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"Wir haben NPD-Mitglieder und das bestreiten wir auch nicht"

Burschenschaften und das rechte Problem

Von Blanka Weber

Mitglieder von studentischen Verbindungen aus Deutschland und Österreich haben sich im Innenhof der Wartburg in Eisenach zum Deutschen Burschentag versammelt (2011)
Mitglieder von studentischen Verbindungen aus Deutschland und Österreich haben sich im Innenhof der Wartburg in Eisenach zum Deutschen Burschentag versammelt (2011) (picture alliance/dpa/Martin Schutt)

In manchen Burschenschaften sind einige Mitglieder klar und öffentlich rechtsnationalistisch positioniert, zum Missfallen der liberalen Mitglieder. Deren Versuche, dagegen anzugehen, werden torpediert. Das geht so weit, dass beispielsweise in Eisenach die Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Linke) über ein Ende des traditionellen Burschentages in ihrer Stadt nachdenkt.

"Wir haben einfach null Bock auf Nazis in unseren Verbindungen. Und wir haben einfach erkannt, wenn wir schon als Akademiker nah am Thema Rechtsextremismus sind, haben wir auch eine gesellschaftliche Verbindung gegen die Herren in den eigenen Reihen vorzugehen."

Christian Becker ist ehemaliger Burschenschafter. Er wurde vor einem Monat ausgeschlossen von der Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn. Nicht aufgrund von Meinungsverschiedenheiten, sondern aufgrund der Verstöße gegen Vereinsprinzipien, wie es von den Racezeks formuliert wurde. Becker hatte das Netzwerk "Burschenschafter gegen Neonazis" gegründet und löste damit nicht nur einen Eklat aus, sondern die Spaltung in liberale und rechtskonservative Flügel.

"Seit 1971 ganz klar, seitdem österreichische Burschenschaften im Dachverband sind, beschleunigt sich dieser Nationalismus und dieses Volkstumsdenken. Gegipfelt ist es im letzten Jahr in diesem Arier-Antrag; und wenn dieser nationale, völkische Gedanke weiter fortgeführt wird, wird es aus unserer Sicht in 20 Jahren deutlich weniger Burschenschaften geben. Es wird sich reduzieren auf einen Rest von nationalistisch-völkisch ausgerichteten, nationalsozialistischen Burschenschaften. Denn viele rechtsextreme Burschenschaften sind im Denken und Handeln her eindeutig im Dritten Reich verhaftet."

Daraus machte auch manch einer beim Treffen in Eisenach kein Hehl:

"Wir haben NPD-Mitglieder und das bestreiten wir auch nicht."

Ob vor dem Mikrofon oder hinter vorgehaltener Hand: Es gibt eindeutig verfassungsfeindliche Äußerungen von Burschenschaftern nicht nur in Eisenach am Rande von Demonstrationen der Gegner. Manchmal werden die Netzwerke zwischen rechten Parteien und Burschenschaften öffentlich. Wie jüngst im Fall eines Mitgliedes der Burschenschaft Hannovera in Göttingen.
Der Student soll, so berichteten Frankfurter Rundschau und Zeit online, unter anderem für ein neonazistisches Online-Portal gearbeitet haben. Zudem tauchte er 2011 auf den Spendenlisten der NPD auf.

Auch in Thüringen gibt es diese Vernetzungen. Dem Verfassungsschutz liegen seit längerer Zeit hinsichtlich der "Normannia zu Jena" Anhaltspunkte dafür vor. Die personelle Verzahnung der "Normannia" mit dem rechten Spektrum sei bekannt. Aktive Rechtsextremisten seien Mitglied dieser Burschenschaft und auffallend sei auch die Wahl der Referenten bei bestimmten Vorträgen. Nachgewiesen ist auch, dass diese Burschenschaft gern gesehener Nutzer einer Immobilie in Jena war, die als "Braunes Haus" bekannt ist. Noch heute ist dort postalisch der NPD-Kreisverband erreichbar, dessen ehemaliger Vorsitzender Ralf Wohlleben sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft. Ihm wird die Unterstützung der NSU-Zelle vorgeworfen.

Die "Normannia" bietet derzeit ihre Webseite zum Verkauf an – man sei jedoch per Facebook erreichbar, heißt es im Internet. Auch wenn diese Burschenschaft nicht zum großen Dachverband gehört, so bleibt für Katja Wolf – die Oberbürgermeisterin der Stadt Eisenach, die Frage, ob es überhaupt 2013 einen traditionellen Burschentag in Eisenach geben wird.

"Die Entwicklung, dass man hier ganz klar Kante zeigen muss gegen Rechts, das ist schon eine Forderung, die wir an die Burschenschaften haben und wo wir sagen, dass ist eine Bedingung für Gastfreundschaft."

Eine Anfrage der Partei Die Linke im Deutschen Bundestag brachte das Ergebnis, dass der Dachverband Deutsche Burschenschaft eine, Zitat "demokratische Studentenorganisation" sei. Denn es gäbe derzeit keine hinreichenden Anhaltspunkte, dass Bestrebungen verfolgt würden, die gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung gerichtet seien.

"Solange die NPD nicht verboten ist, können wir nichts dagegen machen. Können wir nicht."

Sagte ein Mitglied eines liberalen Bundes 2011 am Rande eines Burschentages in Eisenach. Ende November wird es vermutlich zur Spaltung des Dachverbandes kommen. Man trifft sich – nach dem Desaster in Eisenach im Juni – zum außerordentlichen Burschentag in Stuttgart.

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