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Seit 06:50 Uhr Interview
StartseiteFirmenporträtWinterliche Sommererfrischung01.06.2012

Winterliche Sommererfrischung

Schnee made by Snowbusiness

Schneemänner werden in der Filmbranche jene Experten genannt, die künstlichen Schnee vor die Kamera schaufeln – oder wahlweise auch in Sportstadien oder aufwendiger gestaltete Schaufenster. Und das zu jeder Jahreszeit, auch bei sommerlichen Temperaturen.

Von Simon Schomäcker

SnowBusiness bei der Arbeit (Snowbusiness)
SnowBusiness bei der Arbeit (Snowbusiness)

""Die Spuren führen schnurgerade zum Rand des Daches. Kein Kind auf der Welt würde so spielen.” - "Er ist in Grönland aufgewachsen. Er kannte sich aus mit Schnee.”"

'Fräulein Smillas Gespür für Schnee' - eine Bestsellerverfilmung mit bekannten Darstellern.

""Nur mit besonderen Objektiven und Lampen kann man es sehen. Der Junge ist auf dem Dach vor jemandem geflüchtet.”"

Schnee spielt eine wichtige Rolle in diesem Film. Doch der Eindruck eines verschneiten Kopenhagens täuscht. In der dänischen Hauptstadt herrschte zur Drehzeit kein tiefer Winter. Für die weiße Pracht zeichnete sich die Firma SnowBusiness International aus London verantwortlich. Das Unternehmen realisiert witterungsunabhängige Wintereffekte.

Seit Mitte der 1990er-Jahre betreibt SnowBusiness auch eine deutsche Filiale im westfälischen Ladbergen, nördlich von Münster gelegen:

""Ich habe mit der Winterinszenierung im Jahre 1996 angefangen und habe bei einer großen Filmproduktion in England als Schneemann ausgeholfen. Und so ist meine Karriere im Endeffekt ins Leben gerufen worden”",

sagt Firmeninhaber Lucien Stephenson über seine Anfänge. Der gebürtige Engländer mit den langen roten Haaren studierte in London BWL, als die SnowBusiness International mit ihrer Anfrage auf ihn zukam.

""Da habe ich so zum ersten Mal hinter den Kulissen schauen dürfen beim Film und bin dann auf den Inhaber der englischen Firma zugegangen. Und da habe ich ihn darauf angesprochen ob die Möglichkeit bestehen würde, in Deutschland eine Filiale von SnowBusiness aufzumachen.”"

Die zentrale Lage auf dem europäischen Festland war für Lucien Stephenson der Grund, sich in Deutschland niederzulassen:

""England ist ja leider Gottes eine Insel. Und da gibt es nicht so die Möglichkeiten, schnell agieren zu können. Da ist Deutschland schon für uns ein sehr gutes Ausgangsland.”"

Seit 1999 sorgt der 42-jährige Brite nun schon mit seiner Firma für reges Schneetreiben. Zwei festangestellte Bürokräfte beschäftigt SnowBusiness am Standort Ladbergen. Abhängig von der Größe der Projekte helfen bis zu 15 freiberufliche Techniker bei der Umsetzung. Lucien Stephenson und sein Team sind in der Lage, sowohl im Innen- als auch im Außenbereich Schnee-Inszenierungen durchzuführen. Für jedes Anwendungsgebiet gibt es die passenden Materialien. Diese lässt Stephenson nach eigenen Vorgaben vornehmlich in Großbritannien fertigen:

"”Die Schneesorten basieren auf Zellulose- oder Kunststoffbasis, Schaum, Maisstärke ist auch dabei. Also, die Zellulose wird hauptsächlich im Außenbereich eingesetzt, die Maisstärke dann bei feinen Schnee-Effekten, wenn man nicht garantieren kann, dass man alles wieder beseitigen kann. Dann zerfällt die Maisstärke am schnellsten. Im Innenbereich kommen wegen der Sicherheit und Feuerklassifizierung auch viele Kunststoffschneesorten infrage.”"

Auf dem Hof seiner Firma demonstriert Lucien Stephenson eine seiner Schneemaschinen:

""Also, das ist eine Schneemaschine, die nennt sich Snowbuster. Die sieht so ein bisschen aus wie die Gerätschaften, die die Leute bei 'Ghostbusters' getragen haben. Denn die wird jetzt auch auf den Rücken geschnallt. Und so kann man ziemlich mobil Schnee ins Bild oder die Veranstaltung bringen.”"

Unter einem staubsaugerähnlichen Geräusch fällt plötzlich feiner Seifenschaum-Schnee vom stahlblauen Frühlingshimmel über Ladbergen. Mit ihren Inszenierungen konnte sich die SnowBusiness in den letzten Jahren international einen guten Ruf erarbeiten:

""Wir sind jetzt 13 Jahre am Markt und sind in der Branche sehr bekannt. Wir machen wenig Werbung, abgesehen von den Webseiten. Der Bereich Film ist einfach sehr klein. Und da kennt jeder eigentlich jeden. Und so wird es dann einfach auch weitergegeben.”"

Mit der Zeit ist eine lange Liste von Referenzen entstanden:

""The Day After Tomorrow' ist sehr bekannt, die Bourne-Trilogie, bei der 'Operation Walküre' waren wir dabei, haben damals keinen Schnee eingesetzt, sondern schwarzes Papier und haben verbrannte Erde dargestellt. Bei 'Krabat' waren wir dabei, 'Vom Suchen und Finden der Liebe', 'Zwei Weihnachtsmänner', 'Am Ende die Hoffnung'. Also, das sind schon etliche Filmreferenzen, die wir aufweisen.”"

Bis zu eine Million Euro Umsatz pro Jahr kann die SnowBusiness GmbH mit der Realisierung solch großer Produktionen verzeichnen.
In Zukunft möchte sich Lucien Stephenson auch außerhalb der Filmbranche einen Namen machen:

""Wir haben letztes Jahr im Sommer die Münchener Allianz-Arena unter Schnee gesetzt. Das war die Veranstaltung 'Stars, die Winterspiele und du' für die Bewerbung der Winter-Olympiade 2018. Wir würden gerne bei den Freizeitparks unser Können vorzeigen. Und sonst gibt es immer wieder interessante Leute, mit denen man gerne zusammenarbeiten möchte. Wir haben immer sehr viel mit kreativen Menschen zu tun. Jeder Job ist da eine große Herausforderung.”"

Diesen Herausforderungen stellt sich SnowBusiness immer wieder gerne aufs Neue. Fräulein Smilla dürfte Lucien Stephenson aus der Seele sprechen:

""Wie Sie ein Gespür haben für Gott, habe ich ein Gespür für Schnee!”"

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