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StartseiteInterview"Wir sind klein, aber wir hoffen, dass wir auch wichtig sind"29.06.2013

"Wir sind klein, aber wir hoffen, dass wir auch wichtig sind"

Kroatische Europaparlamentarierin erhofft sich vom EU-Beitritt neue Impulse für ihr Land

Viele Kroaten haben Angst davor, künftig in der EU von großen Ländern wie Deutschland dominiert zu werden. Die Europaabgeordnete Dubravka Suica versteht die Skepsis ihrer Landsleute. "Aber ich hoffe, dass die Leute sehr, sehr bald sehen werden, dass Europa gut für uns ist."

Dubravka Suica im Gespräch mit Jasper Barenberg

Kroatien habe in den vergangenen Jahren viel erreicht, findet Dubravka Suica. (picture alliance / dpa / AP)
Kroatien habe in den vergangenen Jahren viel erreicht, findet Dubravka Suica. (picture alliance / dpa / AP)

Jasper Barenberg: Zwölf kroatische Europaabgeordnete werden ab kommender Woche im Parlament in Brüssel und Straßburg Platz nehmen. Zu ihnen zählt auch Dubravka Suica von der konservativen Regierungspartei HDZ, die ehemalige Bürgermeisterin von Dubrovnik. Sie ist jetzt am Telefon. Schönen guten Morgen!

Dubravka Suica: Ja, guten Morgen!

Barenberg: Frau Suica, blauer Himmel, blaues Wasser, quirlige Hafenstädte, viel Geschichte - so assoziierten ja in dem Beitrag der Kollegin gerade die Kommissionsmitglieder mit Kroatien. Das sind also Postkartenmotive, die sie im Kopf haben. Was bringt Kroatien aus Ihrer Sicht in die Union ein?

Suica: Kroatien bringt viel, nicht nur unsere Geschichte, nicht nur unsere Küste, aber unsere Kultur, unsere Tradition und das ist auch viel. Also nur 0,9 Prozent von der Bevölkerung Europa, zwei Prozent von der Fläche Europas - wir sind klein, aber wir hoffen, dass wir auch wichtig sind.

Barenberg: Als es um die Wahlen ging der Europaabgeordneten in Kroatien, haben sich sehr wenige Menschen in Ihrem Land beteiligt. Man spürt förmlich, dass es doch ein großes Maß an Skepsis gibt gegenüber dem Beitritt zur Europäischen Union. Was erleben Sie, wenn Sie im Land unterwegs sind?

Suica: Ich bin nicht sicher. Das Problem ist: Nur 20 Prozent der Einwohner kamen auf die Wahlen. Aber das Problem war, dass wir nicht auf Generalwahlen waren, sondern wie Sie wissen oder sehen, Monate vor den Generalwahlen, und wahrscheinlich war die Propaganda nicht so stark. Aber im Referendum hatten wir mehr Einwohner, mehr Leute, mehr Bürger als es war jetzt im April in Wahlen.

Barenberg: Lassen Sie uns vielleicht mal hören, was ein eher skeptischer Bürger aus Ihrem Land zum Beitritt zu sagen hat.

Mann: Meine persönliche Meinung ist, dass es schlecht ist. Ich denke nicht, dass die EU etwas Positives ist. Es ist eine moderne Art des Feudalismus. Jemand hat die Macht über dich, und du bist ohnmächtig. Ich denke, das ist es, was uns erwartet. Die großen Länder herrschen und Kroatien wird der Knecht sein. Es ging immer vor allem um Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Mir scheint, Deutschland hat es geschafft, die Oberhand zu gewinnen, und Frau Merkel versteht das sehr gut zu nutzen.

Barenberg: Frau Suica, so weit also ein Landsmann von Ihnen. Da spricht ja die Angst da raus, die Großen könnten dominieren, gerade auch Deutschland. Was antworten Sie, wenn Sie solchen Menschen begegnen?

Suica: Die Antwort ist: Es gibt nur zwölf Abgeordnete aus Kroatien und natürlich zwölf in 766 ist wirklich klein. Aber wenn wir sehen, dass wir in großen Gruppen sind, wie europäische EPP, Europäische Volkspartei oder Sozialdemokraten, dann kann man in diesen großen Gruppationen etwas machen. Das ist, was wir unseren Bürgern sagen. Und skeptisch ist normal, weil wir erst vor 23 Jahren ein freier Staat sind, und jetzt in sehr, sehr kurzer Zeit wieder in eine große Organisation sind. Das ist normal. Aber ich hoffe, dass die Leute sehr, sehr bald, in ein oder zwei Jahren, sehen werden, dass Europa gut für uns ist. Aber die Leute brauchen ein bisschen Zeit und mehr, mehr Nachrichten und mehr Propaganda über das freie Europa.

Barenberg: Investoren anlocken, damit sie nach Kroatien kommen und der lahmenden Wirtschaft ein wenig auf die Sprünge helfen - ist das die größte Hoffnung, die Sie mit dem Beitritt zur Europäischen Union verbinden?

Suica: Ja, natürlich.

Barenberg: Und wie groß ist Ihre Hoffnung, dass das relativ schnell auch geschehen wird? Denn es gibt ja viele, die sagen: Die Bedingungen für Investoren, für Investitionen in Ihrem Land sind gerade im Moment nicht sehr gut.

Suica: Es gibt demokratische Barrieren, aber ich hoffe, dass das locker mit Europa sein wird. Viele neue Gesetze kamen in Kraft, aber erst im Juli, und das wäre sehr bald besser sein, das ist meine Hoffnung. Und ich bin sicher, dass die Leute sehen werden, dass, wenn wir unsere Gelegenheiten mit Kohäsion, Struktur, das Geld bekommen können, und wenn wir unsere Infrastruktur verbessern können, werden die Leute dann bald sehen, dass es besser in Europa ist.

Barenberg: Wie hinderlich könnte es sein, dass viele hier - bei uns jedenfalls - noch davon sprechen, dass es ein großes Ausmaß an Korruption beispielsweise noch gibt, an Rechtsunsicherheit in Kroatien?

Suica: Ja, das war ein Problem in unserer Geschichte. Aber jetzt, Sie wissen, dass wir Chapter 23 geschlossen haben und dass alles jetzt verbessert ist.

Barenberg: Da geht es ums Rechtswesen unter anderem.

Suica: Ja.

Barenberg: Und Sie glauben, die Probleme sind aus der Welt geschafft?

Suica: Ich bin sicher, dass es jetzt viel, viel besser ist, als vor seit drei oder fünf Jahren ist, und das war auch ein Grund, dass wir das beschlossen haben, weil wir die Situation verbessern haben.

Barenberg: Frau Suica, das Motto der Europäischen Union - ich habe das anfangs erwähnt - lautet: In Vielfalt vereint. Wie wird das auf Kroatisch heißen?

Suica: In Kroatisch will das "Ujedinjeni u razlièitosti". Das heißt, wir sind vereinigt, wir sind vereinigt in Vielfalt, weil da in 28 Länder gibt es viele Differenzen, aber diese Differenzen sind unser Reichtum.

Barenberg: Dubravka Suica von der konservativen Regierungspartei HDZ, vielen Dank für das Gespräch heute Morgen!

Suica: Vielen Dank!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.


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