPS-Chips haben und entsprechend das Desktop-Windows kein API, keine Programmierschnittstelle, über die das Navigationsprogramm bei Handys auf die Chips zugreift. Aber etliche andere Apps laufen auf allen Windows-Geräten. Universal Apps heißen die.

"Es gibt da eine Schnittmenge. Und diese Schnittmenge ist die Universal Windows Plattform. Und die APIs in dieser Universal Windows Plattform sind auf allen Geräteklassen gleich, was mir die Möglichkeit als Entwickler gibt, eine Applikation zu schreiben für alle diese Geräteklassen, weil die APIs überall verfügbar sind." So Daniel Meixner von Microsoft. Er trägt die etwas eigenartige Funktionsbezeichnung "technischer Evangelist".

Trotz Universal Apps fürs Windows-Handy hat die Konkurrenz eine größere Software-Auswahl. Microsoft will deshalb zusätzlich Apple's App-Store anzapfen. "Also die Idee ist, dass ein iOS-Entwickler seinen iOS-Code, der typischerweise in Objective C geschrieben ist, wiederverwenden kann. Das heißt, wir haben ein Import-Tool geschrieben, mit dem es möglich ist, diesen Objective-C-Code in Visual Studio zu importieren. Typischerweise wird der in X-Code entwickelt. Jetzt kann er dann quasi nach Visual Studio importiert werden. Und dort kann er auch kompiliert werden zu einer Windows-Universal-App."

Und dann ist da noch die Ankündigung des Windows-Chefs Terry Meyerson auf der Entwicklerkonferenz Anfang letzten Jahres. "Wir werden es den Entwicklern ermöglichen, nahezu den gesamten Java- und C++-Code einer App für Android-Handys wiederzuwenden, wenn sie Apps für Windows-10-Handys entwickeln. Um das zu ermöglichen, bekommen Windows-Handys ein Android-Subsystem."

Ein Subsystem hätte APIs für Android-Apps unter Windows bereitgehalten: Sie hätten auch auf Windows-Smartphones genutzt werden können. Aber dieses Projekt hat Microsoft ganz offenkundig gestoppt. Auch andere Betriebssystem-Entwickler sind mit dem Vorhaben, Android-Apps für ihre Systeme zu verwenden, gescheitert. Blackberrys jüngstes Handy lauft nicht mehr unter Blackberry-OS mit der Möglichkeit, Android-Apps zu fahren, sondern gleich unter Android. Und Jolla mit Sailfish-OS, das ebenfalls auf Android-Apps gesetzt hat, steht kurz vor dem Aus.

Das liege an den vielen Android-Varianten, sagt Michael Facemire von Forrester Research. Die Entwickler hätten genügend damit zu tun, ihre Apps unter gängigen Android-Varianten zu testen. Da würden andere Betriebssysteme mit Android-Funktionalität gerne außenvorgelassen. Und deren Nutzer würden entsprechend enttäuscht. "Sie fühlen sich wie Kunden zweiter Klasse. Einige probieren es vielleicht eine Zeit lang aus und hören dann auf, einfach, weil sie merken, dass sie nicht zur Kern-Zielgruppe gehören."

Deshalb wird es ein Handy für alle Apps in absehbarer Zeit nicht geben. Es wird bei drei getrennten Systemwelten bleiben: Android und iOS für Smartphone und Tablet und Windows ebenfalls für Smartphone und Tablet und zusätzlich noch für den PC. Apps für alle Systeme wären möglich, sagt Michael Facemire, sie müssten nur halt in Sprachen geschrieben sein, die alle Systeme verstehen, den Web-Sprachen HTML und Java-Script. Und diese Sprachen müssten weiterentwickelt werden. "Drei verschiedene Programm-Codes zu pflegen, lohnt sich meist nicht. Man braucht eine Standard-Technik. Und die bildet das Web."

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